Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier bei den Stadtwerken Prenzlau, umrahmt von Stadtwerke-Geschäftsführer Harald Jahnke (r.) und Julian Büche, Geschäftsführer der VKU-Landesgruppe Berlin-Brandenburg.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier bei den Stadtwerken Prenzlau, umrahmt von Stadtwerke-Geschäftsführer Harald Jahnke (r.) und Julian Büche, Geschäftsführer der VKU-Landesgruppe Berlin-Brandenburg.

(c) Stadtwerke Prenzlau

Harald Jahnke wirkt schon ein wenig unruhig, als er auf dem Vorplatz der Stadtwerke Prenzlau auf den angekündigten Besuch wartet. „Ein Staatsoberhaupt begrüßen zu können, das gab es in der 90 Jahren der Unternehmensgeschichte noch nicht“, meint der Geschäftsführer des Kommunalunternehmens, und prüft etwas nervös seinen dunklen Anzug. Dann verschwinden wie auf ein Kommando die Dutzenden Polizisten, die das gesamte Unternehmen stundenlang hermetisch abgeriegelt und Räume sogar mit Spürhunden geprüft hatten – und die Staatskarosse mit dem Stander des Präsidenten rollt auf den Hof.

Jahnke und der Aufsichtsratsvorsitzende Marek Wöller-Beetz begrüßen Frank-Walter Steinmeier und seine Gattin nach allen Regeln des Protokolls. Dann endlich wird alles lockerer: Steinmeier schüttelt im Kundenzentrum Hände von Mitarbeitern, fragt nach dem Befinden und wie es sich so lebe in der Uckermark. Denn das ist das eigentliche Thema seines Arbeitsbesuches: Er will sich – nach einer ähnlichen Tour durch Bayern – ein Bild vom Leben und Arbeiten in den ländlichen Räumen des Landes verschaffen. Stationen dabei sind Kinderkrippen, Krankenhäuser, Verkehrsunternehmen – und eben auch die Stadtwerke Prenzlau.

Nordskandinavische Verhältnisse 

20 Minuten Zeit bleiben Harald Jahnke, um sein Unternehmen im Konferenzraum kurz vorzustellen, auf Erreichtes und auch auf die offenen Probleme hinzuweisen. Das Städtchen Prenzlau liegt rund anderhalb Bahnstunden nördlich von Berlin, 17 000 Einwohner leben hier. Doch im Umland, der naturschönen Uckermark, kommen auf jeden Quadratkilometer nur 20 Bewohner: „Das sind nordskandinavische Verhältnisse, die an die Daseinsvorsorge hohe Ansprüche stellen“, sagt Jahnke. Denn die Gegend zu erschließen ist aufwändig, darf aber nicht teuer sein. Die Einkommen hier sind im Schnitt die niedrigsten im ganzen Land.

2011 haben die Stadtwerke die Leitungsnetze erworben, seither beliefern sie jedes Jahr mehr Kunden mit Strom – inzwischen 14280 Haushalte, inklusive in den Nachbargemeinden. Dazu kommen Gas, aber auch Fernwärme, denn Prenzlau verfügt über eine fast 3000 Meter in die Tiefe reichende Geothermieanlage. Auf 52 Mio. Euro Umsatz konnten die Erlöse in den letzten Jahren  gesteigert werden, auch, weil die Stadtwerke nicht nur die in der Gegend sehr beliebte Marke „Uckerstrom“ vertreiben, sondern auch in der Fläche präsent sind. „Wir haben keine schönen Callcenter, sondern ein Büro mit Ansprechpartnern in den Dörfern“, sagt Jahnke.

Breitbandausbau kommt nur schleppend voran

Eine Besonderheit gibt es seit einem Jahr beim Bereich Wasser/Abwasser: Die Stadtwerke haben eine gemeinsame Betriebsgesellschaft mit dem Zweckverband des Umlandes gegründet, der fast das gesamte nördstliche Brandenburg auf rund 1000 Quadratkilometern abdeckt. Dort im ländlichen Raum gibt es meist keine Anschlüsse an ein zentrales Abwassernetz. „Die Entscheidung, dort auf eine mobile Entsorgung zu setzen, hat sich als richtig erwiesen, weil ein flächendeckendes Kanalnetz nicht zu bezahlen wäre“, sagt Jahnke. Damit kommt es zu den Problemen.

Beim Aufbau eines schnellen Breitbandnetzes kommt die Stadt Prenzlau voran. Im Netz einer Gesellschaft, an der die SWP beteiligt ist, soll die jetzige Datenrate von 120 MB Anfang nächsten Jahres auf 200 oder 400 MB steigen, bis Jahresende dann sogar auf 600 MB. Doch im ländlichen Raum sind solche Werte heute noch ein Traum: 23 Prozent alles Haushalte müssen mit weniger als 30 MB auskommmen, berichtet Landrätin Karina Dörk.

Hohe bürokratische Hürden

Bei der jetzigen Ausschreibung seien zwar hohe Fördermittel zu erwarten, die Stadtwerke ziehen aber dennoch nicht mit. Bei einem Investitionsvolumen von mindestens 90 Mio. Euro sind die Risiken, aber auch die bürokratischen Hürden zu hoch. „Der Ausbau muss flächendeckend gelingen“, sagt die Landrätin, sonst gibt es hier keine Zukunft. Denn die Uckermark gilt für viele Berliner als ländlich-ruhige Alternative. Doch Arbeit und Freizeit ohne Breitband-Qualität sei heute keine Option mehr. (masch)

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