Die renommierte Wirtschaftswissenschaftlerin ist seit Mai diesen Jahres Mitglied im Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung (Wirtschaftsweise). Zudem ist Veronika Grimm in zahlreichen Gremien und Beiräten aktiv, so als Mitglied des Nationalen Wasserstoffrats der Bundesregierung. Im Gespräch mit der ZfK erläutert die 48-jährige ihre Forderungen und Einschätzungen zur Klima- und Energiepolitik.
So plädiert Grimm für eine Streichung der EEG- und KWK-Umlage und eine Absenkung der Stromsteuer, um den Strompreis weiter zu entlasten und so neue Geschäftsmodelle rund um die Sektorenkopplung voranzubringen. Umso mehr dies gelinge, umso weniger Geld müsse der Staat für oft kleinteilige und bürokratisch aufwendige Förderprogramme in die Hand nehmen. Zur Gegenfinanzierung empfiehlt die Inhaberin des Lehrstuhls für Volkswirtschaftslehre an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg ein zeitliches Vorziehen einer sektorenübergreifenden CO2-Bepreisung in Höhe von 50 Euro pro Tonne vor dem Jahr 2025. Dies müsse auch auf europäischer Ebene durchgesetzt werden.
Nationale Wasserstoffstrategie als Wendepunkt - Chancen für Stadtwerke
Als Wendepunkt in der deutschen Energie- und Klimapolitik sieht Grimm die Nationale Wasserstoffstrategie, weil sie einen sehr umfassenden Blick auf die Energieversorgung von morgen werfe und auch den notwendigen Strukturwandel in der Industrie mitdenke. Auch für Stadtwerke ergäben sich hierbei vielfältige Chancen.
"Das Fundament ist geschaffen, nun kommt es auf eine ambitionierte Umsetzung an", unterstreicht Grimm. Die Wasserstoffstrategie sei ja so angelegt, dass man nun mit einer Elektrolyseleistung von 5 Gigawatt in Deutschland bis 2030 anfange und dann möglichst bald auf 10 GW hochfahre. Doch zeigt sich die Wirtschaftsweise überzeugt, dass künftig einer großer Teil des grünen Wasserstoffs und der synthetischen Energieträger aus Regionen mit kostengünstigen Erzeugungspotenzialen für erneuerbaren Strom wie Marokko via Schiff importiert wird. Der Aufbau von Energiepartnerschaften bietet sowohl für die jeweiligen Erzeugerländer als auch für die deutsche Industrie enorme Chancen.
Import nicht gegen Ausbau der Erneuerbaren hierzulande ausspielen
Gleichzeitig brauche es jedoch einen massiven Ausbau der Erneuerbaren bei uns, um die verschiedenen Sektoren zu dekarbonisieren. Es wäre fatal, die Importoptionen zu instrumentalisieren, um den Erneuerbaren-Ausbau in Deutschland auszubremsen, unterstreicht Grimm.
Zwar gebe es beim Ausbau der erneuerbaren Energien, vor allem der Windkraft an Land, in Deutschland teils massive Akzeptanzprobleme. Dies löse man allerdings nicht durch strikte Regelungen wie die 10-H-Regelung in Bayern für Windpark. "Man sollte dies eher regional angehen und die Akzeptanz vor Ort erhöhen, zum Beispiel durch mehr Teilhabe der Bürgerinnen und Bürger", argumentiert die Wirtschaftsweise. (hcn)
Das Interview mit Veronika Grimm finden Sie in der aktuellen Juli-Ausgabe der ZfK, die am 6. Juli erscheint.



