„Nicht nur freitags – wer die Welt will wandeln, der muss handeln“: Unter diesem Motto diskutierten Experten und Politiker auf dem Ludwig-Erhard-Gipfel am Tegernsee über den Weg zu mehr Umweltschutz und zur Erreichung der Klimaziele.
Die Panel-Teilnehmer auf der von der Weimer Media Group organisierten Veranstaltung waren sich einig, dass unter globalen Gesichtspunkten Deutschland als relativ wohlhabendes Land große Anstrengungen unternehmen sollte, den CO2-Ausstoß auf das vom Pariser Klimaabkommen geforderte Niveau zu reduzieren, damit die Erderwärmung auf zwei Grad begrenzt werden kann.
Dobrindt: „Wir müssen Vorreiter sein“
„Die Welt schaut auf uns: Denn wir sind in der Lage, Technologien zu entwickeln, mit denen man CO2 einsparen kann“, sagte Alexander Dobrindt (MdB). „Wir wollen zeigen, dass wir das können, und dann die Innovationen in andere Länder exportieren“, so der Vorsitzende der CSU-Landesgruppe im Deutschen Bundestag. „Das muss unsere Vorreiterrolle sein.“
Grundsätzlich dürfe man das Umweltthema nicht nur lokal denken, mahnte Dobrindt. „Die globale Erwärmung muss man global angehen.“ Es reiche nicht aus, dass Deutschland seine Klimaziele für 2030 erreiche. Die Bundesrepublik müsse sich dafür einsetzen, dass auch in anderen Ländern mehr für die Minderung der CO2-Emissionen getan wird. „In der Zeit, in der wir aus der Atom- und aus der Kohleenergie aussteigen, entstehen in Afrika 1000 neue Kohlekraftwerke“, sagte Dobrindt. „Lokal, aber auch global handeln, ist die Devise.“
Weizsäcker: „Energie ist zu billig“
Prof. Ernst Ulrich von Weizsäcker, ehemaliger Co-Präsident des Club of Rome, stimmte sowohl dem technologischen als auch dem internationalen Ansatz zu und sagte: „Wir müssen uns dafür engagieren, dass es für Entwicklungsländer wie Afrika lukrativ wird, CO2 zu reduzieren.“ Der Wissenschaftliche Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU) habe einen Vorschlag dafür gemacht, den sogenannten Budgetansatz: „Wenn wir weiter CO2 ausstoßen wollen, dann müssen wir Lizenzen von Entwicklungsländern kaufen“, so der Umweltwissenschaftler. Dann hätten afrikanische Länder einen ökonomischen Anreiz, statt in Kohlekraftwerke in alternative Energien zu investieren und die frei werdenden Lizenzen an europäische Länder zu verkaufen. „Das ist ein genialer Vorschlag“, sagte von Weizsäcker.
Was Deutschland betrifft, müssten die staatlichen Rahmenbedingungen geschaffen werden, dass Investoren und Unternehmen sich planbar auf einen CO2-Minderungspfad einstellen können. Technisch wäre es beispielsweise ohne Probleme machbar, die Energieeffizienz zu verzehnfachen. „Allerdings ist das derzeit nicht rentabel, weil die Energie zu billig ist“, sagte der Experte. Sie müsste schrittweise und industrie- sowie sozialverträglich verteuert werden.
Finkbeiner: „Aufforstung ist Konjunkturprogramm“
Die globale Sicht auf das Thema unterstützte auch Felix Finkbeiner, Gründer von Plant-for-the-Planet. Die Kinder- und Jugendinitiative engagiert sich für die Pflanzung von Bäumen weltweit. Das Aufforstungsprogramm sei nicht nur ein großes Umweltprojekt, sondern auch ein globales Konjunkturprogramm. Was Umweltinnovationen betreffe, verwies Finkbeiner auf die EEG-Umlage, die dazu geführt habe, dass Solarstrom auf der ganzen Welt günstiger geworden sei. Er schlug vor, ähnlich auch bei anderen Technologien vorzugehen.
„Um unseren guten Ruf bezüglich Innovationen zu erhalten, müssten wir schneller als andere vorangehen“, sagte Prof. Thomas F. Hofmann, Geschäftsführender Vizepräsident für Forschung und Innovation der Technischen Universität München (TUM). Um sich für die Herausforderungen der Zukunft aufzustellen, müssten Universitäten interdisziplinäre Strukturen schaffen. Das Silodenken, die Fakultäten, müssten abgeschafft werden. „Genau das machen wir gerade bei der TUM. „Wir etablieren interdisziplinäre Schools.“ Denn Probleme wie das Klimathema könnten nur durch bereichsübergreifende Ansätze gelöst werden.
Europaweite Regeln notwendig
Von Weizsäcker verwies darüber hinaus abschließend auf umweltpolitische Voraussetzungen für Innovationen. Grundsätzlich müsse man dafür sorgen, „dass es Jahr für Jahr rentabler wird, mit dem Richtigen Geld zu verdienen statt mit dem Falschen. Heute ist Umweltzerstörung rentabler als Umweltschutz. Wenn wir das nicht mit einer möglichst europaweiten staatlichen Rahmensetzung korrigieren, dann haben wir wohl keine Chance, wirklichen Umweltschutz zu etablieren“, sagte von Weizsäcker. (hp)
