Jochen Homann, Präsident der BNetzA, sieht in der Befragung erläutert die Bedeutung der Befragung für die regulatorischen Rahmenbedinungen.

Jochen Homann, Präsident der BNetzA, sieht in der Befragung erläutert die Bedeutung der Befragung für die regulatorischen Rahmenbedinungen.

Bild: © Bundesnetzagentur

Die Bundesnetzagentur hat den Weg geebnet für eine vierte deutsche Stromautobahn. Eine Gleichstrom-Verbindung zwischen Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen sei erforderlich, teilte die Regulierungsbehörde am Dienstag in Bonn mit. Die Behörde hatte einen Vorschlag der Netzbetreiber geprüft. Diese wollten die zusätzliche Trasse von Schleswig-Holstein bis nach Altbach in Baden-Württemberg bauen. Die Netzagentur signalisierte zwar vorerst grünes Licht, ist aber für eine kürzere Strecke nur bis Nordrhein-Westfalen.

Zudem plädiert die Behörde für den Ausbau von Wechselstromverbindungen, also kleineren Leitungen. Nach einer Konsultationsphase will die Netzagentur bis Ende dieses Jahres final über den sogenannten Netzentwicklungsplan entscheiden. Es gilt als wenig wahrscheinlich, dass die Behörde doch noch gegen die vierte deutsche Trasse votiert.

Genauer Verlauf wird später geklärt

Der Streckenkorridor für die neue Stromautobahn geht von Heide in Schleswig-Holstein über Wilhelmshaven bis nach Polsum und Uentrop in Nordrhein-Westfalen. Der genaue Streckenverlauf zwischen diesen Orten ist noch unklar – er wird erst in einem späteren Verfahren festgelegt, das dauert noch lange.

Drei weitere große Stromtrassen sind bereits in der konkreten Planungsphase. "Suedlink" geht vom südlichen Schleswig-Holstein bis ins württembergische Großgartach, "Suedostlink" von Sachsen-Anhalt nach Bayern und "A-Nord"/"Ultranet" von der Nordsee-Stadt Emden über NRW bis zum badischen Philippsburg. Die Vorhaben lösen in der örtlichen Bevölkerung mitunter starke Widerstände aus.

Erleichterung bei den Netzbetreibern

Um die Betroffenen mit ins Boot zu holen, setzt die Bundesnetzagentur auf Dialog. Am Dienstag startete sie eine Konsultation des Netzentwicklungsplans – Firmen, Verbände und Vertreter der Zivilgesellschaft können sich bis Mitte Oktober zu Wort melden. Bis Jahresende will die Regulierungsbehörde den Plan festlegen. Auf dessen Basis wiederum soll der Bundesgesetzgeber den Leitungskorridor in ein Gesetz aufnehmen – ist er hierin verankert, muss die neue Stromautobahn gebaut werden.

Die Netzbetreiber reagierten erleichtert. "Wir begrüßen, dass die Bundesnetzagentur den grundsätzlichen Bedarf für die von uns vorgeschlagene vierte Gleichstromverbindung bestätigt hat", sagte eine Sprecherin von Tennet. "Diese Verbindung wird in Zukunft wichtig sein, um erneuerbaren Strom aus Schleswig-Holstein in die Wirtschaftsregionen und Ballungszentren in Westdeutschland zu bringen." Das sei besonders mit Blick auf den geplanten Kohleausstieg wichtig. Amprion äußerte sich ebenfalls positiv.

Politik im Einklang

Auch aus der Politik kam Zustimmung. Der energiepolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Joachim Pfeiffer, nannte die Entscheidung der Netzagentur konsequent. "Der geplante Umbau der Energieversorgung, insbesondere der Ausbau der erneuerbaren Energien wird nur dann funktionieren, wenn er Hand in Hand mit dem Ausbau und der Modernisierung der Stromnetze geht", sagte der CDU-Politiker. "Wer A sagt, muss auch B sagen, wer mehr Strom aus Wind und Sonne will, kann nicht gegen den notwendigen Netzausbau sein."

Die energiewirtschaftliche Sprecherin der Grünen, Ingrid Nestle, sagte, es werde deutlich, dass die Erneuerbaren-Ziele und der Kohleausstieg an den Stromtrassen nicht scheitern werden. Es brauche einen Ausbau der Netze, "der einhergehen muss mit einer höchstmöglichen Transparenz und einer klaren Kommunikation".

Keine überflüssigen Trassen

Baden-Württembergs Umweltminister Franz Untersteller wiederum begrüßte, dass keine dritte Gleichstromleitung bis nach Baden-Württemberg führen wird und betonte: "Wir brauchen große Übertragungskapazitäten von Nord nach Süd, das ist unbestritten. Aber unnötige Trassen zu planen, ist weder energiepolitisch, noch ökonomisch, noch ökologisch sinnvoll. Wir können und wir sollten vielmehr die bestehenden Planungen optimieren. Dazu fordere ich die Übertragungsnetzbetreiber ausdrücklich auf."

Vorstellbar und zielführend sei beispielsweise, SuedLink mit der neuen 525-kV-Technologie zu planen. "Alleine das würde die benötigte zusätzliche Kapazität für den Stromtransport aus dem Norden bringen", sagte Untersteller.

Strompreis soll weitgehend stabil bleiben

Wie teuer die neue Stromtrasse wird, ist noch nicht einschätzbar. Klar ist nur, dass es um Milliarden geht. Die Kosten trägt am Ende des Tages der Verbraucher über die Stromrechnung. Allerdings werden die Investitionskosten, die von der Bundesnetzagentur genehmigt werden, über mehrere Jahrzehnte abgeschrieben – die Stromrechnung dürfte deswegen also nicht durch die Decke gehen, zumal die Verbesserung des Energienetzes zu einer Stabilisierung der Stromkosten beitragen soll. (ls/dpa)

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