Thorsten Herdan, Referatsleiter im Bundeswirtschaftsministerium (BMWi)

Thorsten Herdan, Referatsleiter im Bundeswirtschaftsministerium (BMWi)

© DVGW/Runge

Industrie, Verkehr, Energiewirtschaft – potenzielle Abnehmer und Interessenten hat "das wunderbare erste Element" Wasserstoff, wie es Andreas Rimkus (SPD, MdB) am Dienstagabend nennt, schon jetzt genügend. Doch die jüngst vorgestellten Windkraft-Ausbauzahlen – von Thorsten Herdan, Referatsleiter im Bundeswirtschaftsministerium (BMWi), für die Energiewende als rein "homöopathisch" bezeichnet – führen der Wirtschaft vor Augen: Für eine Dekarbonisierung von Produktionsprozessen auf Basis von grünem Wasserstoff wird der in Deutschland produzierte Strom aus Erneuerbaren sicher nicht reichen. "Alle schielen auf die 170 TWh Strom aus Erneuerbaren“, um sich zu dekarbonisieren, erklärt Herdan. Das funktioniere nicht. "Wir werden Ökostrom in rauen Mengen importieren müssen."

Um dennoch eigene Wasserstoff-Wertschöpfungsketten entwickeln zu können, schlägt Herdan vor, einen Teil des deutschen Ökostroms für Märkte zu reservieren, die beim Wasserstoff nah an der Wettbewerbsgrenze sind, und dort Power-to-X-Anlagen zu entwickeln. "Um damit zu zeigen, wir können das und wir können die Anlagentechnik und weiteres dann auch exportieren."

Herdan: "Blaue Phase des Wasserstoffs können wir nicht überspringen"

Für alle anderen Bereiche, in denen Wasserstoff als "Carrier" zur Dekarbonisierung notwendig wird, wird man eine blaue Phase des Wasserstoffs jedoch nicht überspringen können. "Wir müssen aber von Anfang an so planen, dass wir langfristig grün werden. Es darf keinen Lock-in geben." Kurzfristig würden unsere Energieprobleme aber weder blauer noch grüner Wasserstoff lösen können, prognostiziert Herdan. "Zu den 2030er-Zielen werden sie kaum beitragen. Aber 2040, 50 oder 60 – da werden wir schon andere Handelsströme haben, und ich sehe kein Hindernis, warum der für die Wasserstoffproduktion nötige Ökostrom dann nicht, ähnlich wie heute das Gas aus Russland, aus anderen Erdteilen kommen kann."

Für die nächsten Jahre gilt es nun, erstmal eine H2-Readyness zu ermöglichen, die Gas- und Strominfrastruktur künftig enger zu verzahnen, und die Abgaben, Steuern und Umlagen zu reformieren. Darüber sind sich die Diskussionsteilnehmer einig, zu denen auch der stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Stadtwerke Mainz, Tobias Brosze, gehört. Die Mainzer haben aktuell noch mit sechs MW die größte Power-to-X-Anlage in Europa. In einigen Wochen werden sie den Titel aber wohl an andere Projekte abgeben müssen. (pm)

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