Seien es Batterien für Elektroautos, sauberer Wasserstoff, Energieeffizienzlabels, Recylingverfahren, vernetzte Verkehrssysteme, 5G oder künstliche Intelligenz: Leistungs- und Qualitätsstandards, technische Anforderungen, Prüfverfahren und Definitionen müssen durch Normen und Standards festgelegt werden.
Das auf europäischer Ebene entwickelte, durch die Wirtschaft getragene Normungssystem mit CEN (Europäisches Komitee für Normung) und CENELEC (Europäisches Komitee für elektrotechnische Normung) sowie nationale Organisationen wie DIN (Deutsches Institut für Normung) und DKE (Deutsche Kommission Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik ) hätten sich als freiwilliges System technischer Regeln und als Teil der Qualitätsinfrastruktur bewährt, unterstrich Elisabeth Winkelmeier-Becker, Staatssekretärin im Bundeswirtschaftsministerium (BMWi).
Schlagzahl bei der Normung erhöhen
Doch nun gelte es „die Schlagzahl zu erhöhen“, unterstrich sie bei dem Workshop „Europäische Normen und Standards stärken – Impulse für den Green Deal“ am gestrigen Mittwoch. Unter den Mitgliedsstaaten und der EU-Kommission sollten Beschleunigungsvorgänge entwickelt werden, damit zum Beispiel in der Kreislaufwirtschaft und der Digitalisierung gemeinsame Ziele wie der Green Deal erfolgreich umgesetzt werden könnten, unterstrich Winkelmeier-Becker.
Diese Einschätzung wurde bei einer Podiumsrunde unterstützt. Normung sollte neue Produkte und Geschäftsmodelle noch frühzeitiger antizipieren, um deren Markthochlauf zu stärken, betonte Christoph Winterhalter, Vorstandsvorsitzender von DIN und Vizepräsident Geschäftspolitik von CEN.
Verbraucherorganisationen verstärkt einbeziehen
Hierbei gelte es, noch frühzeitiger und enger als bisher zusammenzuarbeiten und auch Verbraucherorganisationen verstärkt einzubeziehen, unterstrich Clara de la Torre, Stellvertretende Generaldirektorin für Klimaschutz bei der EU-Kommission. Denn die „letzte Meile“ für nachhaltigere Produkte und Geschäftsmodelle sei ja schließlich die Verbraucherakzeptanz, sagte Monique Goyens, Generaldirektorin des Europäischen Verbraucherverbands BEUC.
Normung, die an Klimaschutz und Nachhaltigkeit ausgerichtet sei, stärke auch die Exportfähigkeit der europäischen Wirtschaft, betonte Marcus Wirtz, Geschäftsführender Gesellschafter des Maschinenbauers Jöst.
Innovationen voranbringen – doch Normungsaufwand nicht unterschätzen
Auch Christoph Wendker, Leiter Technisches Produktmanagements und Umweltreferat bei Miele, plädierte dafür bei neuen Produkten, Verfahren und Dienstleistungen schon früher in die Normung einzusteigen, um Innovationen voranzubringen. Allerdings dürfe der zeitliche und Know-how-Aufwand für die Festlegung von Normen nicht unterschätzt werden. (hcn)
