Spätestens diesen Dienstag muss die Bundesnetzagentur bekanntgeben, wer im Rahmen des Kraftwerksgesetzes (StromVKG) Zuschläge für die ersten rund fünf Gigawatt (GW) Langzeitkapazitäten erhält. Schon jetzt steht fest, dass Stadtwerke und andere kommunale Unternehmen höchstens eine Nebenrolle spielen werden. Stattdessen könnten Deutschlands größte Stromerzeuger im konventionellen Bereich ihre Vorrangstellung zementieren.
Eine Reihe grundsätzlich interessierter kommunaler Unternehmen hat sich dagegen entschieden, an der ersten Runde teilzunehmen. Dazu zählt die Aachener Stadtwerke-Kooperation Trianel. "Eine Teilnahme war für uns aufgrund der notwendigen Entscheidungs- und Gremienprozesse bei den beteiligten kommunalen Unternehmen zeitlich nicht darstellbar", erläuterte eine Unternehmenssprecherin. "Wir verfolgen das Projekt weiter und prüfen eine Teilnahme an der kommenden Ausschreibungsrunde."
KMW und Enervie setzen erste Runde aus
Auch der Kraftwerksbetreiber KMW, ein Gemeinschaftsunternehmen der Stadtwerke Mainz und der Wiesbadener ESWE, hat von einer Teilnahme an der ersten Runde abgesehen. Das Projekt "Zukunftskraftwerk" mit einer elektrischen Leistung von 250 Megawatt (MW), das möglichst schnell mit Wasserstoff betrieben werden sollte, habe man eingestellt, teilte eine Sprecherin mit. "Ob wir mit unserem geplanten Motorenkraftwerk an der Ausschreibung teilnehmen können, prüfen wir aktuell noch." Das Kraftwerk würde eine elektrische Leistung von 54 MW aufweisen.
Auch der mehrheitlich kommunale Energieversorger Enervie mit Sitz in Hagen gab in der ersten Runde kein Gebot ab. Die Projektentwicklung für ein mögliches Kraftwerksprojekt habe noch nicht den Reifegrad erreicht, um ein bindendes Angebot abzugeben, teilte ein Sprecher mit.
Durch den Kauf eines größeren Areals am bestehenden Kraftwerksstandort in Hagen-Kabel hat Enervie Anfang 2026 die Voraussetzungen für die Errichtung eines neuen Kraftwerkes geschaffen.
"Generell ist der Standort hierfür sehr gut geeignet", erläuterte der Sprecher. Das bisherige Konzept habe aber gezeigt, dass für den Bau einer Kraftwerksanlage noch weitere infrastrukturelle Herausforderungen bestünden, wie zum Beispiel der Transport großer Kraftwerkskomponenten. "Unabhängig davon werden wir das Projekt weiter verfolgen."
Energiewerk Mittelbaden nimmt teil
Für die Ausschreibung beworben hat sich das kommunale Energiewerk Mittelbaden. Das Unternehmen schickte vier Gasmotoren am Standort Lahr (Baden-Württemberg) mit einer Nettoleistung von insgesamt 10 MW ins Rennen. Würde das Energiewerk Mittelbaden einen Zuschlag erhalten, könnte es das wirtschaftlich Attraktive – einen langjährig gesicherten Ertrag für die Bereitstellung von Leistung – mit dem technisch Notwendigen verbinden.
Vor allem wegen sprunghaft gestiegener Netzanschlussanfragen in den vergangenen zwei Jahren hat sich im Netz des vorgelagerten Netzbetreibers Netze BW ein Engpass aufgetan, der rund 80 Prozent des Versorgungsgebiets des regionalen Verteilnetzbetreibers E-Werk Netze betrifft.
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Teilnahme von Stadtwerken Karlsruhe und Westfalen Weser offen
Nicht in Erfahrung bringen konnte die ZFK, ob die Stadtwerke Karlsruhe und Westfalen Weser an der ersten Ausschreibung teilnahmen. Beide Unternehmen registrierten in den Wochen vor Gebotstermin im Marktstammdatenregister Gaskraftwerke mit Betriebsstatus: "In Planung".
Laut Gesetz müssen Teilnehmer vor der Antragstellung geplante neue Erzeugungsanlagen in das Marktstammdatenregister eintragen. Ein Westfalen-Weser-Sprecher bat um Verständnis, dass sich sein Unternehmen aus wettbewerblichen Gründen nicht zu einer möglichen Beteiligung an laufenden oder noch folgenden StromVKG-Ausschreibungen äußere.
Die Stadtwerke Karlsruhe meldeten im Marktstammdatenregister zwölf Gasmotoren im Karlsruher Heizkraftwerk West mit einer Gesamt-Nettoleistung von 53 MW an. Westfalen trug ein 48-MW-Gasturbinen-
kraftwerk ohne feste Ortsangabe ein.
Kein Gaskraftwerk in Planung registrierten von Juli bis September andere große kommunale Unternehmen wie die Bremer SWB, die Stadtwerke München, die Hamburger Energiewerke oder Sachsenenergie. Auch der Kraftwerksstandort Rostock, wo das letzte Steinkohlekraftwerk Ostdeutschlands in Betrieb ist und das früher als möglicher Standort für einen Neubau gehandelt wurde, fehlt in der Liste. Das Kraftwerk Rostock wird fast zu gleichen Teilen vom Karlsruher Energiekonzern EnBW und dem Kölner Kommunalversorger Rheinenergie betrieben.
RWE und Leag listen mehrere Gigawatt
Sehr wohl gelistet sind dagegen Anlagen von Deutschlands größten Stromerzeugern RWE, Leag, Uniper und EnBW. RWE allein registrierte 4,3 Gigawatt (GW) Nettonennleistung. Auf Platz zwei folgen der ostdeutsche Betreiber Leag mit einer Gesamtleistung von 3,2 GW sowie Uniper mit 1,7 GW. EnBW trug rund 0,9 GW ein.
Mit Spannung blickt die Energiebranche deshalb darauf, ob sich die Großen am Ende auch durchsetzen werden. Das Bundeskartellamt hatte im Gesetzgebungsprozess vor einer Verfestigung bestehender Machtverhältnisse auf dem Stromerzeugungsmarkt gewarnt und sich – am Ende vergeblich – für eine Mengenbegrenzung eingesetzt.
Debatte um Leag
In Fachkreisen lösten zuletzt vor allem Gebote des Kraftwerksbetreibers Leag eine Debatte aus. Der Konzern plant laut Marktstammdatenregister vier Gaskraftwerke am brandenburgischen Braunkohlestandort Jänschwalde sowie zwei weitere Gaskraftwerke am sächsischen Braunkohlestandort Boxberg.
"Es sieht so aus, als würden die Dampfkraftwerke ohne Gasturbinen-Strang umgerüstet, also 'einfach' Kohlekessel gegen Gaskessel ausgetauscht und der Dampfstrang weitergenutzt", schrieb Fabian Huneke, Energieexperte bei der Denkfabrik Agora Energiewende, auf Linkedin.
Trifft die These zu, würde sich Leag hohe Kosten für Kraftwerksneubauten sparen. Zugleich würden die Kraftwerke aber einen geringeren Wirkungsgrad aufweisen als moderne Gas- und Dampfturbinenkraftwerke. Grundsätzlich lässt das Kraftwerksgesetz Kraftwerksmodernisierungen ausdrücklich zu, solange bestimmte Mindestinvestitionsschwellen eingehalten werden.
Auf ZFK-Anfrage bestätigte Leag zwar, sich an der ersten Ausschreibungsrunde beteiligt zu haben. Zu konkreten Konzepten wollte sich eine Unternehmenssprecherin allerdings nicht äußern.