An welchem Stromnetz hängen die meisten Stromnetzkunden Deutschlands? Ganz vorn ist die Eon-Tochter Westnetz. Es folgt der Stromnetzbetreiber der Hauptstadt, Stromnetz Berlin.

An welchem Stromnetz hängen die meisten Stromnetzkunden Deutschlands? Ganz vorn ist die Eon-Tochter Westnetz. Es folgt der Stromnetzbetreiber der Hauptstadt, Stromnetz Berlin.

Bilder: © dpa

Deutschlands größter Netzbetreiber Westnetz hat für seine Netzkunden im Haushaltsbereich gute Nachrichten. Die Entgelte sinken 2027 im Vergleich zum laufenden Jahr – und zwar deutlich. Ein mehrköpfiger Haushalt bei einem Jahresverbrauch von 4000 Kilowattstunden (kWh) muss theoretisch neun Prozent weniger zahlen.

Praktisch hängt es von den individuellen Verträgen von Kunden mit ihren Versorgern ab, wann Netzentgelte wie eingepreist werden. Die Netzentgelte sind vorläufig und werden zum Jahreswechsel final festgelegt.

Westnetz ist im Reigen der größten Netzbetreiber damit ein Ausreißer. Tendenziell steigen die Netzentgelte für einen mehrköpfigen Haushalt nämlich: bei der Kölner Rheinnetz etwa um vier Prozent, beim norddeutschen Netzbetreiber EWE Netz um fünf Prozent und bei Bayernwerk Netz um elf Prozent.

Bundesweit kaum Bewegung bei kleinen Verbräuchen

Im bundesweiten Durchschnitt dürften sich die Netzentgelte im Haushaltsbereich kaum verändern. Bei einem Erfassungsgrad von 86 Prozent ermittelte Datendienstleister Enet eine durchschnittliche Erhöhung von 0,06 Prozent für einen mehrköpfigen Haushalt.

Auch bei anderen kleineren Verbräuchen fällt der durchschnittliche Anstieg kaum ins Gewicht. Erst bei Jahresverbräuchen von deutlich mehr als 100.000 kWh ist ein Anstieg von rund drei Prozent zu beobachten.

Westnetz profitiert von Erneuerbaren-Mehrkosten-Ausgleich

Die Berechnung von Netzentgelten ist etwas für Feinschmecker. Neben Kosten für Instandhaltung und Ausbau des eigenen Stromnetzes müssen Netzbetreiber beispielsweise auch Kosten vorgelagerter Netze, Personalkosten und Kosten für Systemdienstleistungen mit einbeziehen. Die Berechnung unterliegt einer strengen Regulatorik. Die Bundesnetzagentur überwacht, ob alle Vorgaben befolgt werden.

Der Westnetz kommt zugute, dass sie 2027 nach eigenen Angaben erstmals von der bundesweiten Regelung zur Verteilung von Mehrkosten aus der Integration erneuerbarer Energien profitiert. Die Bundesnetzagentur wollte dadurch Netzgebiete entlasten, in denen besonders viele erneuerbare Energien zugebaut werden.

Gleichzeitig stünden die Netzentgelte weiterhin unter dem Einfluss steigender Kosten aus den vorgelagerten Übertragungsnetzen, erläutert eine Unternehmenssprecherin. Ausdrücklich nannte sie den Bundeszuschuss zu den Übertragungsnetzentgelten, der um rund eine Milliarde Euro gekürzt wird.

Lesen Sie auch: Erste Trends bei Strom- und Gasnetzgebühren

Zuschusskürzung "Hauptursache" für Entgeltsteigerung

Der Zuschuss hatte im Wesentlichen dazu beigetragen, dass die Netzentgelte für das laufende Jahr bundesweit sanken. Die Übertragungsnetzentgelte allein fielen in der Folge auf 2,86 Cent pro kWh. Für das kommende Jahr kündigten die Übertragungsnetzentgelte eine Steigerung um 24 Prozent an. Der neue Satz soll dann bei 3,54 Cent pro kWh liegen.

Wie stark die Kürzung der Bundesmittel auf Verteilnetzebene durchschlägt, ist im Wesentlichen davon abhängig, wie viel Strom das jeweilige Gebiet von dort bezieht. Der kommunale Netzbetreiber Pfalzwerke Netz führt den Anstieg seiner Netzentgelte für das kommende Jahr "maßgeblich" auf den geringeren Bundeszuschuss zurück. Die Netzentgelte für einen mehrköpfigen Haushalt steigen hier um elf Prozent.

Auch Stromnetz Berlin führt gestiegene Kosten in den Übertragungsnetzen als "Hauptursache" für den Anstieg seiner Netzentgelte an. Hier steigen die Entgelte für einen mehrköpfigen Haushalt um acht Prozent.

31 Prozent Netzentgeltanstieg in Walldürn

Die bislang größten Ausschläge nach oben und unten registrierte der Datendienstleister Enet woanders. Bei den Stadtwerken Parchim in Mecklenburg-Vorpommern sinken die Netzentgelte für einen mehrköpfigen Haushalt um 21 Prozent und bei den Stadtwerken Fröndenberg Wickede immerhin noch um 15 Prozent.

In die andere Richtung zeigen Netzentgelte in Teilen Süddeutschlands. Im Gebiet der Stadtwerke Walldürn (Baden-Württemberg) klettern die Netzentgelte um 31 Prozent nach oben und im Gebiet der Überlandzentrale Wörth/l.-Altheim Netz um 34 Prozent.

Lesen Sie weiter mit Ihrem ZFK-Abonnement

Erhalten Sie uneingeschränkten Zugang zu allen Inhalten der ZFK!

✓ Vollzugriff auf alle ZFK-Artikel und das digitale ePaper
✓ Exklusive Analysen, Hintergründe und Interviews aus der Branche
✓ Tägliche Branchen-Briefings mit den wichtigsten Entwicklungen

Ihr Abonnement auswählen

Haben Sie Fehler entdeckt? Wollen Sie uns Ihre Meinung mitteilen? Dann kontaktieren Sie unsere Redaktion gerne unter redaktion@zfk.de.

Home
E-Paper