Sepp Müller ist seit dieser Legislaturperiode stellvertretender Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Zu seinen fachlichen Zuständigkeiten gehört die Energiepolitik.

Sepp Müller ist seit dieser Legislaturperiode stellvertretender Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Zu seinen fachlichen Zuständigkeiten gehört die Energiepolitik.

Bild: © Tobias Koch

Unions-Fraktionsvize Sepp Müller hat seine Kritik an der Regelung Kanu 2.0 erneuert. Auch nach teils deutlichem Widerspruch aus der Energiebranche wirbt er für eine Abschaffung des Instruments, das Gasnetzbetreibern eine flexiblere Abschreibung ihrer Netze mit Blick auf die Klimaneutralität 2045 erlaubt. Eine Änderung oder Abschaffung des Instruments fällt in die Zuständigkeit der Bundesnetzagentur, die in Netzregulierungsfragen unabhängig ist.

"Was als Flexibilität verkauft wird, ist ein Vertrag zulasten Dritter", teilte der CDU-Bundestagsabgeordnete auf ZFK-Anfrage mit. "Die zusätzliche Belastung der Gasnetznutzer bei ohnehin horrenden Energiepreisen konterkariert die Interessen der Verbraucherinnen und Verbraucher." Die Bundesnetzagentur solle die Kann-Regelung zur Abschreibung der Gasnetze bis 2045 schnellstmöglich wieder zurücknehmen. "Alles andere schadet der Mehrheit zugunsten weniger Netzbetreiber." Müller ist in der Unions-Fraktionsspitze für Energiepolitik zuständig.

Viele Gasnetzbetreiber nutzen Kanu 2.0 bereits

Kanu 2.0 wurde im September 2024 veröffentlicht. Das Instrument soll Gasnetzbetreibern helfen, Investitionen durch kürzere und degressive Abschreibungen flexibel zu refinanzieren. Die Bundesnetzagentur will damit verhindern, dass am Ende der Transformation wenige verbleibende Kunden besonders hohe Kosten tragen. In der Anfangsphase können schnellere Abschreibungen die Netzentgelte allerdings erhöhen. Für dieses Jahr wenden rund 89 Prozent der Verteilnetzbetreiber im Zuständigkeitsbereich der Bundesnetzagentur Kanu 2.0 an, teilte die Behörde mit.

Müller hatte die Debatte am vergangenen Freitag im Bundestag angestoßen. "Wir wollen grüne Moleküle in den Netzen halten", sagte er während einer Debatte zum Gebäudemodernisierungsgesetz. "Vor diesem Hintergrund ist es richtig und wichtig, dass die Bundesnetzagentur in einem weiteren Prozess die Möglichkeit der Abschreibung der Gasnetze bis 2045 aufhebt."

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BDEW-Chefin: "Möglicherweise liegt ein Missverständnis vor"

Der Vorschlag stieß in Teilen der Bundespolitik und der Energiebranche auf Verwunderung. Die Bundesnetzagentur betonte, dass Kanu 2.0 "explizit keinen Zwang vorsieht, die vorhandenen Gasnetze bis 2045 abzuschreiben". Die Flexibilität sei gerade wegen der Heterogenität der Gasnetztransformation implementiert worden.

Kerstin Andreae, Chefin des Branchenverbands BDEW, nahm "mit Sorge" zur Kenntnis, dass im parlamentarischen Raum eine Abschaffung von Kanu 2.0 vorgeschlagen werde. "Möglicherweise liegt hier ein Missverständnis vor", kommentierte sie. "Kanu 2.0 ist kein Stilllegungsprogramm. Zudem ist darauf hinzuweisen, dass die Festlegung unabhängig von der Politik allein durch die insoweit unabhängige Bundesnetzagentur angepasst werden kann."

Auch der Verband kommunaler Unternehmen (VKU) warnte. "Ein Rütteln an Kanu 2.0 wäre das falsche Signal", teilte ein Verbandssprecher mit.

SPD-Energiesprecherin: Kanu 2.0 "sinnvoll"

Der Deutsche Verein des Gas- und Wasserfaches (DVGW) riet der Bundesregierung, Abschreibungsmöglichkeiten und Förderprogramme so zu gestalten, "dass dem Zukunftsenergieträger Wasserstoff und Grünen Gasen gleiche Marktchancen eingeräumt werden wie der Elektrifizierung". Ohne Moleküle werde die Energiewende nicht gelingen.

Widerspruch kam auch aus der eigenen Koalition. "Die optionalen Möglichkeiten einer schnelleren Abschreibemöglichkeit sind sinnvoll und sollten erhalten bleiben", schrieb Nina Scheer, energiepolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, auf ZFK-Anfrage. "Es kann nicht darum gehen, über starre Abschreibungsfristen Leitungen länger in Funktion zu halten, als es einem transformationsgerechten Nutzen nach sinnvoll und zumutbar wäre."

CDU-Abgeordneter Helfrich lobt Bundesnetzagentur

Bemerkenswert war zudem die Reaktion von Mark Helfrich, Müllers Fraktionskollege und Vorsitzender des Beirats der Bundesnetzagentur. "Die zunehmende Elektrifizierung wird schrittweise auch die Nutzerzahlen der Gasnetze sinken lassen und so werden die Gasnetzkosten zukünftig auf weniger Schultern zu verteilen sein", schrieb der CDU-Politiker. "Diese Entwicklung hat die Bundesnetzagentur rechtzeitig dazu veranlasst, mit den Kanu-2.0-Festlegungen Sonderabschreibungen auf Gasnetze zu ermöglichen und nicht fest vorzuschreiben."

Der Kollege Sepp Müller habe Recht, schrieb Helfrich weiter. "Durch die aktuellen Beschlüsse zur Biogas-Treppe werden mehr bestehende Gasnetze eine Zukunftsperspektive über 2045 hinaus haben. Damit haben die Betreiber solcher Gasnetze mehr Flexibilität bei der Abschreibung der Netze."

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