"Nachhaltigkeit und Bergbau ist möglich und machbar", sagt Michael Wurmser, Gründer des internationalen Minenkonzerns Norge Mining.

"Nachhaltigkeit und Bergbau ist möglich und machbar", sagt Michael Wurmser, Gründer des internationalen Minenkonzerns Norge Mining.

Bild: © Norge Mining/Weimer Media Group

Michael Wurmser ist Gründer des internationalen Bergbaukonzerns Norge Mining. Das Unternehmen hat in einer entlegenen Region Norwegens das nach eigenen Angaben weltweit größte Vorkommen an Phosphat-Erzgestein gefunden, aber auch große Mengen der wichtigen Rohstoffe Titan und Vanadium. Im ZfK-Interview ordnet er die Bedeutung der Funde für die Energieautarkie Europas ein und fordert eine Neuaufstellung der Energie- und Rohstoffpolitik der EU. Am Freitag, 22. April, um 10 Uhr 35, diskutiert Michael Wurmser auf einem Panel im Rahmen des Ludwig-Erhard-Gipfels, mit Audi-Chef Markus Duesmann und anderen prominenten Gästen über das Thema "Zukunft der Mobilität: Grüne Mobilität - aber wie?".

Herr Wurmser, was ist Ihr beruflicher Bezug zum Thema Grüne Mobilität?

Wurmser: Gerade nach dem auf dem UN-Klimagipfel in Glasgow beschlossenen Aus für den Verbrennungsmotor stellt sich zum einen die Frage, woher künftig die erforderlichen Rohstoffe für eine saubere Mobilitätswende denn herkommen sollen? Zum anderen sind die aktuelle Versorgungskrise und der Krieg in der Ukraine ein dringender Weckruf vor allem für Europa, das derzeit zu über 70 Prozent seiner Kritischen Rohstoffe aus China und Russland bezieht. Hier muss die Autoindustrie komplett umdenken, um sich aus dieser Abhängigkeit rasch zu befreien.

Als Rohstoffunternehmen werden wir mit unseren kritischen Rohstoffen die Grundlage liefern, damit eine saubere Mobilitätswende erst möglich wird. Schätzungen zufolge wird die Zahl zugelassener Elektrofahrzeuge weltweit bis 2040 auf rund 400 Millionen steigen. Es werden unzählige Batterien dafür benötigt, die Rohstoffe dafür müssen künftig aus sicheren und nachhaltigen Quellen wie etwa Norwegen kommen und Regularien wie dem Lieferkettengesetz oder den 17 Zielen der nachhaltigen Entwicklung entsprechen. Die hiesigen Autobauer werden nicht umhinkönnen, sich mit Rohstofflieferanten wie unserem Unternehmen zu verbinden.

Ihr Unternehmen hat in einem entlegenen Gebiet Norwegens das nach eigenen Angaben weltweit größte Vorkommen an Phosphat-Erzgestein gefunden, aber auch große Mengen an Titan und Vanadium. Wie ist die Bedeutung dieser Funde einzuschätzen mit Blick auf Energieunabhängigkeit, aber auch für die Energiewende und den Green Deal in Europa?

Unsere Vorkommen für Europa und für den Westen sind ein „Gamechanger“ und zwar in politischer als auch strategisch-wirtschaftlicher Hinsicht. Wir können vor Ort gerade schon aus zwei erbohrten verhältnismäßig kleinen Teilgebieten in Südnorwegen mindestens die nächsten 75 Jahre kritische Rohstoffe fördern, ohne dass sie zur Neige gehen. Europa - und darüber hinweg der Westen - können sich durch diese Ressourcen in Norwegen zumindest von den Rohstoffen Phosphat, Titanium und Vanadium die komplette Unabhängigkeit sichern.

Ohne Speicher keine Energiewende und hierfür ist aus unseren Vorkommen der Grundstoff Vanadium maßgeblich.

Damit ist die europäische Wirtschaft nicht länger von Drittstaaten wie etwa Russland, Marokko, Kasachstan aber insbesondere von China abhängig und die Energiewende ist weniger geopolitischen Risiken ausgesetzt. Und auch hier: Der Bedarf für den Green Deal ist immens. Denn ohne Speicher keine Energiewende und hierfür ist aus unseren Vorkommen der Grundstoff Vanadium maßgeblich, der in neuartigen Vanadium-Akkumulatoren unbegrenzte Wiederaufladungszyklen ohne Abnutzung ermöglicht.

Der Ukraine-Krieg hat dem Westen schonungslos seine Rohstoffabhängigkeit vor Augen geführt, die ich als gefährlich empfinde. Es ist offensichtlich, dass wir im Westen keine adäquate Sicherheitspolitik oder Interessenspolitik betreiben können, wenn wir rohstoffmäßig von Staaten abhängig sind, die uns nicht freundlich gesinnt sind. China und auch Russland spielen schmerzfrei die „Rohstoffkarte“ aus, wenn es um ihre eigenen Bedürfnisse und Interessen geht.

Rechtzeitig zum Batterieboom sind wir spätestens auf dem Markt. Sprich innerhalb der nächsten fünf Jahre.

Ab wann können Sie die Rohstoffe fördern und gibt es bereits konkrete Interessenten und Lieferverträge und wenn ja aus welchen Regionen der Welt? Wer sind Ihre Investoren?

Rechtzeitig zum Batterieboom sind wir spätestens auf dem Markt, sprich innerhalb der nächsten 5 Jahre. Aufgrund des Ukraine-Krieges könnte es noch schneller gehen. Russland und die Ukraine sind über Nacht als Rohstoffexporteure ausgefallen. Nun braucht es Lösungen und dringend sichere Alternativen. Die Beschleunigung unseres Time-to-market ist im Gang, wir führen diesbezüglich schon intensive Gespräche mit der EU als auch der norwegischen Regierung.

Das macht es auch für Investoren immer interessanter, bei uns einzusteigen. Derzeit sind ausschließlich europäische Investoren aus Deutschland, Österreich, Norwegen, Großbritannien und der Schweiz bei uns engagiert. Auf jeden Fall wollen wir ein europäisches Unternehmen bleiben.

Man kann nicht für Energie- oder Mobilitätswende sein, aber gegen Bergbau.

Wie nachhaltig ist Ihr Geschäftsmodell? Wie stark wird die Natur belastet, wie ist das Zusammenspiel und die Akzeptanz bei der lokalen Bevölkerung? Was gibt es als Ausgleich für die Landbesitzer? Ist es ein nachhaltig gutes Geschäft für alle?

Natürlich ist Bergbau immer ein Eingriff in die Natur, da müssen wir realistisch bleiben. Allerdings kann man nicht für die Energie- oder Mobilitätswende sein, aber gegen Bergbau. Das geht nicht zusammen. Dennoch: Nachhaltigkeit und Bergbau ist möglich und machbar. Insgesamt ist unser Geschäftsmodell unter der Überschrift „Green Mining“ komplett auf Nachhaltigkeit ausgelegt. Wir nutzen ausschließlich erneuerbare Energien aus Wasser- und Windkraft für die Stromversorgung unseres Unternehmens.

Die Mineralien können aufgrund ihrer magmatischen Beschaffenheit ohne chemische Zusatzstoffe und Unmengen von Wasser komplett aus dem Erzgestein gewonnen und voneinander getrennt werden. Nach der Rohstoffförderung planen wir eine Renaturierung des jeweiligen Abbaugebietes, das ohnehin kaum besiedelt ist. Überschüssiger Abraum wird unter anderem an die Niederlande, Dänemark oder Schottland für die Aufschüttung ihrer vom steigenden Meeresspiegel bedrohten Küsten sowie für Offshore-Windparks verkauft.

So ein Projekt kann man nur mit und nicht gegen die Bevölkerung durchführen.

Und wir haben ein gutes Verhältnis zur örtlichen Bevölkerung. Wir stehen in engem Kontakt mit den Gemeinderäten und mit den örtlichen Zulieferern, Grundbesitzern und dort lebenden Bauern. So ein Projekt kann man nur mit und nicht gegen die Bevölkerung durchführen – das ist unser Grundsatz. Und es lohnt sich: Für die lokale Wirtschaft oder für Landbesitzer etwa, auf deren Gebiet wir fördern, müssen wir 2,5 Prozent unseres Umsatzes als Ausgleich zurückstellen, so hat es auch das norwegische Mineralgesetz geregelt und vorgegeben. Das sollte für alle ein gutes Geschäft sein.

Die Energieabhängigkeit von Russland, aber auch die Abhängigkeit bei kritischen Rohstoffen von China und afrikanischen Staaten sind Dauerthemen. Die EU propagiert seit längerem eine neue Rohstoffstrategie, das Ziel ist aber noch in weiter Ferne. Wie wichtig wäre eine solche Autarkie mit Blick auf Energiewende und Digitalisierung in Europa und wo sehen Sie aktuell die größten Hürden bei der Umsetzung?

Der Krieg in der Ukraine zeigt, auf welch unsicheren Füßen die Energie- und Rohstoffversorgung Europas bislang steht. Da ist gerade in der Politik trotz jahrelanger Warnungen viel versäumt worden. Das war absolut fahrlässig. Nun muss man die Liefer- und Wertschöpfungsketten neu überdenken, um sie mittels eigener Versorgungsautarkien nachhaltig zu sichern. Die Zeitenwende erstreckt sich auch auf den Energie- und Rohstoffsektor, der nun neu für Europa sortiert werden muss. Das wird aber nur gelingen, wenn die Regularien angepasst und die Energie- und Rohstoffpolitik sich von alten Dogmen befreit.

Die Fragen stellte Hans-Peter Hoeren.

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