Der Klimawandel bedrohe den Frieden und die Stabilität ganzer Regionen in der Welt, sagte Bundesaußenminister Heiko Maas am Dienstag auf dem fünften "Berlin Energy Transition Dialogue" im Auswärtigen Amt. Als Folge der sich beschleunigenden Entwicklung träten Dürren, Waldbrände, Überschwemmungen und Extremwetterereignisse immer häufiger und mit höherer Intensität auf. An vielen Orten der Welt verlören Menschen ihre Lebensgrundlage und müssten fliehen.
Maas rief deswegen zu einer stärkeren internationalen Zusammenarbeit im Kampf gegen den Klimawandel auf. "Globale Herausforderungen lassen sich nicht mit nationalen Alleingängen lösen", betonte der SPD-Politiker. Nicht zuletzt durch die jüngste Jugend-Protestbewegung "Fridays-for-Future" sei klar geworden, dass Energiepolitik auch Gesellschaftspolitik sei. Das fossile Zeitalter nähere sich unweigerlich seinem Ende. Bereits heute werde weltweit mehr in Erneuerbare investiert als in konventionelle Energien. Auf der anderen Seite hätten noch immer rund eine Milliarde Menschen keinen Zugang zu Strom.
Wachsende Kohleverstromung in Asien
In viele Staaten der Erde könnten bereits heute erneuerbare Energien zu wettbewerbsfähigen Preisen produziert werden, sagte Wirtschaftsminister Peter Altmaier. Auch er mahnte eine verstärkte internationale Kooperation im Kampf gegen den Klimawandel an. "Lassen sie uns alle ein Bekenntnis zum Multilateralismus ablegen", betonte der CDU-Politiker auf der Konferenz.
In den vergangenen beiden Jahren seien die CO2-Emissionen weltweit auf Rekordmarken gestiegen, getrieben vor allem durch die Kohleverstromung, erklärte Fatih Birol, Exekutivdirektor der Internationalen Energie Agentur (IEA). Vor allem in Asien steige die Zahl der Kohlekraftwerke weiterhin stark an, das Durchschnittsalter der Kohlekraftwerksflotte dort liege bei lediglich elf Jahren. Auch bei der Energieeffizienz habe die Dynamik weltweit in den vergangenen Jahren nachgelassen, warnte Birol. Grund hierfür seien geringere Anstrengungen der Politik.
Weltweite Energienachfrage explodiert
Die weltweite Stromproduktion wurde laut Birol im vergangenen Jahr nach wie vor stark von fossilen Energieträgern wie Kohle (38 Prozent), Erdgas (23 Prozent) und Erdöl (3 Prozent) dominiert. Die Erneuerbaren (Wasser/Biomasse: 19 Prozent, Photovoltaik/Wind: 7 Prozent) holten zwar massiv auf. Der deutliche Anstieg bei der Stromproduktion könne jedoch die stark steigende globale Stromnachfrage nicht abdecken, erklärte der IEA-Exekutivdirektor. Wichtigste Herausforderung sei darüber hinaus, die erneuerbaren Energien in das globale Stromsystem zu integrieren.
Bis zum Jahr 2040 werde die weltweite Nachfrage nach Energie voraussichtlich um 80 Prozent ansteigen, sagte Siemens-Vorstandschef Joe Kaeser. Der Klimawandel sei Realität, deshalb gelte es, den wachsenden Energiebedarf mit einer nachhaltigen Produktion zu verknüpfen. Deutschland habe bei dem Leuchtturmprojekt "Energiewende" viel riskiert und auch reichlich Lehrgeld zahlen müssen, "aber wir haben es gemacht", so Kaeser. Aus diesen Erfahrungen könnten wertvolle Schlüsse für den globalen Umbau der Energielandschaft gezogen werden. (hil)
