IEA-Exekutivdirektor Fatih Birol

IEA-Exekutivdirektor Fatih Birol

©IEAF

Anhaltendes Bevölkerungswachstum und rapide Wohlstandsgewinne, speziell in den urbanen Zentren Asiens, lassen den Energiehunger der Welt bis 2040 weiter kräftig steigen, genauer gesagt um mindestens ein Viertel. Gleichzeitig werden die Folgen des Klimawandels immer deutlicher sichtbar. Wie die Energiewirtschaft darauf weltweit reagieren muss, skizzierte Fatih Birol, Exekutivdirektor der Internationalen Energieagentur (IEA), am Freitag im Bundeswirtschaftsministerium. "Es gibt nicht eine einzelne Lösung. Wir brauchen einen Mix aus Ansätzen: mehr Erneuerbare Energien, mehr Energieeffizienz und innovative Technologien wie Speicher, Wasserstoff, CO2-Abscheidung und -Verwendung. Das sind alles Lösungen, die weiterentwickelt werden sollten", erklärte Birol.

Das rasante Wachstum des Stromsektors und der Erneuerbaren berge viele Chancen. Allerdings müsse ein Marktdesign gefunden werden, dass die steigende Nachfrage mit der fluktuierenden Erzeugung zusammenbringe. Am Ende würden die Regierungen weltweit entscheiden, wie die Energieerzeugung der Zukunft aussehe. Klar sei, dass die Berührungspunkte und Verknüpfungen zwischen Energie- und Geopolitik immer stärker werden, betonte der Chef der in Paris beheimateten Internationalen Energieagentur.

Europäer fallen auf den fünften Rang

Birol verwies auf die weltweiten Fortschritte bei der Versorgung mit Strom. "Erstmals ist die Zahl der Menschen auf dem Globus, die keinen Zugang zu Elektrizität haben, unter die 1-Milliarden-Grenze gefallen", betonte Birol. Die weltweiten Gewichte bei der Energienachfrage verschieben sich gewaltig. Noch im Jahr 2000 war die EU der weltweit zweitgrößte Energienachfrager. Bis zum Jahr 2040 werden die Europäer auf den fünften Rang abgerutscht sein – dann hinter China, den USA, Indien und Afrika im Ranking liegend.

Der Paradigmenwechsel in der globalen Energiewirtschaft wird vor allem bei den Investitionen deutlich. So lagen in den Jahren 2016/17 die in den Stromsektor gesteckten Summen erstmals über denen der Öl- und Gasbranche. Insgesamt wird sich das globale Gesamtinvestitionsvolumen in der Branche bis zum Jahr 2040 laut IEA-Schätzung auf 42,3 Billionen US-Dollar belaufen. Dabei werden mehr als 70 Prozent der Investments von staatlichen Konzernen oder aufgrund staatlicher Vorgaben und Regulierungen getätigt.

Kohleblöcke in Asien im Schnitt nur elf Jahre alt

Um die weltweite CO2-Bilanz kontinuierlich zu verbessern müsse nicht nur in neue Erzeugungsanlagen investiert, sondern vor allem auch die bestehende Infrastruktur verbessert werden, sagte der IEA-Chef. So machten Kohlekraftwerke rund ein Drittel der globalen CO2-Emissionen aus, die Hälfte dieser Blöcke weltweit sei aber weniger als 15 Jahre alt. In Asien liege das Durchschnittsalter der Kohlemeiler bei gerade mal elf Jahren, ein schnelles Abschalten sei völlig undenkbar. Deshalb müsse forciert an Lösungen wie Carbon Capture and Utilization (CCU) gearbeitet werden, also der Abscheidung von Kohlendioxid insbesondere aus Verbrennungs-Abgasen sowie dessen angeschlossene Verwendung bei weiteren chemischen Prozessen. (hil)

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