Benjamin Ferreau ist Dozent für Robotics und Artificial Intelligence unter anderem an der HAW (Hochschule für angewandte Wissenschaften) Hamburg.

Benjamin Ferreau ist Dozent für Robotics und Artificial Intelligence unter anderem an der HAW (Hochschule für angewandte Wissenschaften) Hamburg.

Bild: © Lisa Ferreau

Mitarbeitende müssen für den Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) geschult werden. Optionen sind Weiterbildungen, Workshops und interne Treffen mit Experten. Ein "gutes Narrativ" über KI ist wichtig, um Ängste vor Entlassungen zu mindern und den Fokus auf die Schaffung von Freiräumen zu legen. Eine KI-Strategie ist notwendig, um Geschäftsmodelle neu zu denken und Herausforderungen gezielt anzugehen.

Die Mitarbeitenden müssen für die Nutzung von Künstlicher Intelligenz (KI) befähigt werden. Wie geht man dabei am besten vor?

Dafür bieten sich mehrere Optionen an. Es gibt viele Dienstleister für Weiterbildungen. Sinnvoll sind auch Workshops, in denen man im Team Einsatzmöglichkeiten erarbeitet. Man kann interne, monatliche Zusammenkünfte organisieren, in denen ein Experte aus der eigenen Firma einen Aspekt des Themas erläutert – nach dem Vorbild der amerikanischen Town-Hall-Meetings. Oder man kann Veranstaltungen mit Impulsvorträgen von externen Fachleuten abhalten.

Sie haben davon gesprochen, dass KI ein "gutes Narrativ" braucht. Was meinen Sie damit?

Über KI heißt es oft, dass sie Teile unserer Arbeit schneller und besser erledigt. Das ist auch richtig. Aber was heißt das, wenn die KI 30 Prozent unseres Jobs übernimmt? Dann steht schnell die Befürchtung im Raum, dass Mitarbeitende entlassen werden. Ziel ist jedoch, dass wir mehr Freiraum und mehr Zeit für andere Tätigkeiten unseres Jobs haben. Wir haben doch alle eher zu viel zu tun als zu wenig.

Der KI-Einsatz stellt einen sehr großen Paradigmenwechsel dar, haben Sie in einem Interview gesagt. Was meinen Sie damit?

Die Anwendung von KI-Technologien bedeutet einen Shift vom Anwenden zum Kommunizieren. Derzeit ist es so: Wenn ich eine Software-Anwendung nutze, dann schreibe ich beispielsweise Werte in eine Eingabemaske und lasse das Programm eine Operation durchführen. Wenn ich die KI mit dem passenden Prompt "füttere", dann führt diese den gesamten Prozess ohne mein Zutun aus, denn sie kann viel komplexere Aufträge als gängige Software-Lösungen ausführen.

Können Sie ein Beispiel dafür nennen?

Wenn beispielsweise eine Führungskraft eine bestimmte KPI [Anm. der Redaktion: Key Performance Indicator] braucht, dann läuft das bisher meist so: Er oder sie ruft im Controlling an und lässt sich eine Excel-Liste schicken. Bei etwas fortschrittlicher Ausstattung gibt es ein Dashboard, das die gewünschte Zahl gut aufbereitet darstellt.

Wie funktioniert das nun mit KI-Einsatz?

Ich spreche (oder schreibe) zum Beispiel in mein Smartphone, dass ich eine bestimmte Kostenart im Verhältnis zum Umsatz wissen will. Die KI gibt Antworten, die sehr viel tiefer gehen und sehr viel detaillierter sind. Aber – und das ist wichtig – man muss wissen, wie man die Frage stellt, um die passende Antwort zu bekommen.

Ist die Erarbeitung einer KI-Strategie notwendig?

Ja, das ist sehr sinnvoll. Denn wir können mit KI unsere Geschäftsmodelle komplett neu denken. Zunächst sollte man analysieren, wo die Problemfelder im Unternehmen liegen. Mithilfe von KI – und das ist ein ganz entscheidender Punkt – kann man völlig neue Lösungen erarbeiten.

Können Sie dafür ein Beispiel nennen?

Bevor man über den Einsatz von KI spricht, sollte man erst ermitteln, welche Herausforderungen man angehen will. Zum Beispiel hatte ich mit einem Unternehmen zu tun, dem Software-Entwickler fehlten. Diese Fachkräfte sind derzeit nur sehr schwierig zu bekommen oder gar nicht auf dem Markt. Mit mehr Kapazitäten hätte die Firma gute Wachstumschancen gehabt.

Wie sah die Lösung aus?

Wir haben – übrigens zusammen mit dem Betriebsrat – genau analysiert, wie KI zum Schreiben von Codes für die Lösungen, die das Unternehmens anbieten will, eingesetzt werden kann. Gleichzeitig haben wir ein Konzept dafür entworfen, wie die bestehende Entwicklungsabteilung durch Schulungen und Weiterbildung auf die neuen Aufgaben vorbereitet werden kann.

Viele Stadtwerke entwickeln derzeit Lösungen unter dem Einsatz von KI, beispielsweise einen Chatbot für die Kundenbetreuung außerhalb der normalen Öffnungszeiten oder eine KI-gestützte Steuerung des Abwassers in einer Kläranlage. Ist das eine sinnvolle Herangehensweise an das Thema?

Auf jeden Fall. Es ist wichtig, die Möglichkeiten, die KI bietet, in ersten Use Cases zu testen. Gleichzeitig sollte man das "Big Picture" im Blick haben, nämlich wie man KI langfristig in sein Geschäftsmodell integrieren kann.

Das Interview führte Elwine Happ-Frank

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