Die wirtschaftliche Prognose ist unsicher und die Unternehmen schauen mehr aufs Geld.

Die wirtschaftliche Prognose ist unsicher und die Unternehmen schauen mehr aufs Geld.

Bild: © Worrannan/AdobeStock

Der kürzlich veröffentlichte „Faktencheck: Gehaltsentwicklung 2024“ des Beratungshauses Kienbaum wirft ein Spotlight auf die aktuellen Gehaltsdynamiken in deutschen Unternehmen – und offenbart eine Haltung der Vorsicht und verhaltenen Erwartungen.

Der gesellschaftlich spürbare Druck auf die Gehälter verzeichnet laut Studie eine leichte Entspannung: Während im Herbst 2023 noch 92 Prozent der Unternehmen von anhaltendem Druck sprachen, sehen dies im April 2024 nur noch 83 Prozent so.

Unsichere Zeiten machen sich bemerkbar

Die stichprobenartige Untersuchung unter 654 Teilnehmenden zeigt, dass die Gehaltserhöhungen nicht mehr so üppig ausfallen wie in der Vergangenheit. Die durchschnittliche Gehaltssteigerung liegt aktuell fast 2 Prozentpunkte unter den prognostizierten 4,7 Prozent. Die daraus resultierende Kernaussage ist deutlich: In unsicheren Zeiten haben Unternehmen mit Vorsicht gehandelt und die Gehaltsanpassungen unterhalb der einst großzügigen Planungen gehalten.

Die Solidaritätspolitik des Vorjahres, die besonders die von der Inflation stark betroffenen unteren Hierarchieebenen unterstützen sollte, hat sich in abgeschwächter Form fortgesetzt: Während Top-Führungskräfte und das Senior-Management nur moderate Erhöhungen von 2 Prozent bis 2,7 Prozent erhielten, konnten Spezialisten und Fachkräfte mit 3,2 Prozent eine überproportionale Steigerung verzeichnen.

Leistung zahlt sich aus

Laut Studie verändern sich auch die Vergütungsmodelle und passen sich an die Leistung der Mitarbeitenden an – variable Modelle kommen dabei wieder mehr in den Fokus. Im Detail: In Unternehmen, die ihre Ziele übertroffen haben, wurden Boni oft am oberen Ende der Skala ausgezahlt. Unternehmen, die hinter den Erwartungen zurückbleiben, gewährten tendenziell geringere Boni, was die direkte Kopplung von Leistung und Belohnung unterstreicht.

„In dynamischen Zeiten, in denen die Konjunkturprognosen verhalten ausfallen, scheinen die Unternehmen mit Augenmaß bei den Gehaltsanpassungen vorgegangen zu sein", bestätigt Michael Kind, Director Compensation & Performance Management bei Kienbaum.

Unternehmensgröße beeinflusst die Großzügigkeit

Größere Unternehmen scheinen etwas großzügiger zu sein, was die Gehaltsanpassungen betrifft, und bieten im Durchschnitt 3,2 Prozent mehr – im Gegensatz zu 2,4 Prozent bei kleineren Betrieben. Dies könnte darauf hindeuten, dass diese Unternehmen in einem harten Wettbewerb um Fachkräfte einen Vorteil suchen, ihn jedoch nicht voll ausschöpfen.

Die Erwartungen an die Einstiegsgehälter sind hingegen stabil geblieben, so ein weiteres Ergebnis. Lediglich 8 Prozent der Unternehmen berichten von einem Rückgang. Zudem bleibt die Herausforderung bestehen, neue Stellen zu besetzen: Nur 23 Prozent der befragten Unternehmen finden es leichter, offene Positionen im Vergleich zum Vorjahr zu füllen.

„Der Fachkräftemangel ist weiterhin spürbar, wenngleich er sich gefühlt etwas abschwächt. Passende Bewerber:innen fordern jedoch weiterhin attraktive Gehälter und können diese wohl auch durchsetzen", so Kind. (bs)

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