Eine Studie hat untersucht, warum viele Frauen noch immer vor MINT-Berufen zurückschrecken. (Symbolbild)

Eine Studie hat untersucht, warum viele Frauen noch immer vor MINT-Berufen zurückschrecken. (Symbolbild)

Bild: © VAKSMANV/AdobeStock

Laut dem letzten MINT-Herbstreport des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) hat sich die Arbeitskräftelücke im MINT-Bereich dramatisch vergrößert. Das IW fordert darin auch dazu auf, mehr Frauen für Fächer aus Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik (MINT) zu gewinnen.

Warum sich dennoch viele Schülerinnen trotz großen Interesses gegen einen MINT-Bildungsweg entscheiden, hat nun eine Kurzstudie der IU Internationalen Hochschule (IU) untersucht. Darin zeigte sich demnach, die Weichen schon viel früher gestellt werden müssen als bei der unmittelbaren Berufswahl.

Mangelndes Vorwissen

Die IU fand heraus: Obgleich 70 Prozent der befragten Schülerinnen ein persönliches Interesse an MINT-Themen haben und 81,8 Prozent generell an einem Studium interessiert sind, haben viele junge Frauen Bedenken, wenn es um ein MINT-Studium oder eine MINT-Ausbildung geht. 44,6 Prozent gaben demnach an, dieser Bereich sei ihnen zu schwierig, 42,7 Prozent fühlten sich mit MINT-Themen überfordert.

Zudem waren viele der Befragten der Meinung, dass ihnen das Vorwissen und die Fähigkeiten für spezielle MINT-Fächer fehlen. So betrachten sich im Bereich Technik nur 14 Prozent und in Informatik 16,2 Prozent der Teilnehmerinnen als ausreichend vorbereitet. Anders ist es lediglich in Biologie: Hier gaben 41,2 Prozent an, über viel Vorwissen zu verfügen.

Trockene Lehrpläne

Zudem empfanden die befragten Schülerinnen ihre Lehrpläne und Lehrenden als wenig motivierend. 44,9 Prozent nehmen MINT-Fächer in der Schule oft als trocken und langweilig wahr. Die Inhalte der MINT-Fächer sind demnach 34,8 Prozent zu kompliziert. 42,4 Prozent finden, ihre Lehrer:innen vermitteln die Inhalte auf eine langweilige Art und Weise.

Zudem gebe es finanzielle Hürden: Fast ein Vierteil (24,3 Prozent) der befragten Schülerinnen gibt an, dass ein MINT-Studium insgesamt zu teuer wäre, da sie wegen der hohen Belastung keinem Nebenjob nachgehen könnten. Die Meinung des Umfelds spielt eine vergleichsweise untergeordnete Rolle: Nur 16,1 Prozent machen sich Gedanken darüber, was die Freund:innen denken könnten, 8,4 Prozent fürchten, ihre Eltern wären mit der Studienwahl nicht einverstanden.

Vorbilder fehlen

Die Frage "Kennst du jemanden, der oder die im MINT-Bereich arbeitet" beantwortet über ein Drittel der Befragten (34,1 Prozent) mit "Nein". Nur wenige der Befragten haben Freundinnen oder weibliche Verwandte, die in MINT-Berufen arbeiten: Gerade einmal 9,9 Prozent haben eine Freundin, 8,2 Prozent gaben ihre Mutter oder Oma, 14,5 Prozent sonstige weibliche Verwandte an.

Abhilfe könnten hier Orientierungsangebote für die Berufs- oder Studienwahl schaffen, meinen die Studienautor:innen: 65 Prozent der Schülerinnen, die bereits Praktika absolviert oder in den Ferien gearbeitet haben, finden dies nützlich. Fast ebenso beliebt (62,3 Prozent) sind Gespräche mit Freund:innen, Familie oder Mentor:innen. Infoveranstaltungen wie Jobmessen, Girl’s Day oder Thementage landeten mit 45 Prozent auf Platz drei. Ähnlich populär sind mit 43,5 Prozent digitale Infokanäle – vor allem Instagram, Facebook, TikTok – und firmeneigene Webseiten.

Gendersensibler Unterricht

"Frauen entscheiden sich seltener als Männer für MINT-Studienfächer oder -Ausbildungen. Um etwas dagegen zu tun, muss man früh in der Schule ansetzen – etwa durch gendersensiblen Unterricht, der Mädchen und Jungen gleichermaßen anspricht", sagt Alexandra Wuttig, Kanzlerin der IU Internationalen Hochschule (IU).

Vor allem brauche es dringend mehr weibliche Vorbilder aus dem MINT-Bereich, die jungen Frauen Mut machten. "Vorbilder im direkten Lebensumfeld, wie Lehrer:innen und Familienmitglieder, aber auch aus der Wirtschaft, haben großen Einfluss auf die spätere Studien- und Berufswahl", so Wuttig. (jk)

Die Studie gibt es hier

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