Ulrike Adam, Personalchefin der Stadtwerke Pforzheim.

Ulrike Adam, Personalchefin der Stadtwerke Pforzheim.

Bild: © Stadtwerke Pforzheim

Wie kam die Idee zustande und wie können wir uns den Prozess dahinter vorstellen?

Die Einführung der Vier-Tage-Woche FLEX kam aus zwei Überlegungen heraus: Zum einen beschäftigt uns wie andere Unternehmen ebenfalls das Thema Employer Branding. Wesentlich ist hierbei die Bindung unserer bestehenden Kolleg:innen und Gewinnung neuer Mitarbeiter, um als attraktiver Arbeitgeber wahrgenommen zu werden. Zum anderen durchlaufen die SWP bereits seit dem Jahr 2020 einen starken Kulturwandel, angestoßen und geformt durch unsere KulturWERKstatt. An diesem offenen Prozess konnte sich die gesamte SWP-Belegschaft beteiligen, um die Unternehmenskultur von morgen zu schaffen.

Im Zuge dieses Kulturwandels kam auch die Frage nach der Arbeitszeit auf. Vor diesen Hintergründen haben wir ein Modell entwickelt, um laufende Prozesse und Personaleinsätze für ein Vier-Tage-Woche Flex Modell ab dem Jahr 2024 zu testen. Bei der Erarbeitung dieses Modells war neben der Personalabteilung, der Geschäftsführung und dem Betriebsrat auch die gesamte Belegschaft eingeladen, teilzuhaben und in Diskussionsrunden das Modell mitzugestalten. Moderiert wurden die Workshops, neben meiner Person, auch durch Herrn Schreich, Personalleiter der SWP, der begeistert von den konstruktiven Vorschlägen der Belegschaft war. Viele Hinweise bzw. Bedenken der Kolleg:innen konnten somit von Anfang in das Modell eingearbeitet bzw. beseitigt werden. Schon während der Pilotphase im Jahr 2024 werden wir die Neuerung eng begleiten, analysieren und ggf. nachsteuern – wenn das neue Arbeitszeitmodell gut angenommen wird und funktioniert, wollen wir im Jahr 2025 den nächsten Schritt gehen und die volle Vier-Tage-Woche einführen.

Wie sieht das Vier-Tage FLEX-Modell der SWP aus?

Für alle Mitarbeitenden werden im Vier-Wochen-Rhythmus zwei freie Tage generiert – auf eine klassische Fünf-Tage-Woche folgt also in der Regel immer eine kürzere Vier-Tage-Woche. Bei vollem Lohnausgleich reduziert sich damit die zu leistende durchschnittliche Wochenarbeitszeit von 39 Stunden in Vollzeitbeschäftigung auf 37 Wochenstunden. Die tariflichen Vorgaben werden selbstverständlich eingehalten. Unsere Mitarbeitenden behalten zudem ihre 30 frei verfügbaren Urlaubstage. Eine Ausnahme stellen neben Teilzeitkräften unsere Kolleg:innen in der Rufbereitschaft und im Schichtbetrieb sowie Eltern von Kindern unter 14 Jahren dar. Je nach Bedarf können diese ihre reduzierte durchschnittliche Wochenarbeitszeit auch über fünf Tage strecken.

Welche Herausforderungen sehen Sie für die Pilotphase?

Es bedarf innerhalb der einzelnen Teams und Abteilungen klarer Absprachen. Der Betrieb und die Versorgungssicherheit müssen für die gesamte Woche aufrecht erhalten bleiben, weshalb bereits in diesem Jahr mit der Planung der Anwesenheit über ein passgenau entwickeltes Personaleinsatzplanungstool für das nächste Jahr gestartet wird. Unsere interne Digitalisierungsstrategie konnte bereits einige Prozesse optimieren und verschlanken – die reduzierte Arbeitszeit ist ein weiterer Antrieb dafür, auch interne Prozesse weiter zu verbessern und effizienter zu gestalten. Als Personalabteilung mit dem Anspruch, zu den Nachhaltigkeitsbemühungen des gesamten Unternehmens beizutragen, begleiten wir auch diesen Prozess sehr eng.

Wie sehen diese Bemühungen konkret aus?

Mit unserem internen Zielbild einer „Green HR“ gehen wir den Weg eines nachhaltigen Personalmanagements. Als Personalabteilung der SWP haben wir uns zur Aufgabe gemacht, den Mitarbeitenden ein bestmögliches Umfeld zu bieten, damit diese gemeinsam mit uns wachsen können. So stellen wir sicher, dass die Menschen, die für die SWP arbeiten, dies gerne und im bestmöglichen Einklang mit ihrem privaten Leben tun. (hp)

Mehr zu dem Konzept mit Statements des SWP-Chefs Herbert Marquard lesen Sie hier.

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