Angesichts der Abrechnungsprobleme hält die Kritik an Westnetz an.

Angesichts der Abrechnungsprobleme hält die Kritik an Westnetz an.

Bild: © Adobe Stock/generiert mit KI

Eine umfangreiche Umstellung der IT-Systeme beim Netzbetreiber Westnetz führte zu massiven Problemen bei der Abrechnung der Einspeisevergütung für Betreiber von PV-Anlagen. Zahlreiche Anlagenbesitzer berichteten über ausbleibende oder verspätete Abrechnungen. Teilweise warteten sie monatelang auf ihre Zahlungen. Die Bundesnetzagentur (BNetzA) leitete deshalb ein Aufsichtsverfahren gegen den Verteilnetzbetreiber ein.

Westnetz arbeitet die entstandenen Rückstände nach eigenen Angaben mit Hochdruck ab. "Wir haben sechs Millionen Stromkunden und rund 340.000 EEG-Anlagen ins Netz integriert und in der Abrechnung. Die offenen Fälle sind ein Bruchteil davon", erklärte eine Unternehmenssprecherin auf ZFK-Nachfrage. "Aber wir wissen: Jeder einzelne Fall ist einer zu viel."

Jeder einzelne Fall ist einer zu viel.

Inzwischen hat Westnetz fast allen betroffenen Kunden Einmalzahlungen angeboten. Voraussetzung dafür waren allerdings vollständige Kundendaten. Die offenen Fälle seien komplex, die Anschlusskonstellationen überaus vielschichtig, erklärte die Sprecherin: "Teilweise fehlen uns schlicht und einfach Kundendaten."

Eine konkrete Zahl zu den noch offenen Fällen nannte Westnetz mit Verweis auf das laufende Verfahren der BNetzA nicht. Auch zur finanziellen Belastung für Westenergie und Westnetz äußerte sich das Unternehmen nicht. Dazu zählen unter anderem Kosten für zusätzliches Personal, externe IT-Dienstleister, Einmalzahlungen, Verzugszinsen und mögliche Schadensersatzforderungen.

Smart-Meter-Initiative fordert mehr Transparenz

Vielen Unternehmen, darunter den sogenannten Energy-Tech-Unternehmen, geht die Aufarbeitung der Probleme nicht schnell genug. Zudem vermissen sie Transparenz bei den Prozessen des Verteilnetzbetreibers.

"Ein Smart Meter im Keller bringt nichts, wenn die Daten nicht ankommen", kritisiert eine neu gegründete Smart-Meter-Initiative. Die Geschäftsführer von Rabot Energy, Tibber, Octopus Energy und Ostrom haben deshalb Beschwerde bei Westnetz eingereicht.

Seit Monaten gebe es offene Fälle bei der Registrierung, der Umstellung und der Übermittlung von Smart-Meter-Daten, heißt es in einem gemeinsamen Post der Unternehmen auf Linkedin. Für die Kunden bedeute das, dass Verbrauchsdaten nicht zuverlässig ankämen. Zudem verzögerten sich Abrechnungen oder erfolgten nicht auf Grundlage des tatsächlichen Verbrauchs.

Die Initiative formuliert vier zentrale Forderungen:

  • Offene Fälle schnell und transparent klären
  • Smart Meter zuverlässig auf TAF7 umstellen
  • 15-Minuten-Verbrauchsdaten korrekt und zuverlässig übermitteln
  • Kommunikation zwischen Netzbetreiber und Marktpartnern verbessern.

"Der Smart-Meter-Rollout sollte nicht an der Anzahl der eingebauten Geräte im Keller gemessen werden, sondern daran, ob sie Daten zuverlässig senden", sagte CCO Konrad Schade von Rabot Energy.

Westnetz verweist auf komplexe Systemumstellung

Im Sommer 2024 führte Westnetz nach eigenen Angaben eine neue IT-Systemlandschaft für die Prozesse rund um den Netzanschluss ein. Die Netzgesellschaft von Westenergie bezeichnete sich dabei als erstes Unternehmen der Branche, das eine solche Umstellung vorgenommen habe.

Die neue Systemlandschaft umfasst eine ganze Reihe von Anwendungen: von der Anmeldung über das Gerätemanagement und die zentrale Verwaltung der Kundendaten bis hin zur Abrechnung. Erstmals führte Westnetz dabei auch ein "Messkonzept-Management" (MCM – Measurement-Concept-Management) ein.

Westnetz begründete die Umstellung mit dem grundlegenden Wandel des Energiesystems. "Die Kundenprofile sind sehr individuell und komplex geworden", hieß es dazu auf ZFK-Anfrage. Früher sei die Strombelieferung ein Massengeschäft gewesen, heute gebe es verschiedene Kundenprofile im Mix aus Strombezug und -einspeisung. "Aus Kund*innen sind Prosumer geworden."

Noch nicht alle Messkonzepte im System abgebildet

Westnetz sieht sich mit der neuen IT-Landschaft auch als Vorreiter für andere Unternehmen im Energiesektor. Nach eigener Darstellung beseitigt der Netzbetreiber seit der Einführung des Systems Schwachstellen, die andere Unternehmen künftig vermeiden könnten. Zu den Maßnahmen gehören die Auszahlung vorläufiger Einspeisevergütungen und Abschläge, der Aufbau zusätzlicher Kapazitäten, die Arbeit in sogenannten End-to-End-Hubs, die Abarbeitung der Rückstände und die Stärkung der Kundenschnittstelle.

Noch funktionieren allerdings nicht alle Prozesse vollständig, bestätigte eine Unternehmenssprecherin. Anlagen mit komplexen Messkonzepten kann Westnetz beispielsweise nur eingeschränkt oder gar nicht bearbeiten, "weil diese Konstellationen im System noch nicht vollständig abgebildet werden können".

Dazu zählen unter anderem Messkonzept-8-Konstrukte (MK8) und Vorgänge mit Direktvermarktung. In diesen Fällen sind aufwendige manuelle Nacharbeiten im System erforderlich.

Die bestehende Problematik bei Westnetz sieht das Unternehemen unter dem Strich nicht als ein "isoliertes IT-Problem", sondern einen "strukturellen Umbruch im Energiesystem: massiver Anstieg der Netzanschlussanfragen, steigende Komplexität durch neue Einspeiser und Verbraucher und hohe regulatorische Anforderungen".

Die Umstellung sei aber notwendig geworden, denn: "Unsere bisherigen Prozesse und IT-Systeme waren für diese Dynamik im Markt nicht mehr geeignet; eine grundsätzliche Modernisierung war und ist zwingend erforderlich, um Mess- und Abrechnungskonzepte künftig stabil und effizient abzuwickeln", sagte eine Unternehmenssprecherin weiter.

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