Die Stromnetze als Asset für die Finanzierung der Investitionen in die Energiewende vor Ort nutzen und gleichzeitig die Entscheidungsfreiheit der Kommunen gewährleisten: Dieses Ziel hat sich das Beratungsunternehmen BBH (Becker Büttner Held) gesetzt und dafür ein eigenes Strukturkonzept für die Projektfinanzierung entwickelt. Dieses soll vor allem die Finanzierungsbedarfe kleinerer und mittlerer Stadtwerke adressieren.
Um die Investierbarkeit und Risikostreuung zu verbessern, sollen mehrere Projekte dabei gebündelt werden. Das Konzept wurde beim VKU-Stadtwerkekongress in einem Workshop vorgestellt. Der neue Ansatz soll der Branche dabei helfen, zusätzliches Eigenkapital zu generieren. Dieses wird dringend zur Bewältigung der anstehenden Investitionsherausforderungen für die Energiewende vor Ort benötigt. "Neben attraktiven Fremdkapitalkonditionen sind auch neue Eigenkapital- und Projektfinanzierungsstrukturen vonnöten", sagt Ines Zenke, Partnerin und Sprecherin von BBH, gegenüber der ZFK.
BBH Finance wird von drei Vorständen geleitet
Da der Beratungsbedarf bei diesem Thema immens ist, bündelt die BBH-Gruppe ihre Finanzierungskompetenz in der neu gegründeten Tochter BBH Finance AG, heißt es in einer Pressemitteilung, die der ZFK exklusiv vorliegt. Mit der neuen Tochter sollen der Marktauftritt und die Sichtbarkeit der Gruppe geschärft werden. Zum Vorstand wurden die erfahrenen Wirtschaftsprüfer, Steuerberater und BBH-Partner Thomas Straßer, Tobias Sengenberger und Stilianos Koulaxidis berufen.
Finanzierungskraft der Stromnetze nutzen
"Wir beraten seit vielen Jahren über 650 Netzbetreiber in Deutschland zu Regulierungs- und Finanzierungsfragen in den klassischen Themen Netze, Auslagerung und Pacht“, so Zenke weiter.
Bei dem Thema seien zwei Aspekte zentral. Sehr spezifisch und herausfordernd seien die großen Volumina und langen Zeiträume bei der Finanzierung von Stromnetz-Assets.
"Zum anderen müssen die Assets so in Gesellschaften strukturiert werden, dass sie überhaupt Geld vom Kapitalmarkt bekommen können“, führt Zenke weiter aus: "Die große Herausforderung ist, dass Investoren und Stadtwerke noch nicht wirklich dieselbe Sprache sprechen, die No-gos oder Stellschrauben verstehen", verdeutlicht sie. Die Investoren müssten die regulatorischen Risiken verstehen und benötigten eine Absicherung für ihre Kredite. BBH schaffe hier spezielle auf die Regulierung zugeschnittene Finanzierungsinstrumente.
Übertragung der Netze in rechtlich eigenständige Einheiten
Ein zentrales Konzept in diesem Zusammenhang ist die Projektfinanzierung. Dabei werden die Stromnetze jeweils in eigenständige rechtliche Einheiten (SPV) übertragen. Die Risikostruktur für Investoren kann attraktiv gestaltet und das Risiko-/Rendite-Profil angemessen dargestellt werden. Hierbei können auch Pachtmodelle eine wichtige Rolle spielen. Auf diese Weise kann das Finanzierungpotenzial aus dem Asset maximiert werden. Daneben kann dies die Grundlage für eine Bündelung bilden, die eine Finanzierung auch für private Kapitalgeber attraktiv macht.
"Eine erfolgreiche Finanzierung beginnt damit, die Perspektive der Kapitalgeber zu verstehen. Banken und Investoren erwarten belastbare Planungen, transparente Risiken und eine überzeugende wirtschaftliche Story", sagt Stilianos Koulaxidis, Vorstand BBH Finance
Kapital für Infrastruktur mobilisieren
"Kapital für Infrastruktur ist grundsätzlich vorhanden. Die entscheidende Aufgabe besteht darin, Investitionen so zu strukturieren, dass dieses Kapital auch mobilisiert werden kann", erklärt Thomas Straßer, Vorstand der BBH Finance. Gerade bei Stromnetzen und anderer leitungsgebundener Infrastruktur könnten Projektfinanzierungen und neue Eigenkapitalstrukturen zusätzliche Spielräume schaffen.
Kennzahlenorientierte Steuerung wird wichtiger
Neben einer klaren Strukturierung werde die Finanzierung von Infrastrukturprojekten zudem künftig auch noch stärker von einer überzeugenden Kommunikation mit Kapitalgebern abhängen, ergänzt Tobias Sengenberger, Vorstand der BBH Finance. Banken und Investoren benötigten für ein Investment in Stromnetze klare gesellschaftsrechtliche Strukturen, dazu müsse das Asset in eine eigene Rechtsform überführt werden.
Die Finanzwirtschaft stelle zudem entsprechende Reportinganforderungen. "Stadtwerke, die in den genannten Projektstrukturen finanzieren wollen, müssen sich deshalb mit dem Bilanzierungsstandard IFRS und zeitnahen Reportings beschäftigen", so Sengenberger. Das gehe einher mit einer kennzahlenorientierten Steuerung.
