Der Investitionsbedarf in die Energie- und Wärmewende bis 2045 ist immens (Symbolbild).

Der Investitionsbedarf in die Energie- und Wärmewende bis 2045 ist immens (Symbolbild).

Bild: © Evija/AdobeStock

Bei vielen Stadtwerken verdoppeln oder verdreifachen sich die Investitionsvolumina derzeit. Der Höhepunkt dieser Investitionswelle für die Energiewende vor Ort wird Anfang der 2030er-Jahre erwartet. Bei rund 300 Milliarden Euro liegt der Fremdkapitalbedarf der Energiebranche bis 2045 laut einer Studie von PwC; der zusätzliche Bedarf an Eigenkapital liegt bei knapp 50 Milliarden Euro.

Eine Vielzahl an neuen Finanzierungsinstrumenten zur Eigenkapital-Stärkung ist mittlerweile vorhanden oder in der Entwicklung. Doch noch sind daraus vergleichsweise wenige konkrete Finanzierungen entstanden. Die Gründe sind vielfältig: Die Branche wartet ab. Zum Teil liegen die Vorstellungen von Stadtwerken und Investoren beim Thema Rendite und Finanzierungsstrukturen auseinander. Gleichzeitig sind vielen, gerade im Bereich Wärme, die energiewirtschaftlichen Rahmenbedingungen für signifikante, langfristige Investitionen noch nicht klar genug. Zudem müssen viele Kommunalversorger auch erst noch ihre Hausaufgaben machen, um investierbar zu werden. Das wurde am Dienstag bei der VKU-Finanzierungskonferenz in Hannover deutlich.

Panel-Diskussion beim VKU-Stadtwerkekongress in Hannover (von links): Eva Witt von der KFW, Andreas Meyer vom VKU, Silke Stremlau, Finance for Transition, Carsten Harkner, Kasseler Verkehrs- und Versorgungs GmbH und Ingmar Kohl von IqonyBild: © VKU-Service



Private Investoren suchen konkrete Infrastrukturprojekte


"Wir haben private Investoren, die Interesse haben, in Deutschland in Infrastruktur zu investieren, aber aktuell fehlen die Projekte", erklärte Eva Witt, Leiterin des Geschäftsbereichs Individualfinanzierung und öffentliche Kunden bei der bundeseigenen Kreditanstalt für Wiederaufbau.

Die Förderbank entwickelt im Rahmen des Deutschlandfonds ein eigenes Förderprogramm für Mezzaninekapital, das 2027 starten wird. Ein weiterer Baustein ist der Aufbau eines sogenannten Private Investment Pools. Aufgrund der fehlenden Projekte verändert die KfW den Fokus bei diesem Thema und startet einen Testballon. Der Fokus liegt künftig nicht primär auf der Identifizierung von Investoren, sondern auf dem Finden geeigneter Projekte und der Standardisierung von Finanzierungen.

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Interesse an Infrastruktur und neue Mezzanine-Lösungen



Acht von zehn institutionellen Investoren haben laut einer Studie des BAI-Investor-Surveys in Infrastrukturvorhaben investiert, aber nur zwei von zehn in Deutschland. Noch höher als die Rendite gewichteten die Investoren bei ihrer Entscheidung die Risiken, verdeutlichte Robert Gozialowski von der Kapitalverwaltungsgesellschaft Hansainvest. Und gerade hier sei der Infrastrukturbereich dank geringer Ausfallraten ein interessantes Asset.

Unter anderem die Nord/LB und die LBBW haben als Intermediäre eigene Mezzanine-Lösungen entwickelt, um privates Kapital und Stadtwerke zusammenzubringen. Kapitalgeber beim Energiewende-Fonds Stadtwerke Pro der Nord/LB ist die Versicherung Provinzial. Die Gelder werden von der Nord/LB strukturiert. Es gibt keine Zweckbindung, die Gelder werden als qualifizierte Nachrangdarlehen in einer Größenordnung von zehn bis 25 Millionen pro Darlehen ausgereicht. Die Laufzeit liegt bei 15 Jahren. Zielgruppe sind vor allem kleinere Stadtwerke, die Finanzierungen können in maximal zehn Wochen umgesetzt werden, erklärte Tim Junghans, Leiter Firmenkunden Energiewirtschaft bei der Nord/LB.



Auch regionale Investoren zeigen Interesse


Ein Mezzanine-Produkt, das zu 100 Prozent als Eigenkapital anrechenbar ist, bietet seit Kurzem die LBBW-Asset-Management-Investmentgesellschaft über die Plattform "Zukunft Finanzieren" an. Das Kapital stammt unter anderem von regionalen Investoren wie Sparkassen, Pensionskassen und Versorgungswerken. Der Fokus liege insbesondere auf Investitionen in Netzinfrastrukturen. Die Renditeerwartungen bewegten sich in etwa im Bereich der Anreizregulierung, versicherte Senior-Produktmanager Pascal-Stephan Schleef.

Branche warnt vor Rosinenpickerei



Auch die Kasseler Verkehrs- und Versorgungs GmbH steht vor großen Finanzierungsherausforderungen. Ohne zusätzliches Eigenkapital werde es aber nicht gehen, verdeutlichte der Geschäftsführer Carsten Harkner. Er wünscht sich vor allem Lösungen, die zum Finanzierungsmodell der Stadtwerke passten. "Wir müssen neues Kapital in unser System bringen, ohne dass die Preise explodieren", betonte er. Gleichzeitig warnte er vor Rosinenpickerei und dem von vielen Investoren bevorzugten Herauslösen bestimmter lukrativer Projekte aus dem Querverbund von Stadtwerken.

"Ich will nicht Stadtwerke in 40 oder 50 Gesellschaften zerstückeln. Wärmenetze lassen sich schlecht auseinanderziehen; ich muss diese als Gesamtnetz steuern", sagte er. Deshalb sei eine Finanzierung für das Gesamtsystem notwendig. Harkner plädiert hier für staatliche Bürgschaften, um die Renditeerwartungen der Investoren zu senken.

Strategische Investoren im Vorteil?




Dass man mit Renditeerwartungen im hohen einstelligen Prozentbereich im Wärmebereich erfolgreich sein kann, zeigt das Beispiel des strategischen Investors Iqony. Von einer hohen Nachfrage berichtete der Bereichsleiter Kommunale Wärmelösungen, Ingmar Kohl. Iqony bringt in die Projekte viel eigenes Umsetzungs-Know-how mit ein und trägt auch einen Teil der operative Risiken.


Warum die Branche nach Hannover schaut



Als das Vorzeigeprojekt einer Eigenkapitalstärkung gilt in der Branche weithin ein Konzernkredit im hohen dreistelligen Millionenbereich, den die Stadt Hannover vor einigen Monaten an Enercity weitergereicht hat. Das nachrangige Gesellschafterdarlehen wird von den Banken als wirtschaftliches Eigenkapital anerkannt, die Laufzeit liegt bei 20 Jahren, die Verzinsung liegt bei 5,1 Prozent.

Sowohl die Höhe des Darlehens als auch die Laufzeit habe die Kommunalaufsicht als sehr weitreichend empfunden, verdeutlichte Enercity-Finanzvorstand Marc Hansmann. "Wenn man so etwas macht, muss man es richtig machen, sonst ist es kein Befreiungsschlag", zeigte sich Hansmann überzeugt.




Integrierte Finanzplanung wird zum Wettbewerbsvorteil



Dass die Branche bei Themen wie Bankability und Finanzplanung vor einem Paradigmenwechsel steht, verdeutlichte Thomas Kind, Key Accounter bei der LBBW. Die Zusammenarbeit zwischen dem Finanzbereich eines Stadtwerkes und den Kapital- und Kreditgebern beginne früher als bisher üblich und sei deutlich umfangreicher geworden.

"Je früher man den Austausch mit den Bankpartnern sucht, umso besser", sagte Kind. Der Schlüssel liege in einer integrierten Transformations- und Finanzplanung auf Ebene des Gesamtunternehmens. Aufgrund der absehbaren Investitionswelle in den nächsten Jahren werde der Wettbewerb um Finanzierung zunehmen. Unternehmen, die hier ihre Hausaufgaben machen und eine Finanzierungsfähigkeit gewährleisten und transparent machen können, seien hier in einer guten Position. Sie könnten dies nutzen, um einen Wettbewerb unter den Banken zu ihren eigenen Gunsten zu erzeugen.



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