Die Stadtwerke Pirmasens in Rheinland-Pfalz wollen den Neubau eines Wasserwerks zu rund einem Drittel über eine Bürgerbeteiligung stemmen. Eine solche Finanzierung für ein Wasserwerk wie hier ist eher ungewöhnlich.
Die Zeichnung für das "SWPS Wasser-Invest 1.0" ist am 30. September deutschlandweit gestartet und soll bis zu sechs Millionen Euro für den Wasserwerksneubau in Rodalben eintreiben. Dieser wurde wegen neuer gesetzlicher Vorgaben, technischer Entwicklungen in der Wasserversorgung und des Hochwasserschutzes notwendig.
Das Vorhaben wird laut den Stadtwerken rund 17 Millionen Euro kosten. Für die Finanzierung plant das kommunale Unternehmen neben den angebotenen Vermögensanlagen mit einer Förderung in Höhe von 5,7 Millionen Euro und einem zinslosen Darlehen des Bundeslands Rheinland-Pfalz in Höhe von 3,4 Millionen Euro. Dazukommen noch ein Zuschuss durch die Gemeinde Thaleischweiler-Wallhaben in Höhe von 1,7 Millionen Euro und ein weiterer durch die Gemeinde Rodalben in Höhe von 100.000 Euro.
Bis zu fünf Prozent für Kunden
Das Angebot besteht aus Genussrechten. Für die Basisvariante "SWPS Wasser-Invest 1.0 Basis" garantieren die Stadtwerke Pirmasens einen jährlichen Zinssatz von 4,5 Prozent. Die Plusvariante wird mit fünf Prozent pro Jahr verzinst. Voraussetzung dafür ist ein bestehender Strom-, Gas- oder Wärmeliefervertrag mit den Stadtwerken Pirmasens.

Die Mindestanlage beträgt 1000 Euro, die Höchstsumme 25.000 Euro. Dazwischen sind Anlagen in Schritten von 500 Euro möglich. Das Emissionsvolumen liegt bei sechs Millionen Euro. Die Mindestlaufzeit reicht bis Ende 2032.
"Geld anlegen ist immer Vertrauenssache"
Geschäftsführer Christoph Dörr verweist auf die regionale Verankerung des Unternehmens. "Geld anlegen ist immer Vertrauenssache. Natürlich müssen auch die Zinsen stimmen, aber vor allem möchte ich sicher sein, dass ich dem Anbieter vertrauen kann", sagt Dörr. Als Stadtwerk habe das Unternehmen dabei einen Vorteil: "Wir sind von hier, sind seriös und langjährig erfolgreich."
Die Stadtwerke Pirmasens versorgen nach eigenen Angaben die Region unter anderem mit Energie, Wasser und Wärme. Zudem gehören der öffentliche Personennahverkehr und das Schwimmbad PLUB zu ihren Geschäftsfeldern.
Dörr stellt für Anleger einen doppelten Nutzen heraus: "Die Investition zahlt sich doppelt aus: Anleger bekommen mit bis zu fünf Prozent jährlich einen attraktiven Zins. Und zusätzlich profitieren sie als Pirmasenser Bürger von unseren Investitionen." Das Geld werde unter anderem in eine sichere Wasserversorgung, Strom-, Gas- und Wärmenetze, Elektrobusse sowie die städtische Ladeinfrastruktur investiert, erklärt der Geschäftsführer.
Weitere Projekte als mögliche Anlageziele
Nach Angaben der Stadtwerke könnte die Bürgerbeteiligung künftig auf weitere Vorhaben ausgeweitet werden. Genannt werden der Ausbau von Stromnetzen für die Aufnahme erneuerbarer Energien, intelligente Stromnetze, Wind- und Solaranlagen, Speicherlösungen sowie die Modernisierung der Wärmeversorgung. Die Pirmasenser haben in der Vergangenheit bereits mit zwei Solarprojekten Bürgerbeteiligungen umgesetzt, für die sie zusammen 750.000 Euro einwarben.
Dörr sagt, die Stadtwerke würden in den kommenden Jahren mehrere Millionen Euro in die Energiezukunft investieren. "Dafür brauchen wir zwar jeden Euro, verwenden ihn aber auch gewinnbringend. Das Geld wird sinnvoll eingesetzt und kommt der Region und den Menschen, die hier leben, zugute."
Itzehoe erprobte Bürgerbeteiligung bei Wasser bereits
Für ein neues Wasserwerk haben in der Vergangenheit bereits die Stadtwerke Itzehoe eine Bürgerbeteiligung aufgesetzt. Dort beteiligten sich mehr als 200 Bürger und Unternehmen über Genussrechte. Das Gesamtprojekt kostete 19 Millionen Euro; über die Beteiligung wurden fünf Millionen Euro eingeworben.