Von Artjom Maksimenko
Der Übertragungsnetzbetreiber Amprion hat ein Markterkundungsverfahren für die Abwärmenutzung an den Konvertern der Offshore-Netzanbindungen "BalWin1" und "BalWin2" gestartet. Beide Systeme mit je 2000 Megawatt Übertragungsleistung verbinden Windparks in der Nordsee mit dem Übertragungsnetz an Land.
Der Netzbetreiber will nun im Rahmen eines Markterkundungsverfahrens herausfinden, ob es potenzielle Abnehmer für die entstehende Abwärme gibt. Die Ergebnisse könnten von strategischer Bedeutung sein. Laut Netzentwicklungsplan wird Amprion bis 2045 noch 19 Konverter realisieren, die künftig grundsätzlich für die Abwärmenutzung infrage kommen. Die Ausschreibung der Abwärme ist nach aktuellem Planungsstand für Ende 2025 vorgesehen. Bis zum 30. September 2025 können sich Interessenten melden.
Marktabfrage ist gestartet
Bei der Marktabfrage handelt es sich nicht um ein Verfahren, das bereits die Vergabe eines Auftrags bezweckt. Sie dient lediglich der Vorbereitung, ergänzte Amprion. "Die Beteiligung an der Markterkundung erfolgt freiwillig und auf eigene Kosten." Nach Berechnungen von Amprion kann im Rahmen der Pilotprojekte eine mittlere Energieausbeute von rund 30 bis 40 Gigawattstunden pro Jahr (GWh/a) pro Konverter entstehen. Dies entspricht dem durchschnittlichen Wärmebedarf von rund 4800 bis 6500 Menschen. Zwar können sich grundsätzlich alle interessierten Unternehmen an der Markterkundung beteiligen, sagte ein Amprion-Sprecher der ZfK. Es sei jedoch wahrscheinlich nur für bestimmte Unternehmen in der Nähe des Standorts der Konverter interessant. Der Konverter für Balwin1 entsteht in der Gemeinde Bohmte, Landkreis Osnabrück. Den Konverter für Balwin2 baut Amprion auf dem Gelände des ehemaligen Kohlekraftwerks in Ibbenbüren im Kreis Steinfurt (Nordrhein-Westfalen). Sie sollen 2030 und 2031 in Betrieb gehen. Ab diesem Zeitpunkt wird auch die Abwärme zur Verfügung stehen.
Kostenteilung ab Übergabepunkt
Amprion übernimmt alle erforderlichen Maßnahmen auf dem Konvertergelände und errichtet auch einen Übergabepunkt an der Anlagengrenze. Sofern sich ein Abnehmer für die Abwärme findet, trägt Amprion die entsprechenden Investitionen für die Wärmeauskopplung bis zum Übergabepunkt außerhalb des Anlagenzauns. Diese Ausgaben will Amprion durch die Vermarktung der Abwärme refinanzieren. "Die Errichtung und Kosten für alle notwendigen Maßnahmen ab dem Übergabepunkt sind durch das Unternehmen zu tragen, das den Zuschlag für die Abwärme erhält", erläuterte der Sprecher weiter. An beiden Standorten gibt es in der Umgebung bereits Wärmenetze. Die Entscheidung, ob diese auch für die Konverter-Abwärme genutzt werden können, liegt bei den betreibenden Unternehmen; die rechtlichen Rahmenbedingungen der Abwärmevermarktung sind jedoch noch offen. "Zu dieser Frage stehen wir im Austausch mit der Bundesnetzagentur", so der Sprecher weiter.
Großes Potenzial
Laut Netzentwicklungsplan wird allein Amprion bis 2045 noch 19 Konverter realisieren, die künftig grundsätzlich für die Abwärmenutzung infrage kommen. Über 20 weitere Konverter planen die anderen deutschen Übertragungsnetzbetreiber – das Potenzial für die Abwärmenutzung ist also gegeben. Die Wärmeauskopplung am jeweiligen Standort ist jedoch projektspezifisch und hängt von vielen Faktoren ab – nicht zuletzt von der tatsächlichen Offshore-Windsituation und den sich daraus ergebenden Strommengen, die am Konverter anfallen. Ob die Abwärmeauskopplung bei anderen Konvertern möglich ist, hängt zudem immer von standort- und projektspezifischen Faktoren ab und muss im Einzelfall geprüft werden.
