
Die Stadtwerke im niederrheinischen Kempen wollen beim Ausbau der öffentlichen Ladeinfrastruktur neue Wege gehen. Durch Crowdfunding werden Bürgerinnen und Bürger sowie Interessenten direkt an dem Projekt beteiligt, heißt es in einer Pressemitteilung. Der Startschuss der Zeichnungsphase soll im Dezember 2024 fallen.
"Die Finanzierung der Energiewende ist eine große Herausforderung für uns. Hier müssen wir alternative Finanzierungsmöglichkeiten prüfen, um die Transformation in der erforderlichen Geschwindigkeit zu schaffen", erklärte der neue Stadtwerke-Geschäftsführer Daniel Banzhaf, der seit April an der Spitze der Stadtwerke Kempen steht.
Das Crowdfunding sei für die Stadtwerke ein Pilotprojekt, um auch die Bürgerinnen und Bürger Kempens teilhaben zu lassen und die Verkehrswende aktiv zu unterstützen. In der Stadt mit knapp 35.000 Einwohnern gibt es laut Banzhafs Einschätzung zu wenig öffentliche Ladesäulen, deshalb soll sukzessive die Ladeinfrastruktur im Stadtgebiet ausgebaut werden.
Optimierung des Services, massiver Fernwärme-Ausbau
Der Energiemanager, der zuvor lange Jahre in leitender Funktion bei den Stadtwerken Solingen tätig war, will das kommunale Unternehmen in den kommenden Jahren neu ausrichten. "In den letzten Monaten wurde das gesamte Unternehmen mit der Führungsmannschaft und externen Strategieberatern einmal auf links gedreht. Das gesamte Team der Stadtwerke hat hart daran gearbeitet, um das Unternehmen auf eine noch solidere Basis zu stellen", fasst Banzhaf zusammen.
Einige Schwerpunkte der Neuausrichtung stehen bereits fest: Verbesserung des Services, Forcierung des Vertriebs, massiver Ausbau der Fernwärme und eine Erweiterung der Energiedienstleistungen, um ein ganzheitlicher und nachhaltiger Energieversorger für Kempen und Umgebung zu werden. „Mit der Erweiterung der Servicezeiten, neuen Produkten und Dienstleistungen und der weiteren Digitalisierung von Prozessen gehen wir weitere Schritte, um näher am Kunden zu sein“, erläutert der Geschäftsführer.
Jahresüberschuss stärkt die Gewinnrücklagen
Im kommenden Jahr werden die Stadtwerke neben der Beratung und dem Verkauf von Photovoltaikanlagen, Balkonkraftwerken und Wallboxen für Elektrofahrzeuge das Angebot auf Wärmepumpen ausweiten. Daneben wird eine Energieberatung durch zertifizierte Mitarbeitende angeboten werden.
Ein wichtiges operatives Etappenziel auf dem neuen Strategiekurs hat das Unternehmen zudem mit dem Jahresabschluss für 2023 gelegt. Nach zwei Verlustjahren wurde wieder ein positives Jahresergebnis erzielt. Der Jahresüberschuss für das Geschäftsjahr 2023 liegt laut Pressemitteilung bei 1,6 Mio. Euro (2022: - 2,5 Mio. Euro). Besonders der Stromvertrieb habe durch niedrige Preise am Strommarkt profitieren können, heißt es. Belastet wird das Ergebnis weiterhin von einem hohen Defizit im Bäderbereich.
Den erwirtschafteten Jahresüberschuss wollen die Stadtwerke in Abstimmung mit dem Aufsichtsrat und der Stadt Kempen als Anteilseignerin zur Stärkung des Eigenkapitals verwenden. "Wir brauchen die Stadtwerke Kempen als starken Partner an unserer Seite im Hinblick beispielsweise auf die Gestaltung der kommunalen Wärmeplanung. Viele neue Herausforderungen warten auf uns, ohne die Stadtwerke geht es nicht", betonte Christoph Dellmans, Bürgermeister der Stadt Kempen und Aufsichtsratsvorsitzender der Stadtwerke Kempen. Für das laufende Geschäftsjahr 2024 strebt das Unternehmen einen Gewinn von mindestens einer Mio. Euro an. (hoe)
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