ZfK: Der "Enera-Markt" in Ostfriesland als erster Markt mit lokalen Orderbüchern hatte am 4. Februar seinen ersten Live-Deal. Anbieter von Flexibilität können diese anbieten, Netzbetreiber können dort Nachfragesignale setzen. Nun ist "Enera" ein Forschungsprojekt bis 2020/21, eines der "Schaufenster Intelligenter Energie" (Sinteg). Ihre Börse Epex Spot hat eine Überführung in den kommerziellen Betrieb angekündigt. Was ist da Ihr Zeitplan?
Peter Reitz: Das ist ein Forschungs- und Demonstrationsprojekt. Bis es kommerziell genutzt werden kann, sind es natürlich noch ein paar Schritte. Aber wir sehen großes Interesse von der Netzseite und von denen, die Flexibilität bereitstellen können. Neu an diesem Markt ist insbesondere, dass lokale Flexibilität eingesetzt werden kann. Im traditionellen Marktdesign ist es schwer, eine Vergütung für lokale Flexibilität zu bekommen.
Warum?
Im zonalen Marktdesign geht es um eine Wohlfahrtsoptimierung, die Sie nur in großen, liquiden Marktgebieten erreichen können. Die Frage, wo eine Anlage steht, ist hier nicht relevant. Im Gegensatz dazu geht es bei den lokalen Flexibilitätsmärkten ja um die Auflösung von Engpässen im Verteilnetz, und da müssen Sie natürlich wissen, wo die Anlagen stehen, die Sie zu Hilfe nehmen wollen. In unseren Märkten ist das ein völlig neues Konzept. Aber da sich die Energiewende vor allem im Verteilnetz abspielt, glaube ich, dass diese Märkte Zukunft haben. Als Börse sind wir der natürliche Anbieter von solchen Handelsplattformen. Deswegen wird das Projekt auch nach dem Ende von Sinteg weitergehen und das Modell auf andere Regionen übertragen werden. Wann genau die Markteinführung sein wird, werden wir mit den Teilnehmern in verschiedenen Regionen gemeinsam diskutieren.
Dann könnten Sie doch gleich den traditionellen Regelenergiemarkt zur Ausregelung des Übertragungsnetzes übernehmen.
Nein, ganz im Gegenteil. Mit der Regelenergie stabilisieren die Netzbetreiber die Netzfrequenz. Lokale Flexibilität ist jedoch eine Möglichkeit, drohende Netzengpässe präventiv durch die Kontrahierung von entsprechenden Kapazitäten erst gar nicht entstehen zu lassen und Abschaltungen von Erneuerbaren-Anlagen zu vermeiden. Nichtsdestotrotz stehen wir natürlich mit einigen Netzbetreibern in Gesprächen, Ausschreibungsplattformen für Regelleistung zu betreiben. (geo)
In der gedruckten ZfK-März-Ausgabe erschien am Montag das restliche Interview mit dem Vorstandsvorsitzenden der European Energy Exchange AG, Peter Reitz. Auf Seite 20 beantwortet er Fragen zur Fortführung des Energiehandels nach dem Brexit und zur Übernahme des Herkunftsnachweisregister-Betreibers Grexel. Auf Seite 22 wird das "Enera-Markt"-Projekt beschrieben. Die ZfK-Druckausgabe gibt es nur im Abo (hier).
