Die Entflechtung der Gesellschaftsanteile zwischen Thüga und Enercity sollte helfen, ihre strategische Ausrichtung zu schärfen und Handlungsfähigkeit zu stärken. Doch daraus wird vorerst nichts. "Die Entflechtung der gegenseitigen Beteiligungen von Enercity AG und Thüga AG kann nicht wie geplant umgesetzt werden", hieß es aus Hannover.
Komplexe Ausgangslage
Bei der Umsetzung einer solchen Vereinbarung sei es wichtig, dass alle Beteiligten die notwendigen Schritte verbindlich und verlässlich mittragen. "Das ist derzeit nicht gegeben", begründete Enercity die Entscheidung. Aus der Branche ist zu hören, dass man in Hannover verärgert über die zögerliche Haltung einiger Thüga-Gesellschafter sei, die den Prozess zusätzlich verkompliziert habe.
Dabei ist die gegenseitige Beteiligung beider Unternehmen bereits kompliziert genug strukturiert: Enercity hält 20,53 Prozent an dem bundesweiten kommunalen Unternehmensverbund Thüga. Die Thüga ist ihrerseits mit 24 Prozent an Enercity beteiligt. Die restlichen Anteile an Enercity hält die Landeshauptstadt Hannover.
Im Mai 2026 hatten beide Unternehmen angekündigt, ihre wechselseitigen Beteiligungen vollständig entflechten zu wollen. Die Landeshauptstadt Hannover sollte die Thüga-Anteile an Enercity übernehmen. Die Enercity-Anteile an der Thüga sollten unter den übrigen Thüga-Gesellschaftern aufgeteilt werden. Wie Enercity halten auch N-Ergie und Mainova jeweils 20,53 Prozent der Anteile. Die restlichen 38,41 Prozent hält die KOM9, ein Zusammenschluss aus 52 lokalen und regionalen Energie- und Wasserversorgern.

Mit Blick auf 2030 werden wir die strategischen Optionen neu bewerten.
Aurélie Alemany
CEO von Enercity AG
Mainova, eine der größten Gesellschafterinnen der Thüga, betonte auf Nachfrage, den Prozess während der gesamten Laufzeit konstruktiv, verantwortungsvoll und lösungsorientiert begleitet zu haben. Das Unternehmen habe "seinerseits die Voraussetzungen für eine Umsetzung geschaffen", betonte ein Sprecher. Dass der Prozess nun nicht weiterverfolgt werde, ändere nichts "an unserem Vertrauen in die Stärke und Zukunftsfähigkeit der Thüga", hieß es weiter aus Frankfurt.
Zwar werde die Entflechtung in der vorgesehenen Form nicht umgesetzt und müsse in der geplanten Struktur als gescheitert bezeichnet werden, betonte Enercity-Chefin Aurélie Alemany. Das Ziel einer vollständigen Entflechtung sei jedoch "nicht ad acta gelegt": "Mit Blick auf 2030 werden wir die strategischen Optionen neu bewerten", fügte Alemany hinzu.

