Die Thüga-Zentrale in München

Die Thüga-Zentrale in München

Bild: © Thüga

Von Hans-Peter Hoeren und Klaus Hinkel

Der Regionalversorger Enercity will seine Anteile an der Stadtwerkegruppe Thüga verkaufen und führt hierzu schon seit geraumer Zeit Gespräche. Ein Enercity-Sprecher wollte sich auf ZfK-Anfrage zu den hartnäckigen Gerüchten rund um das Beteiligungsportfolio nicht äußern. Mehrere gut informierte Personen bestätigten gegenüber der ZfK aber den Sachverhalt. Im Raum soll ein geforderter Verkaufspreis von rund einer Milliarde Euro stehen.

Enercity aus Hannover wie auch die Frankfurter Mainova und Nürnberger N-Ergie halten je 20,53 Prozent der Anteile an der Thüga-Holding, die restlichen Anteile entfallen laut Geschäftsbericht von 2024 auf die Kom 9, einen Zusammenschluss aus 52 lokalen und regionalen Energie- und Wasserversorgungsunternehmen.

Interne Käuferlösung scheint wahrscheinlicher 

Naheliegend, um die ausbalancierten Mitbestimmungs- und Einflussstrukturen innerhalb der komplexen Thüga-Gruppe zu bewahren, wäre ein Erwerb der Enercity-Anteile durch die N-Ergie und die Mainova. Die beiden großen Kommunalversorger sollen mit dem im Raum stehenden Kaufpreis aber finanziell überfordert sein und in einer ersten Reaktion erst einmal abgewunken haben. Mainova hat erst vor kurzem eine Kapitalerhöhung im hohen dreistelligen Millionenbereich umgesetzt.

Dennoch scheint weiterhin eine interne Lösung, sprich der Erwerb der Thüga-Anteile durch bestehende Mitglieder, momentan realistischer und näherliegend als die Einbeziehung externer, institutioneller Investoren, heißt es aus Insiderkreisen. Der Verkauf der Enercity-Anteile wird auch Einfluss auf die bisherige Stimmrechtsbindung innerhalb der Thüga-Gesellschafter haben. Bei einem Verkauf an externe Investoren könnten die Mainova und N-Ergie an Einfluss- und Kontrollmöglichkeiten verlieren.

Motive von Enercity sind unklar

Warum Enercity seine Anteile verkaufen will, ist unklar. Das Unternehmen steht vor Milliardeninvestitionen in die Energiewende, ist aber finanziell gut aufgestellt, wächst operativ und verfügt über einen gut funktionierenden Kapitalmarktzugang. Die Stadt Hannover hat erst kürzlich ein hohes dreistelliges, zweckgebundenes Millionendarlehen aufgenommen und an Enercity weitergereicht. Möglich macht dieses eine Gesetzesanpassung des Landes Niedersachsen.

Enercity sieht sich als Vorreiter bei der Wärmewende und forciert den Kohle- und Gasausstieg in einem schnelleren Tempo und verfolgt damit einen strategisch etwas anderen Kurs als die offizielle Thügalinie. Hannover wird seit 2019 von Bürgermeister Belit Onay (Grüne) regiert.

Thüga hält 24 Prozent der Enercity-Anteile

Ob der Kommunalpolitiker oder die Kommunalpolitik eine größere strategische Unabhängigkeit von dem Minderheitsgesellschafter Thüga anstrebt oder dahinter auch unterschiedliche Vorstellungen über Thesaurierungserfordernisse oder Renditeerwartungen stehen, ist unklar. Enercity konnte in den vergangenen Jahren mehrfach außerordentliche Gewinne thesaurieren und so das Eigenkapital signifikant stärken. Über eine Überkreuzbeteiligung hält die Thüga 24 Prozent der Anteile an Enercity, die restlichen 76 Prozent liegen bei der Versorgungs- und Verkehrsgesellschaft Hannover.

Die aktuelle Gesellschafterstruktur der Thüga stammt aus dem Jahre 2009, als das Unternehmen vom Eon-Konzern für rund 2,9 Milliarden Euro an Dutzende Kommunen verkauft wurde. Die drei größten Konsorten beim Erwerb der Thüga waren damals eben Enercity, Mainova und N-Ergie sowie Dutzende kleinere und mittlere Stadtwerke unter Führung der Badenova, deren Anteile in der KOM 9 gebündelt wurden.

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