Stellen das Ergebnis der Enercity-Halbjahresbilanz vor: Vorstandsvorsitzende Aurélie Alemany und Marc Hansmann.

Stellen das Ergebnis der Enercity-Halbjahresbilanz vor: Vorstandsvorsitzende Aurélie Alemany und Marc Hansmann.

Bild: © Tim Schaarschmidt/Enercity

Von Hans-Peter Hoeren

Der Regionalversorger Enercity aus Hannover hat im vergangenen Jahr deutlich weniger verdient als im Vorjahr. Das Ergebnis vor Steuern und Zinsen (Ebit) ging auf 389 Millionen Euro zurück (2023: 598 Millionen), liegt aber um über 170 Millionen Euro über dem des Jahres 2022.  Auf diese Ergebnissteigerung sei das Unternehmen auch zwingend angewiesen, das Investitionsniveau soll von über 600 Millionen im vergangenen Jahr auf knapp eine Milliarde Euro gesteigert werden, führten die neue Vorstandsvorsitzende Aurélie Alemany und Finanzvorstand Marc Hansmann bei der Bilanzpressekonferenz aus. Der Konzernumsatz ging 2024 vor allem preisbedingt deutlich zurück auf knapp 7,4 Milliarden Euro (Vorjahr: 9,2 Mrd.).

"Während das Jahr 2023 noch von außergewöhnlichen Sondereffekten geprägt war, beruht das Ergebnis aus 2024 auf mehreren starken Säulen und setzt damit den positiven Trend der 2020er Jahre fort", verdeutlichte Alemany. Alle Geschäftsbereiche hätten dazu einen positiven Beitrag geleistet. Die Geschäftsentwicklung sei stark von volatilen Preisentwicklungen am Energiemarkt beeinflusst worden. Während die Handelserlöse im Strom- und Gasbereich vor allem preisbedingt gesunken seien, habe man den Absatz an die Kundinnen und Kunden deutlich steigern können. Hier sei man vor allem im B-to-B-Bereich sehr erfolgreich gewesen, heißt es.

Enercity steigert Eigenkapital um 180 Millionen Euro

Bemerkenswert ist, in welchem Ausmaß das mehrheitlich kommunale Unternehmen in Sachen Finanzierungs- und Investitionsfähigkeit von einem teilweisen Ausschüttungsverzicht des Mehrheitsgesellschafters, der Stadt Hannover, und des Minderheitsgesellschafters Thüga profitiert hat. In den vergangenen zwei Jahren habe man den außerplanmäßigen Anteil des Gewinnwachstums einbehalten können, erläuterte Finanzvorstand Marc Hansmann. Die Höhe der Gewinneinbehaltung werde jedes Jahr neu ausgehandelt. An die Stadt Hannover werden in diesem Jahr um die 116  Millionen Euro an Dividende fließen, an die Thüga rund 16 Millionen.

Allein durch diesen Dividendenverzicht machte das Eigenkapital von Enercity einen Sprung um 180 Millionen auf 1,2 Milliarden Euro. Das Unternehmen könne deshalb einen Großteil seiner Investitionen selbst finanzieren, so Hansmann weiter. Ohne BEW-Zuschüsse wäre aber der Fernwärmeausbau auch in Hannover kein wirtschaftlicher Businesscase. Deswegen begrüße er die Signale aus Berlin, dass die BEW-Förderung künftig erhöht und verstetigt werden solle. "Unser Eindruck ist, dass die künftige Regierung die Notwendigkeit sieht und verstanden hat", stellte der Finanzchef klar.

Investorenkreis bei Erneuerbaren soll erweitert werden

Stark gewachsen ist das Unternehmen im vergangenen Jahr weiter im Erneuerbarenbereich, über 180 Millionen Euro wurden hier investiert. Der Betrag soll künftig noch gesteigert werden. Hier kann sich der Finanzchef künftig auch auf Beteiligung von Private-Equity-Investoren mit bis zu 49 Prozent an Windenergieprojekten vorstellen. Insgesamt wurden 100 Megawatt Nennleistung neu in Betrieb genommen. Die Projektplanung sieht die Inbetriebnahme von witeren mehr als 120 Megawatt-Peak an Nennleistung vor, das Unternehmen investiert zudem in Batteriespeicherprojekte.

Der Anteil der erneuerbaren Energie an der Stromleistung konnte auf 60 Prozent und bei der Wärmeleistung auf 27 Prozent gesteigert werden. Da der vorzeitige Kohleausstieg in Hannover voran schreite und der erste Block des Kohlekraftwerks möglichst noch in diesem Jahr stillgelegt werden soll, dürfte der Anteil grüner Wärme zeitnah noch einmal deutlich zulegen.

Die Wärmewende wird weiter forciert, ein im Bau befindliches Biomasse-Heizkraftwerk soll bis Herbst 2025 in Betrieb gehen. Als Ersatz für den zweiten Block des Kohlekraftwerks haben die Arbeiten für die zukünftige Geothermie-Anlage und mehrere Großwärmepumpen begonnen.

Erfolge im Konzessionswettbewerb

Sehr erfolgreich ist Enercity dank eines offensiven Kurses offenbar auch in den letzten Jahren im Konzessionswettbewerb gewesen, wie Finanzvorstand Hansmann auf Nachfrage bestätigte. Das bringe naturgemäß einige Rechtsstreitigkeiten mit sich. Das betrifft auch den Netzübergang im nahegelegenen Garbsen, in dem man die Netze gekauft hat. Hier sei man in intensiven Gesprächen und er sei deshalb nach wie vor zuversichtlich, dass der Übergang, wie geplant, zu Beginn des Jahres 2026 erfolgen werde.

Das Thema Bezahlbarkeit und Kosteneffizienz der Energiewende ist laut Aurélie Alemany auch in Hannover ein großes Thema. "Wir halten aber an unserem grundsätzlichen strategischen Kurs fest", versicherte sie. Dazu gehörten auch einige sehr konkrete Batteriespeicherprojekte.

Alemany: "KI ist ein Gamechanger"

In der Künstlichen Intelligenz sieht die Unternehmenschefin dabei einen wichtigen „Gamechanger“ für die gesamte Energiebranche. Der Markt werde dadurch immer flexibler und bringe neue kulturelle Herausforderungen und Arbeitsprozesse mit sich. Um dafür gewappnet zu sein, hat Enercity in den vergangenen Monaten ein ganzheitliches Arbeitsprogramm für seine rund 3500 Mitarbeitenden entwickelt. "Mit der gemeinsamen Umsetzung des Programmes werden wir digitaler, innovativer, effizienter, noch grüner und kundenorientierter", stellte Alemany in Aussicht. Das Programm soll in den kommenden Jahren umgesetzt werden.

Lesen Sie weiter mit Ihrem ZFK-Abonnement

Erhalten Sie uneingeschränkten Zugang zu allen Inhalten der ZFK!

✓ Vollzugriff auf alle ZFK-Artikel und das digitale ePaper
✓ Exklusive Analysen, Hintergründe und Interviews aus der Branche
✓ Tägliche Branchen-Briefings mit den wichtigsten Entwicklungen

Ihr Abonnement auswählen

Haben Sie Fehler entdeckt? Wollen Sie uns Ihre Meinung mitteilen? Dann kontaktieren Sie unsere Redaktion gerne unter redaktion@zfk.de.

Home
E-Paper