EWE und Salzgitter AG unterzeichneten den Wasserstoffliefervertrag in Berlin (v. l. n. r.): Parlamentarische Staatssekretärin Gitta Connemann (CDU), EWE-CEO Stefan Dohler, Salzgitter-CEO Gunnar Groebler und Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies (SPD).

EWE und Salzgitter AG unterzeichneten den Wasserstoffliefervertrag in Berlin (v. l. n. r.): Parlamentarische Staatssekretärin Gitta Connemann (CDU), EWE-CEO Stefan Dohler, Salzgitter-CEO Gunnar Groebler und Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies (SPD).

Bild: © Gerd Markert Fotografie/EWE

Wie löst man ein Henne-Ei-Problem? EWE und die Salzgitter AG wagen einen bedeutsamen Schritt und bringen mit ihren Unterschriften die Wasserstoff-Henne zum Schlüpfen. Die Unternehmen unterzeichneten einen Liefervertrag über 10.000 Tonnen grünen Wasserstoff pro Jahr, es ist das bisher größte Vertragsvolumen für die grüne Stahlproduktion in Deutschland. Bei der Vertragsunterzeichnung in Berlin machten die Verantwortlichen jedoch klar, dass für die Umsetzung noch einiges passieren muss. EWE-CEO Stefan Dohler erklärte auch, dass EWE unter den aktuellen Gegebenheiten kein weiteres Elektolyseursprojekt plane.

Der Oldenburger Energiekonzern sichert sich mit dem niedersächsischen Stahlproduzenten den ersten Ankerkunden für seine Wasserstoffproduktion. Derzeit baut EWE eine 320-Megawatt-Wasserstofferzeugungsanlage in Emden. Mit dem Vertrag werde ein wesentlicher Teil der ersten Ausbaustufe vermarktet.

Ab 2030 soll EWE für sieben Jahre jährlich rund 10.000 Tonnen grünen Wasserstoff nach Salzgitter liefern. Es gibt die Option, die Menge auf 30.000 Tonnen zu erhöhen. Über den Preis für den Wasserstoff schwiegen die Partner. Der Transport soll zu großen Teilen über das Wasserstoffkernnetz erfolgen.

Hier am Stromnetz-Knotenpunkt in Emden entsteht der Elektrolyseur der EWE. Die Inbetriebnahme der Anlage ist für Ende 2027 geplant.Bild: © Ludwig Freytag/EWE

Salzgitter deckt über EWE 6,5 Prozent des jährlichen Wasserstoffbedarfs von 150.000 Tonnen seines Transformationsprogramms "Salcos". Zusätzlich wird Salzgitter selbst 9000 Tonnen in einer Elektrolyseanlage auf dem eigenen Hüttengelände herstellen. Die restlichen Mengen sollen über weitere Liefervertäge beschafft werden.

Das Vorhaben wird mit Mitteln von Bund und dem Land Niedersachsen ermöglicht. Der Bund fördert den Umbau der Stahlproduktion in Salzgitter mit 925 Millionen Euro und die Wasserstoffproduktion in Emden mit 267 Millionen Euro. Salzgitter erklärt die erste Stufe der Transformation hin zur grünen Stahlproduktion koste 2,7 Milliarden Euro, wovon rund 1,3 Milliarden Euro Fördermittel seien. EWE erklärte, das Gesamtinvestment betrage eine Milliarde Euro, wovon rund die Hälfte Fördermittel seien.

Der Haken liegt in der Regulatorik

Einen Haken hat die Vereinbarung: Die Lieferung steht unter dem Vorbehalt einer RFNBO-Zertifizierung. Maßgeblich seien die europäischen Vorgaben zur Zusätzlichkeit sowie zur zeitlichen und geografischen Korrelation des Strombezugs. Nach aktuellen Berechnungen würden die bestehenden Kriterien die Produktionskosten von grünem Wasserstoff erheblich erhöhen, für den Standort Emden geht die EWE von einer 80-prozentigen Erhöhung der Strombeschaffungskosten aus. "Der Ball liegt auf dem Elfmeterpunkt", kommentierte Dohler. "Es steht kein Torwart im Tor und wir müssen ihn jetzt nur verwandeln."

Beide Unternehmen setzten sich deshalb für praktikable Anpassungen der EU-Vorgaben ein. Konkret ginge es darum, die Übergangsfristen bei der Zusätzlichkeit zu verlängern und die stündlichen Stromvorgaben flexibler zu gestalten. Ohne wirtschaftlich tragfähige Regeln blieben viele Projekte im Pilotstadium stecken.

RFNBO

Kurz erklärt

RFNBO steht für Renewable Fuels of Non-Biological Origin. Der Begriff umfasst klimafreundliche Energieträger und Kraftstoffe, die ausschließlich mit erneuerbarem Strom und ohne fossile oder biologische Rohstoffe hergestellt werden. Interessenverbände der Energiewirtschaft werben hier für eine zeitweise Lockerung der RFNBO-Zertifizierungsregeln auf EU-Ebene, um den Wasserstoffhochlauf anzuschieben.

Die Parlamentarische Staatssekretärin im Wirtschaftsministerium Gitta Connemann versichert, dass sich die Bundesregierung für den Wasserstoffhochlauf weiterhin einsetzte, unter anderem auf EU-Ebene. Die Vorgaben zur Zusätzlichkeit sollten zeitlich befristet ausgesetzt werden. "Gleichzeitig treiben wir die Umsetzung von Pauschalausnahmen voran – unabhängig davon, ob es dabei um die sogenannte 90/80-Regelung oder andere praktikable Lösungen geht", erklärte die CDU-Politikerin. "Wir brauchen wettbewerbsfähige Energiepreise für Elektrolyseure sowie eine verbesserte Strompreiskompensation." Ein wichtiger Schritt sei bereits gelungen: Der Kreis der begünstigten Branchen wurde von elf auf 31 erweitert. "Nun setzen wir uns dafür ein, die Kombinationsfähigkeit der Instrumente zu verbessern und Unternehmen besser vor unfairen Wettbewerbsbedingungen zu schützen, die aus anderen Teilen der Welt auf uns wirken", sagte Connemann.

Baustelle für die Produktion von grünem Stahl.Bild: © Salzgitter AG
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