Nach Zahlen der Bundesnetzagentur wurden im vergangenen Jahr fast 254.000 Sperrungen bei Stromkunden gemeldet (rund plus 3,5 Prozent gegenüber 2024). Bei Gaskunden sank die Zahl der Sperrungen leicht um etwa ein Prozent auf rund 34.000.
In Summe hat die Zahl der Energiesperren in Deutschland zugenommen. Das spiegelt sich auch in der täglichen Arbeit der Verbraucherzentralen wider: 2025 wurden bundesweit über 1.700 Beschwerden zu (Liefer-)Sperren bei Strom und Gas erfasst, heißt es in einer Pressemitteilung des Verbraucherzentrale Bundesverbands (VZBV). Gegenüber 2024 stieg das Beschwerdeaufkommen damit um 36 Prozent, im Vergleich zu 2023 hat es sich mehr als verdoppelt (plus 108 Prozent). Die Verbraucherschützer sehen hier Handlungsbedarf – auch, weil zwischen den verhängten Sperr- und Entsperrkosten teils erhebliche Preisunterschiede bestehen.
Wer in Zahlungsschwierigkeiten gerät, muss frühzeitig Unterstützung erhalten, bevor es zu einer Sperre kommt.
"Energiesperren sind für betroffene Haushalte eine existenzielle Belastung. Wer ohnehin mit steigenden Energiepreisen kämpft, gerät durch zusätzliche Sperr- und Entsperrkosten schnell in eine Schuldenspirale", sagt Florian Munder, Energieexperte beim VZBV. Deshalb fordert der Verband flächendeckend wirksame Schutzmechanismen gegen Energiesperren. Wer in Zahlungsschwierigkeiten gerate, müsse frühzeitig Unterstützung erhalten, bevor es zu einer Sperre kommt.
Durchschnittliche Kosten von 145 bis 168 Euro
Ein Marktcheck des VZBV bei Betreibern von 58 Energienetzen (29 Strom, 29 Gas) zeigt große Preisspannen: Bei Strom reichen die Kosten für Sperrung und Entsperrung von 92 bis 231 Euro (durchschnittlich 145 Euro), bei Gas von 92 bis 315 Euro (durchschnittlich 168 Euro). Damit liegen die durchschnittlichen Kosten für eine Sperrung und Entsperrung – je nach Energieträger – im Bereich von 145 bis 168 Euro. Zudem sieht der Verband Defizite bei Transparenz und Vergleichbarkeit: Preisblätter seien teils schwer auffindbar, Kostenpositionen würden uneinheitlich ausgewiesen und der Umgang mit der Umsatzsteuer variiere. Für Kundinnen und Kunden könne dadurch unklar bleiben, welche Kosten im Ernstfall tatsächlich anfallen.
Der VZBV fordert daher eine Weiterentwicklung des bestehenden Rechtsrahmens. Konkret geht es um eine Ausweitung des Schutzes vor Energiesperren in Sonderverträgen, die Stärkung und Weiterentwicklung von Abwendungsvereinbarungen zur Vermeidung von Sperren sowie eine klare Definition "angemessener" Kosten für Sperrung und Entsperrung.
Die Beschwerdestatistik basiert laut dem Verband auf der Vorgangserfassung aller 16 Verbraucherzentralen in rund 200 Beratungsstellen; Rückschlüsse auf die Häufigkeit in der Gesamtbevölkerung sind daraus nicht direkt ableitbar. Für den Marktcheck wurden im Februar 2026 die Webseiten von Netzbetreibern in Flächenländern untersucht – ausgewählt wurden jeweils Netze aus Städten mit hoher Bevölkerungsdichte.