Von Artjom Maksimenko
Auch im abgelaufenen Jahr hat der Essener Energiekonzern mit 7,5 Milliarden Euro einen Rekordbetrag investiert (2023: 6,5 Milliarden Euro), etwa 80 Prozent davon in den Ausbau und die Digitalisierung der Netze. Auch für das laufende Geschäftsjahr soll der Investitionsbetrag um eine Milliarde wachsen. Insgesamt investiert Eon zwischen 2024 und 2028 etwa 48 Milliarden Euro. Der Energiekonzern und größte Verteilnetzbetreiber Deutschlands meint es mit der energiewendetauglichen Infrastruktur ernst, kommt aber zunehmend an seine Grenzen.
Denn aufgrund der noch "fehlender Visibilität über künftigen Regulierungsrahmen verbleiben Investitionen 2024 bis 2028 grundsätzlich auf bisherigem Niveau", kündigte der CEO des Energiekonzerns, Leonhard Birnbaum, bei der Bilanzpressekonferenz in Essen an. Alles darüber hinaus erfordere eine "wettbewerbsfähige Regulierung" mit "signifikanten Verbesserungen". Das Thema bleibt für den Konzern ein enorm wichtiges: Nach eigenen Angaben sind 78 Prozent des operativen Gewinns des Energiekonzerns reguliert und damit von den Entscheidungen der jeweiligen Regulierungsbehörden abhängig.
"Investitionen nicht um jeden Preis"
Eon sei zwar bereit, weiter zu investieren und damit "der Spielmacher der Energiewende in Europa zu sein", so Birnbaum. Allerdings werde der Konzern das "nicht um jeden Preis" tun. Voraussetzung für zusätzliche Investments in Deutschland sei "eine Verzinsung unserer Netzinvestitionen, die im internationalen Vergleich angemessen ist", sagte er, ohne konkrete Zahlen zu nennen. Noch sei es allerdings nicht absehbar, ob dies für die neue Regulierungsperiode Strom ab 2029 der Fall sein wird.
Bei dem momentanen Regulierungsregime haben wir keine auskömmliche Eigenkapitalverzinsung, um das Privatkapital anzuziehen. "Wir sind uns um die Anschlusspflicht von Erneuerbarenanlagen bewusst", erläuterte Eon-Finanzvorständin Nadia Jakobi. Was Eon fordere, sei die Einhaltung des EnWG, das einen wettbewerblichen Zins vorschreibe. Eon müsse 3,5 bis 5 Milliarden Euro emittieren.
"Dafür muss ich privates Kapital anziehen und brauche dafür einen attraktiven Zins. Wir können einfach nicht Milliarden investieren, für die wir am Ende keine attraktive Verzinsung haben – die Folge wäre ein Investitionsrückgang", so Jakobi. Aus diesen Gründen habe sich Eon entschieden, sein Investitionsprogramm zum jetzigen Zeitpunkt nicht auszuweiten und für unseren Ausblick am Zeitraum von 2024 bis 2028 festzuhalten."
Es sei nicht entscheidend, welche Parameter sich verändern: EK1, EK2, X-Gen, Redispatchkosten oder die dauerhaft nicht-beeinflussbaren Kosten: "Am Ende kommt es auf das Gesamtsystem an", so Birnbaum weiter. "Ansonsten können wir die Summen nicht organisieren und die Investments nicht tätigen, die wir wünschen", hieß es.
"Nur in Deutschland gab es einen Rückgang." Leonhard Birnbaum, Eon-CEO
Nach der sogenannten Zinswende in der vierten Regulierungsperiode in Europa habe es in allen Märkten, in denen Eon aktiv sei, einen Anstieg des Zinsniveaus bei Eigenkapitalverzinsung gegeben, "nur in Deutschland gab es einen Rückgang". Als Beispiele zählte er die Märkte in Finnland, Schweden, Polen und Tschechien auf. "Es ist fast überall besser gelaufen als in Deutschland".
Netzrenditen auf der politischen Agenda
"Wir stellen fest, dass die Netzrenditen bereits durchaus ein Thema sind", sowohl bei der CDU als auch der SPD, sagte Jakobi. Auch die Notwendigkeit des Privatkapitals für den Netzausbau sei bekannt. Seitens der CDU gebe es bereits Signale, dass die Netzrenditen mit den anderen europäischen Märkten vergleichbar sein sollten. "Für uns ist der Netzkonsultationsprozess der Bundesnetzagentur wichtig", sagte sie weiter. Spätestens Ende 2025 sollte "das methodologische Rahmenwerk" stehen und da wird es klar, wie die Netzrenditen sowohl für die Eigenkapital- als auch die Fremdkapitalseite aussehen.



