Einen sozial ausgewogenen CO2-Preis, um unter anderem die klimaschädlichen Emissionen der Kohlekraftwerke zu verteuern, fordert German Watch.

Einen sozial ausgewogenen CO2-Preis, um unter anderem die klimaschädlichen Emissionen der Kohlekraftwerke zu verteuern, fordert German Watch.

Bild: © Bernd Sterzl/Pixelio

In ihrer aktuellen Analyse „Carbon Neutral“ hat die Strategieberatung Oliver Wyman die Industrien mit dem größten CO2-Ausstoß analysiert und dabei hohe CO2-Einsparspotenziale identifiziert. Wenn die industriellen Akteure die kürzlich vorgeschlagenen Anpassungen des Green Deals verfolgen, wären bis 2030 energiebedingte Kohlenstoffemissionsreduktionen von bis zu einem Drittel gegenüber 2015 möglich. Dies entspräche eingesparten 200 Millionen Tonnen CO2.

Zum Vergleich: Im Jahr 2017 lag der CO2-Ausstoß der gesamten Luftfahrtbranche in Europa bei 163 Millionen Tonnen. Die Einsparungen könnten jedoch nur mit Unterstützung der Energieversorgungsunternehmen gelingen. „Energieversorger haben nun die Chance, mithilfe von Brücken- und Zukunftstechnologien und den richtigen Partnerschaften Industrieunternehmen bei der CO2-Reduzierung zu unterstützen“, sagt Jörg Stäglich, Leiter Utilities bei Oliver Wyman.

Vier Technologietypen für die Reduzierung von CO2

Mehrere Technologien könnten zur Reduzierung der energiebedingten Kohlenstoffemissionen im Industriesektor herangezogen werden. Die erste strategische Option ist Biomasse. Diese sei eine Brückentechnologie, da sie heute in den meisten Sektoren eine Rolle spielen könne, aber langfristig nur in bestimmten Sektoren eine nachhaltige Technologie zur Strom- und Wärmeerzeugung bleiben werde. Ein weiteres Feld seien verschiedene Stadien der unabhängigen Stromversorgung, die sowohl kurz- als auch langfristig von hoher Relevanz seien.

Weiterhin gebe es das Feld der Nischentechnologien für die Elektrifizierung von Wärme, Abwärmenutzung und Systemintegration, die für bestimmte Sektoren bereits heute attraktiv seien. Auch die Technologien Wasserstoff und Kohlenstoffabscheidung, -nutzung und -speicherung stellten einen relevanten Bereich dar. „Letztere haben sektorenübergreifend ein hohes Potenzial für die Energiegewinnung, jedoch ist deren Einsatz in vielen Fällen noch von Entwicklungsfortschritten und Kostendegressionen abhängig“, sagt Dennis Manteuffel, Principal der Energie-Praxisgruppe bei Oliver Wyman.

Rolle von Versorgungsunternehmen 

Um Industrieunternehmen optimal unterstützen zu können, sollten Energieversorger auf ihren spezifischen Fähigkeiten in den verschiedenen Technologien sowie auf ihrem Footprint aufbauen. Es gebe unterschiedliche Möglichkeiten, wie sich Energieversorger positionieren könnten – etwa als Reduction Enabler, der Unternehmen mit bereits bestehenden Technologien bei der CO2-Reduktion unterstützt; als Green Infrastructure Provider, der den Industrieunternehmen Infrastrukturlösungen für Strom, Wärme und gasförmige Produkte (wie Biogas, Wasserstoff oder abgeschiedenes CO2) ermöglicht; oder als Innovationspartner, der hoch innovativ und zukunftsorientiert mit emissionsintensiven Kunden zusammenarbeitet, um Pilotprojekte durchzuführen. (jk)

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