Ein Grund für die schlechte Stimmung: Die Energiebranche sieht sich mit einem Berg an Bürokratie konfrontiert. (Symbolbild)

Ein Grund für die schlechte Stimmung: Die Energiebranche sieht sich mit einem Berg an Bürokratie konfrontiert. (Symbolbild)

Bild: © Phushutter/AdobeStock

Von Pauline Faust

Die Stimmung in der Stadtwerkebranche hat sich stark verschlechtert. Das zeigt die neue Stadtwerkestudie 2025, die der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) gemeinsam mit der Unternehmensberatung EY veröffentlicht hat. Der ZfK liegt die Studie vorab vor.

Die Mehrheit der befragten Stadtwerke hatte demnach den geschäftlichen Erfolg in den vergangenen Jahren positiv bewertet. Diesmal schätzten jedoch nur noch 48 Prozent das abgelaufene Geschäftsjahr als gut bis sehr gut ein. Seit Erhebung der ersten Studie vor zwei Jahrzehnten wurde noch nie ein so niedriger Wert gemessen.

Laut der Studie beeinflussen drei Hauptfaktoren dieses Stimmungsbild: die allgemeine wirtschaftliche und politische Lage, gestiegene Bezugskosten für Energie und höhere Kosten für sonstige Aufwendungen.

Die befragten Stadtwerke hoben allerdings auch positive Aspekte hervor. 38 Prozent gaben an, dass sie von günstigen Einkaufspreisen profitiert hätten. 35 Prozent berichteten von erhöhten Verkaufserlösen beziehungsweise einem gesteigerten Absatz, was zu höheren Umsätzen und einer positiven Bewertung des Geschäftserfolgs beigetragen habe. Und 25 Prozent gaben an, dass zusätzliche Einnahmen in anderen Bereichen ihre finanzielle Stabilität verbessert hätten.

Kritisiert wurde vor allem der Einfluss der bestehenden gesetzlichen und regulatorischen Vorgaben auf die Tätigkeit der Stadtwerke. Insgesamt bewerteten 86 Prozent diesen als eher bis sehr negativ. Als besonders herausfordernd sahen die Befragten dabei die sehr hohe Frequenz von Änderungen und Anpassungen, die sich auf die operative Tätigkeit auswirken.

Dies spiegelt sich auch im Bürokratiekostenindex des Statistischen Bundesamtes wider. Während er für die Gesamtwirtschaft auf einem einigermaßen konstanten Level geblieben ist, stieg die Belastung durch Bürokratie für die Energiewirtschaft seit dem Jahr 2021 um 30 Prozent.

"Vereinzelte Bemühungen zum Bürokratieabbau werden dadurch konterkariert, dass an anderer Stelle zusätzliche Meldepflichten etabliert werden." - BDEW-Vorsitzende Kerstin Andreae

"Der regulatorische Druck droht zur Wachstumsbremse für die Energiewende zu werden. Stadtwerke brauchen Freiräume für Transformation statt zusätzlicher Bürokratie", wird Kerstin Andreae, Vorsitzende der BDEW-Hauptgeschäftsführung, zitiert. "Vereinzelte Bemühungen zum Bürokratieabbau werden dadurch konterkariert, dass an anderer Stelle zusätzliche Meldepflichten etabliert werden, wie durch die Ausweitung der Qualitätsregulierung durch die Bundesnetzagentur oder die Einführung neuer quartalsweiser Abfragen."

Ein wichtiger Aspekt, der die Erwartungen der Stadtwerkebranche beeinflusst haben könnte, ist laut den Studienverantwortlichen auch die vergangene Bundestagswahl, die im gleichen Zeittraum wie die Befragung der 100 Stadtwerke für die Studie stattgefunden hat. Die politischen Veränderungen, die auch Unsicherheit hervorrufen, könnten sowohl als Chance als auch als Herausforderung für die Stadtwerke aufgefasst werden.

Blick auf das nächste Jahr hat sich verbessert

Die Hälfte der Befragten prognostizierte, dass sich das Geschäftsjahr 2025 stabil gegenüber dem Vorjahr entwickeln würde. Nur noch 27 Prozent gingen von einer Verschlechterung aus. In der Studie des vergangenen Jahres waren dies noch 38 Prozent. Rund ein Fünftel ging weiterhin von einer positiven Entwicklung aus.

Verlässliche Rahmenbedingungen sind weiterhin zentral

Planbare und stabile gesetzliche Vorgaben bleiben laut den Studienautoren ein zentrales Kriterium für Investitionsentscheidungen. Langfristige Investitionen in Wirtschaftsgüter – wie Netzinfrastrukturen, digitale Systeme oder Wärmelösungen – seien nur dann tragfähig, wenn Finanzierungsmodelle auf verlässlichen regulatorischen Rahmenbedingungen aufsetzen können.

"Investitionen in Infrastrukturen mit jahrzehntelangen Amortisationszeiträumen erfordern klare und stabile politische Leitplanken. Nur so entsteht Planungs- und Investitionssicherheit", wird Andreas Siebel, Energy & Resources Sector Leader bei EY in Deutschland, zitiert.

Für die diesjährige Stadtwerkestudie von BDEW und EY wurden Geschäftsleistungen und Vorstände von rund 100 Stadtwerken und regionalen Energieversorgern in Deutschland befragt. Die Befragungen fanden zwischen Januar und März dieses Jahres statt. (mit aba)

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