Interesse hat nach ZfK-Informationen über seine Mehrheitsbeteiligung Getec der für harte Sanierungen bekannte Finanzinvestor EQT. Neben Getec/EQT sind dem Vernehmen nach auch Unternehmen aus dem kommunalen Bereich im Rennen.
Auch wenn das Geschäft mit Energiedienstleistungen wie das Beschaffungs- und Portfoliomanagement für Strom und Gas, Bilanzkreis- und Energiedatenmanagement seit längerem unter Druck ist und die Margen gering sind, ist und bleibt es gerade für größere wettbewerbsfähige, spezialisierte kommunale Allianzen ein attraktives Geschäftsfeld. Ein Selbstläufer ist es allerdings nicht. Zu spüren bekommen hat das, wie andere kommunale Energiebeschaffungskooperationen, auch die EEG aus dem schleswig-holsteinischen Henstedt-Ulzburg.
Bieter mussten Kaufpreisangebot abgeben
Die Gesellschafter, noch 30 Stadtwerke aus Schleswig-Holstein und Nord-Niedersachsen, wollen das unter chronischer Ertragsschwäche leidende Unternehmen deshalb verkaufen und haben mit der Abwicklung des Deals die BTO Management Consulting AG aus Berlin beauftragt. Jetzt entscheiden die Gesellschafter, mit wem finale Verkaufsverhandlungen geführt werden. Bis Ende letzter Woche mussten die verbleibenden Bieter ein Kaufpreisangebot abgeben.
Im Januar waren bereits weitere potenzielle Kaufkandidaten, darunter nach ZfK-Informationen die Thüga-Tochter Syneco Trading und Trianel, aus dem Bieterrennen ausgeschieden. Brancheninsider gehen von einem Kaufpreis von bis zu 1,5 Mio. Euro aus.
Interimistischen EEG-Geschäftsfüher eingesetzt
EEG-Geschäftsführer Hubert Tschuschke hatte erst im Februar die kommunale Einkaufsgesellschaft verlassen, um bei den Stadtwerken Kiel die Position des Bereichsleiters Portfoliomanagement zu übernehmen. Die Gesellschafter setzten daraufhin Matthias Wendel als interimistischen EEG-Geschäftsführer ein. Wendel hatte bis dahin als Projektleiter bei der Berliner BTO Management den Verkaufsprozess für EEG geleitet.
Mit der Übernahme der EEG will der schwedische Finanzinvestor mit seiner Mehrheitsbeteiligung Getec die Strategie forcieren, verstärkt im deutschen kommunalen Versorgungsgeschäft Fuß zu fassen. Seit dem Einstieg von EQT Ende 2016 stehen bei dem Magdeburger Energiedienstleister und Contracting-Spezialisten Getec die Zeichen auf beschleunigtes Wachstum, zahlreiche Unternehmen wurde zugekauft. Mitte vergangenen Jahres sorgte die Übernahme der Stadtwerke Thale für Aufsehen. Mit dem Schritt in das kommunale Versorgergeschäft ist Getec erstmalig auch im Endkundengeschäft aktiv.
Firmenanteile straff auf Rendite trimmen
EQT ist mit seinen Fonds weltweit unterwegs. Derzeit umfasst das Portfolio des Investors Unternehmen in Europa, Asien und den USA mit einem Gesamtumsatz von mehr als 15 Mrd. Euro und rund 100 000 Mitarbeitern. In Deutschland gehört den Schweden etwa der Discount-Bäcker Backwerk und der Online-Händler Kfz-Teile24.
Das Geschäftsmodell von EQT: Übernommene Firmenanteile straff auf Rendite trimmen, großzügig Wachstum finanzieren – und die Anteile anschließend gewinnbringend verkaufen. So war EQT etwa vor Jahren an dem Müllverbrennungs-Spezialisten EEW Energy from Waste aus Helmstedt beteiligt - veräußerte die Anteile jedoch Anfang 2016 an chinesische Investoren. (hil)
