Die Gasag-Gruppe will ihren Wachstumstrend trotz der Corona-Pandemie auch in diesem Jahr fortsetzen. Aufgrund der vergleichsweise geringen Abhängigkeit von industriellen Kunden und der Fokussierung auf Netzbetrieb und Vertrieb treffe die aktuelle Corona-Krise die Gasag weniger harte als andere Versorger, sagte Vorstandschef Gerhard Holtmeier am Mittwoch auf der digitalen Jahrespressekonferenz.
Durch die frühzeitige Digitalisierung sei das Unternehmen gut vorbereitet gewesen, rund 1.000 von insgesamt 1.700 Beschäftigten arbeiteten derzeit im Home-Office, die Prozesse funktionierten, sagte Holtmeier. Zudem biete die Krise auch Chancen."Wir werden die digitale Kommunikation mit unseren Kunden sicher schneller vorantreiben", erklärte der Gasag-Chef.
Eine Million Bestandskunden als Ziel
Mit Blick auf das Haushalts- und Großkundengeschäft verwies Vertriebsvorstand Matthias Trunk auf einen anhaltenden Wachstumstrend. Die Zahl der Strom- und Gaskunden kletterte im vergangenen Jahr um rund 30.000 auf insgesamt 791.000. Das Plus ging dabei ausschließlich auf das Konto von Stromkunden, inzwischen sind es 254.000. Mittelfristig strebt der Versorger eine Million Bestandskunden an.
Im Markt für Energielösungen profitiere die Gasag von der zunehmenden Vernetzung zwischen Energie- und Immobilienwirtschaft, erklärte Trunk. Bei der Gewinnung neuer Großkunden liege der Schwerpunkt ganz klar beim Erdgas. Mit einem Marktanteil von 60 Prozent habe die Gasag in der Immobilienwirtschaft der Hauptstadt eine sehr starke Position. Hier habe man Versorgungsverträge zum Teil bis zum Jahr 2023 verlängern können. Von der infolge der Corona-Krise möglichen Stundung von Energierechnungen hätten bis dato 750 Kunden Gebrauch machen wollen, sagte Trunk weiter. Das betroffene Volumen betrage rund eine halbe Million Euro.
Geringeres Geschäftsvolumen bei Weiterverteilern
Der um wesentliche Sondereffekte bereinigte operative Gewinn (EBIT) kletterte um sieben Mio. Euro auf insgesamt 112 Mio. Euro. Ausschlaggebend seien im Wesentlichen Auswirkungen des Effizienzprogramms "Gasag 2025" gewesen, erläuterte Finanzvorstand Michael Kamsteeg. Zu den Sondereffekten zählt der Versorger etwa negative Temperatureinflüsse (extrem überdurchschnittlich warmer Winter) sowie den Restrukturierungsaufwand im Zusammenhang mit dem Effizienzprogramm. Unbereinigt sank das Ergebnis denn auch auf 64 Mio. von zuvor 73 Mio. Euro.
Der Umsatz kletterte in 2019 um fünf Prozent auf 1,3 Mrd. Euro, der Anteil der Stromkunden am Gesamtumsatz liegt inzwischen bei einem Fünftel. Der Stromabsatz nahm um 26 Prozent auf 1,6 Mrd. kWh zu, der Gasabsatz blieb mit 25,2 Mrd. kWh auf Vorjahresniveau. Beim Gas habe die Gasag temperaturbedingte Mengeneinbußen zum Teil durch einen Absatzanstieg bei RLM-Kunden vor allem infolge von Insolvenzen von Wettbewerbern kompensieren können, erklärte Kamsteeg. Auf der anderen Seite sei das Geschäftsvolumen bei Weiterverteilern gesunken.
Verschuldung klettert weiter an
In den kommenden drei Jahren plant der Berliner Versorger Investitionen von insgesamt 450 Mio. Euro. Neben der Instandhaltung der Netzinfrastruktur stehen die Entwicklung neuer Energiedienstleistungen sowie der Ausbau der Erneuerbaren auf dem Programm. Schwerpunkt sind der Ausbau der Solarkapazitäten in der Lausitz, für die Windkraft sind in dem Zeitraum 50 Mio. Euro reserviert.
Durch die hohen Investitionen klettert die Verschuldung der Gasag weiter an, auf insgesamt über 2,1 Mrd. Euro. Vor allem der im vergangenen Jahr erfolgte Erwerb der Mehrheit an dem regionalen Energieversorger EMB Energie Mark Brandenburg, aber auch die Zunahme negativer Marktwerte von Derivaten wirkten sich aus. Die kurzfristigen Schulden erhöhten sich um 184 Mio. Euro, die langfristigen Verbindlichkeiten um 84 Mio. Euro. (hil)
