Wird im Juni BDEW-Präsidentin: Entega-Chefin Marie-Luise Wolff.

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Bild: © Entega

Herr Hacke, die Investitionsherausforderungen für die Kommunalwirtschaft im Zuge der Energiewende sind immens. Wie herausfordernd ist die Finanzierung dieses Mammutprojekts aus Sicht der Banken und reicht dafür der bestehende, konventionelle Finanzierungsmix aus?

Auf dem Weg zur Klimaneutralität und den Klimazielen 2030 werden massive Investitionen nötig sein. Für Stadtwerke und kommunale Unternehmen aus den Bereichen Energie, Abfall, Verkehr und (Ab)Wasser liegt der Investitionsbedarf bis 2030 nach unseren aktuellen Schätzungen bei 500 bis 600 Milliarden Euro.

Das meiste Geld wird für die Energie-, Mobilitäts- und Wärmewende benötigt. Das wird eine enorme Kraftanstrengung für die Unternehmen, die viele mit den vorhandenen Ressourcen (neben Kapital auch Personal) nicht allein stemmen können.

Was raten Sie der Branche angesichts dieser Konstellation?

Deswegen empfehlen wir, unbedingt im Austausch mit den Kommunen auch unbeliebte Themen wie Gewinnthesaurierung, Fördermittel und eine Weiterentwicklung der Quersubventionierung defizitärer Sparten zu diskutieren. Darüber hinaus sollten die Unternehmen mit ihren Gesellschaftern eine klare Priorisierung der Themen vornehmen – es können nicht alle Vorhaben gleichzeitig umgesetzt werden.

An vielen Stellen werden auch neue Konzepte, etwa Projektpartnerschaften Teil der Lösung sein.

Aber auch die Kommunen haben keine Goldesel im Keller und werden zusätzlich zu den ohnehin angespannten Haushalten selbst hohe Investitionen in den Klimaschutz leisten müssen. Wichtig ist, dass Stadtwerke ihren Investitionsbedarf für sich selbst im Rahmen ihrer Strategien und Wärmeplanungen ausrechnen, um über konkretere Größenordnungen mit ihren Kommunen sprechen zu können.

Und an vielen Stellen werden auch neue Konzepte, wie beispielsweise Projektpartnerschaften, und eine stärkere interkommunale Zusammenarbeit, um Synergien zu heben, Teil der Lösung sein. Fremdkapital über Banken wird im Finanzierungsmix von Stadtwerken auch weiterhin eine feste Säule sein.

Privates Kapital wird bei der Finanzierung des Infrastrukturausbaus in den nächsten Jahren sicherlich zunehmen.

Wie umfassend sind mittlerweile die Angebote privater/branchenfremder Investoren (Beispiel Palladio), beispielsweise für langfristige Infrastrukturinvestitionen und welche Rolle werden/können diese künftig spielen bei der Finanzierung der Energiewende und des dazugehörigen Infrastrukturausbaus? 

Wir stehen vor einem gewaltigen Umbau des gesamten Energiesystems in Deutschland. Das ist einerseits eine Herausforderung und anderseits auch eine riesige Chance. Im Energie- und Infrastrukturbereich werden wir in den nächsten Jahren sehr viel Bewegung sehen.

Das zieht natürlich auch privates Kapital von Investor*innen an, die nach attraktiven Anlagemöglichkeiten in Infrastrukturprojekten suchen. Für die Stadtwerke wird wichtig, diese Bewegung eng zu verfolgen und strategische Chancen zur Kooperation genau zu prüfen. Das wird in den nächsten Jahren als Antwort auf knappe Ressourcen (finanziell und personell) sicherlich zunehmen.

Bei Innovationen gibt es keine Erfahrungshistorie. Stadtwerke und wir als finanzierende Bank müssen unser Know-how hier erweitern.

Ihr Kollege Hinrich Holm von der Berliner Investitionsbank hat auf der Stadtwerketagung des Handelsblatts davon gesprochen, dass die kommunalen Unternehmen bei den anstehenden Energie- und Wärmewendeinvestitionen jetzt ein Know-how aufbauen müssten, um die Geschichte des Ingenieurs in konkrete Cash-Flows umzusetzen. Wie schwierig sind hier die Vermittlungsherausforderungen von solchen Projekten von Stadtwerken gegenüber Banken?

Für unsere zukünftige klimaneutrale Energieversorgung werden auch neue Technologien eine wichtige Rolle spielen – genauso wie bewährte Technologien mit besonderen Risiken, wie Geothermieanlagen zur Wärmeerzeugung.  Sie werden für das Gelingen der Energiewende dringend benötigt, müssen ihre Tauglichkeit im Langzeiteinsatz aber teilweise noch unter Beweis stellen. Bei Innovationen gibt es keine Erfahrungshistorie.

Für Stadtwerke und uns als finanzierende Bank bedeutet das, dass wir unser Know.-how erweitern, Stadtwerke entsprechende Daten zur Verfügung stellen und wir gemeinsam Wege zur Finanzierung finden müssen. Dabei geht es auch um ganz praktische Fragen, wie den Nachweis plausibler langfristiger Wartungs- und Versicherungskonzepte.

Wie geht die DKB an das Thema Energie- und Wärmewendeherausforderungen heran? Worauf stellen Sie sich in den nächsten Jahren ein?

Wir stellen uns 1. auf eine deutlich erhöhte Kreditnachfrage aus dem Energie- und Kommunalsektor ein mit einer erhöhten Komplexität in den Finanzierungen. Dafür schaffen wir aktuell entsprechende Kapazitäten bei uns, bauen beispielsweise Teams weiter aus. Und 2. werden wir unser Kompetenzangebot erweitern, um Stadtwerke ganz konkret noch tiefer unterstützen zu können: in der Finanzplanung, durch Austauschformate und Best Practice-Impulse.

(Die Fragen stellte Hans-Peter Hoeren)

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Einen Themenschwerpunkt zu den Finanzierungsherausforderungen rund um die Energiewende finden Sie in der aktuellen Printausgabe der ZfK, die am vergangenen Monat (5.Juni) erschienen ist. Zum Abo geht es hier.

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