Das Verwaltungsgebäude der Stadtwerke Neuss.

Das Verwaltungsgebäude der Stadtwerke Neuss.

Bild: © Stadtwerke Neuss

Seit Bekanntwerden des milliardenschweren Deals zwischen Eon und Innogy ist viel über die neuen Gestaltungsoptionen von Stadtwerken, mit Blick auf die sogenannte Change-of-Control-Klausel spekuliert und geschrieben worden. Als einer der ersten mehrheitlich kommunalen Versorger haben die Stadtwerke Neuss, an denen Innogy eine Beteiligung hält, jetzt von dieser vertraglich fixierten Möglichkeit Gebrauch gemacht. Die Stadtwerke Neuss investieren in den Rückkauf eigener Anteile und an mittelbaren Beteiligungen an den Stadtwerken Meerbusch und Willich. Nach intensiven Verhandlungen mit Innogy habe man sich auf ein umfassendes Kooperationsmodell geeinigt, heißt es in einer Pressemitteilung.

Teil-Rekommunalisierung

Die Stadtwerke Neuss verzichten auf den ihnen durch die Change-of-Cotnrol-Klausel möglichen Komplettrückkauf der Beteiligung von Innogy. Stattdessen kaufen die Stadtwerke 7,4 Prozent der Anteile an der Stadtwerke Neuss Energie und Wasser GmbH von Innogy zurück. In der Stadtwerke Neuss Energie und Wasser erhöht sich dadurch der kommunale Neusser Anteil auf 67,5 Prozent. Der Anteil von Innogy sinkt im Gegenzug von 24,9 auf 17,5 Prozent. Der Anteil des dritten Gesellschafters Thüga bleibt mit 15,0 Prozent konstant.

Willich/Meerbusch: Zugriffsrecht auf weitere Anteile

Das Kooperationsmodell beinhaltet neben der Teil-Rekommunalisierung auch eine neue, mittelbare Beteiligung an zwei niederrheinischen Nachbar-Stadtwerken. An den Stadtwerken Willich und den Stadtwerken Meerbusch ist die Innogy jeweils Minderheitsgesellschafter. Ähnlich wie in Neuss kaufen die beiden Stadtwerke jeweils 7,4 Prozent eigene Anteile zurück. Die verbleibenden Innogy-Anteile werden in eine Vorschaltgesellschaft eingebracht. An dieser beteiligt sich die Stadtwerke Neuss Energie und Wasser GmbH mit 49 Prozent. Außerdem haben sich die Stadtwerke Neuss Zugriffsrechte auf weitere Anteile an dieser Gesellschaft gesichert.

"Historische Chance"

"Durch den Change-of-Control-Fall bestand jetzt für die Stadtwerke Neuss die historische Chance die Energie und Wasser GmbH strategisch weiterzuentwickeln und neue Perspektiven aufzuzeigen“, erklärte Stephan Lommetz, Vorsitzender der Geschäftsführung der Stadtwerke Neuss. Die "gute Zusammenarbeit der Stadtwerke Neuss" mit dem RWE-Konzern und der späteren Innogy gehe auf die Mitte der 1950er Jahre zurück. Auch für das Stromnetz der Stadtwerke Neuss gebe es eine erfolgreiche Zusammenarbeit im Rahmen einer bis heute bestehenden Pachtkooperation.

Finanzbeteiligung an Stadtwerken

"Es war auch im Rahmen unserer Verhandlungen unser beidseitiges Bestreben, einen Weg zu finden, der diese erfolgreiche Zusammenarbeit auch künftig mit dem neuen Eigentümer Eon fortsetzen lässt“, bekräftigte Lommetz. Die mittelbare Beteiligung an den beiden ebenfalls kommunal beherrschten niederrheinischen Stadtwerken in Meerbusch und Willich sei dabei keine Fusion sondern eine Finanzbeteiligung. Das Leistungs- und Versorgungsspektrum sowie die Geschäftsfelder in Neuss, Meerbusch und Willich seien miteinander vergleichbar. Der Geschäftszweck bestehe jeweils in der Tätigkeit als regionales Energieversorgungsunternehmen.

Kartell- und Aufsichtsbehörden müssen noch zustimmen

Die drei Städte Neuss, Meerbusch und Willich grenzen unmittelbar aneinander. Das gewählte Modell, unter Einbeziehung des neuen Innogy-Eigentümer Eon, ermögliche es, künftig partnerschaftlich ein gemeinsames Marktgebiet zu versorgen und gemeinsam Produkte zu entwickeln, heißt es in der Pressemitteilung. In den drei niederrheinischen Städten leben zusammen 269.000 Menschen. Neben den Gremien der Stadtwerke Neuss hat dem Kooperationsmodell auch der Rat der Stadt Neuss zugestimmt. Ebenfalls grünes Licht gibt es von den Städten Meerbusch und Willich. Nachdem alle erforderlichen Beschlüsse vorliegen, müssen jetzt nur noch die erforderlichen Verfahren der kommunalen Aufsichtsbehörden und das Kartellrechtsverfahren durchlaufen werden. (hoe)

 

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