Die Gaskraftwerke Irsching 4 und 5 sollen ab Oktober wieder ins Netz gehen.

Die Gaskraftwerke Irsching 4 und 5 sollen ab Oktober wieder ins Netz gehen.

Bild: © Mainova

Die rekordtiefen Gaspreise verhelfen den Gaskraftwerken Irsching 4 und 5 bei Ingolstadt zu einem vor Monaten noch undenkbaren Comeback. Ab Oktober wird Irsching 5 wieder an den Markt zurückkehren. Das haben die Eigentümer, die Regionalversorger N-Ergie, Mainova und Entega sowie der Energiekonzern Uniper beschlossen. Die verbesserten Marktpreise würden einen wirtschaftlichen Betrieb der Anlage möglich erscheinen lassen, heißt es aber noch relativ verhalten in einer Pressemitteilung.

Die vergleichsweise lange Zeit bis zur Inbetriebnahme hängt laut einem Mainova-Sprecher mit dem aktuellen regulatorischen Regime des Kraftwerks in der Netzreserve zusammen. Parallel dazu bereitet Uniper als alleinige Eigentümerin den Marktbetrieb des Gaskraftwerks Irsching 4 vor. Die Eigentümer behalten sich vor, die Situation von Jahr zu Jahr neu zu bewerten und die Entscheidung bei verschlechterten Marktkonditionen zu revidieren.

Hasler: "Hoffen, Verluste zu verringern"

"Mit der Rückkehr an den Markt erwarten wir, dass der Betrieb von Irsching 5 wirtschaftlicher wird als bisher. Dies heißt aber nicht, dass wir mit dem Marktstart Geld verdienen werden. Vielmehr hoffen wir darauf, dass die Verluste, die unser Kraftwerk seit Jahren schreibt, verringert werden“, erklärte Josef Hasler, Vorstandsvorsitzender der Nürnberger N-Ergie. Die geänderten Marktbedingungen zeigen, dass die Rolle von Gaskraftwerken wie Irsching 5 im Rahmen der Energiewende zukünftig noch einmal verstärkt an Bedeutung gewinnen werde, verdeutlichte Norbert Breidenbach, Vorstandsmitglied der Mainova AG. "Denn es sind die Gaskraftwerke, die in der Energiewelt von morgen maßgeblich zur Versorgungssicherheit beitragen werden.“

Wolff: "Beide Systeme zusammenführen"

"Wir freuen uns über die Rückkehr von GKI aus dem regulierten Betrieb in den Markt", kommentierte Marie-Luise Wolff, Vorstandsvorsitzende der Entega AG. Schließlich glaube sie, dass hocheffiziente Kraftwerke aktuell am sinnvollsten im Markt aufgehoben sind, wo sie Kraftwerke mit höheren Emissionen verdrängen könnten. Eine der großen Herausforderungen für die Politik sei jetzt, beides zu ermöglichen, solche Kraftwerke effizient und volkswirtschaftlich optimal im Markt zu betreiben und gleichzeitig durch intelligente Regulierung die Versorgungsicherheit zu unterstützen. "Die beiden Systeme sollten zusammengeführt werden“, forderte sie.

Chance auf leicht verbesserte Margen

„Wir haben immer gesagt, dass wir laufend prüfen, ob die wirtschaftlichen Marktentwicklungen eine Rückkehr von Irsching erlauben. Aus heutiger Sicht besteht die Möglichkeit, in der absehbaren Zukunft leicht verbesserte Margen durch den Einsatz am Markt zu erzielen“, führte David Bryson, Vorstandsmitglied und COO von Uniper aus. Hocheffiziente und moderne Gaskraftwerke wie Irsching 4 und 5 seien im Prinzip besonders gut geeignet, ein Fundament für die stark schwankende Stromerzeugung aus Wind und Sonne zu bilden.

Die Bundesregierung sollte daher jetzt die Gelegenheit ergreifen, den Empfehlungen der Kohlekommission zu folgen und nach der Festlegung der Rahmenbedingungen für den Kohleausstieg nun auch die Sicherstellung einer kontinuierlichen Stromversorgung in der deutschen Gesetzgebung zu verankern. „Hier mangelt es bisher an Transparenz und Verlässlichkeit. Vor allem ist das System der unterschiedlichsten Reserven nicht zukunftsorientiert, da es weitgehend auf ältere Bestandsanlagen fokussiert“, so Bryson.

Sehr hoher Wirkungsgrad

Zuletzt hatten die Eigentümer von Irsching 4 und 5 im September 2019 die vorläufige Stilllegung der Blöcke von Oktober 2020 bis Ende September 2021 angezeigt. Dies wurde ihnen jedoch mit Verweis auf die Netzreserveverordnung verboten. Das bedeutet, dass die Blöcke ausschließlich dann zum Einsatz kommen, wenn ihre Leistung zur Stabilisierung des Netzes gebraucht wird. Das ist dann der Fall, wenn das Netz in Süddeutschland wegen temporärer Engpässe gestützt werden muss. Die Anzeige der Stilllegung haben die Eigentümer nun zurückgenommen.

Irsching 5 hat eine Leistung von 846 MW und ging im Jahr 2010 in Betrieb. Mit einem Wirkungsgrad von 59,7 Prozent gehört es zu den modernsten Gaskraftwerken Europas. Es wird im Auftrag der  Eigentümergesellschaften von der Uniper Kraftwerke GmbH betrieben. Uniper hält 50,2 Prozent der Anteile, N-Ergie 25,2 Prozent, Mainova 15,6 Prozent und Entega neun Prozent. Irsching 4 mit 561 MW Leistung ging 2011 in Betrieb und ist mit einem Wirkungsgrad von 60,4 Prozent ebenfalls eines der effizientesten Gaskraftwerke weltweit. (hoe)

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