Die SocialMedia-Plattform X bringt Kommunikationsabteilungen zum Grübeln: Lohnt ein Markenauftritt hier noch? Zwei haben sich jetzt entschieden. (Symbolbild)

Die SocialMedia-Plattform X bringt Kommunikationsabteilungen zum Grübeln: Lohnt ein Markenauftritt hier noch? Zwei haben sich jetzt entschieden. (Symbolbild)

Bild: © Monika Skolimowska/dpa

Twitter-Nachfolger „X“ erlebt weiter einen Exodus an Nutzern. Nach zahlreichen Prominenten, Journalisten und zuletzt der Antidiskriminierungsstelle des Bundes, kündigten nun auch zwei bekannte Unternehmen aus der Energiebranche ihren Rückzug von der Onlineplattform an.

„Es hat sich viel verändert - leider nicht zum Guten“, schreibt Stephan Lowis, Vorstandsvorsitzender der enviaM auf LinkedIn. Die Eon-Tochter will sich künftig lieber auf andere Plattformen wie LinkedIn und Instagram konzentrieren.

enviaM habe die Plattform immer wieder mit Inhalten rundum die Energiezukunft bespielt. Das Interesse an diesen Themen sei riesig: „Wir haben hier einen klaren Auftrag, den wir mit viel Aufwand und Leidenschaft verfolgen.“ Doch für Populismus, Hass und Hetze habe man weder Zeit noch Platz.

Hetze und Fake News haben zugenommen

Nach der Twitter-Übernahme durch Tesla-CEO Elon Musk und seiner neuen Strategie für das soziale Netzwerk ist die Zahl der Hass-Postings dort nachweißlich gestiegen. Musk hat die Richtlinien gelockert und Moderatoren entlassen, die Inhalte überprüften.

Zudem werden Fake-News auf X verstärkt ein Problem. Nach dem Angriff der Hamas auf Israel fiel dies besonders auf, als falsche Informationen in den Feeds vieler Nutzer auftauchten. Eine Musk-Entscheidung begünstigte dies besonders: Durch den Kauf des „blauen Hakens“ können einzelne mehr Aufmerksamkeit für ihre Posts erhalten, ohne Qualitätsansprüche zu erfüllen.

Stadtwerke Tübingen: X enspricht nicht Wertebild

Auch die Stadtwerke Tübingen (swt) kehren X den Rücken. Nach über zehn Jahren Twitter-Mitgliedschaft wollen die swt ab dem 14. November stattdessen über das soziale Netzwerk „Mastodon“ kommunizieren. Den Wechsel vollzögen die swt ganz bewusst – und betonten damit ihre Werte, hieß es in einer Pressemitteilung am Dienstag, 7. November.

Die Stadtwerke schlößen sich mit ihrem Schritt unter anderem dem Hauptstadtstudio des Deutschlandfunks und der Antidiskriminierungsstelle des Bundes an. Letztere hatte vor wenigen Wochen ebenfalls die Plattform X verlassen und öffentlichen Einrichtungen denselben Schritt nahegelegt.

„Als Stadtwerke Tübingen folgen wir bei unserer öffentlichen Kommunikation einem klaren Wertebild.“ - Johannes Fritsche, Sprecher swt

„Als Stadtwerke Tübingen folgen wir bei unserer öffentlichen Kommunikation einem klaren Wertebild“, sagt Johannes Fritsche, Bereichsleiter Marketing und Öffentlichkeitsarbeit bei den swt. „Wertschätzung, Toleranz, Fairness und Respekt soll unsere Kommunikation auszeichnen. X hat in den vergangenen Monaten in eklatanter Weise immer wieder gegen diese Prinzipien verstoßen.“

Die Stadtwerke Tübingen seien weiterhin auch auf den anderen großen Social Media-Plattformen – Facebook, Instagram – präsent. Auch dort gäbe es Fake News, Hate Speech, verbalisierten Extremismus, Desinformation und persönliche Angriffe. Allerdings – und das sei aus Sicht der Stadtwerke Tübingen der entscheidender Unterschied – werde von Seiten X nichts gegen derarte Missstände unternommen.

Stille Verabschiedung

Ohne Ankündigung hingegen hat sich Bayernwerk von der Plattform zurückgezogen. Seit dem Sommer postete das Energieunternehmen nichts mehr.

Auf ZfK-Anfrage erklärte ein Sprecher dazu: „In unserer Social Media-Ausrichtung legen wir seitens Bayernwerk einen klaren Schwerpunkt auf die Kanäle Instagram, Facebook und LinkedIn. In diesem Zuge haben wir uns entschieden, unsere Postings auf X ruhen zu lassen.“

(pfa)

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