Klaus Kreutzer ist geschäftsführender Gesellschafter des auf Energiethemen spezialisierten Beratungsunternehmens Kreutzer Consulting.

Klaus Kreutzer ist geschäftsführender Gesellschafter des auf Energiethemen spezialisierten Beratungsunternehmens Kreutzer Consulting.

Bild: © Kreutzer Consulting

Wer auf den Vergleichsportalen nach einem Stromtarif sucht, bekommt mittlerweile auch dynamische Tarife angeboten – teilweise in prominenter Platzierung. Der Berater Klaus Kreutzer beobachtet das aufmerksam. Neulich schrieb er auf seinem Blog dazu, dass bestimmte Anbieter mit Startpreisen auffallen, die offenbar so gewählt werden, dass die Tarife weit oben in der Liste der günstigsten Angebote auf den Vergleichsportalen auftauchen.

Herr Kreutzer, was beobachten Sie momentan zur Darstellung von dynamischen Tarifen auf den Vergleichsportalen?

In den meisten Fällen handelt es sich um so genannte Flex- oder Variotarife, für die kein Smart Meter benötigt wird. Im Normalfall wird der monatliche Preis auf Basis des Haushalts-Standardlastprofils und des Jahresverbrauchs ermittelt. Die zugrunde liegende Preisbasis ist dabei oft, aber nicht zwangsläufig der Spotmarkt.

Da die Anbieter dem Vergleichsportal einen Preis nennen und gegegebenenfalls auch eine Preisgarantie für die Erstvertragslaufzeit (meist ein Monat) gewähren müssen, können diese Preise meist nicht auf dem tatsächlichen Spotmarktpreis basieren. Da der Vertrags- und Lieferbeginn beim neuen Anbieter nicht unmittelbar im nächsten Monat nach dem Online-Wechsel stattfindet, sondern teilweise auch erst Monate später erfolgt, wird für den ersten Monat ein pauschaler Festpreis ermittelt. Ab dem zweiten Liefermonat kann dann das eigentliche Preissystem greifen, da dann alle relevanten Preisparameter bekannt sind.

Sehen Sie das Anbieten von so einem anfänglichen Fixpreis als eine Hürde, die es erschwert dynamische Tarife richtig einzuordnen?

Für den Kunden kann es verwirrend sein, dass sich der Angebotspreis und der Preis ab dem 2. Monat unterschieden. Es liegt allerdings einerseits in der Natur der Sache, dass der Preis des dynamischen Tarifs schwankt, andererseits können die Kunden bei Nicht-Gefallen schnell wieder wechseln. Das finanzielle Risiko ist also überschaubar.

Trotzdem ist natürlich Transparenz sehr wichtig, das heißt, die Kunden sollten das Zustandekommen des Preises jederzeit verstehen können.

Wieso landen dynamische Tarife bei Vergleichsportalen so weit oben in den Anzeigen? Sehen Sie hier eine Problematik?

Die Tarifkalkulation für den ersten Monat orientiert sich bei manchem Anbieter sicherlich auch an der notwendigen preislichen Positionierung, um auf den vorderen Plätzen des Rankings zu erscheinen.

Die Kunden können jedoch durch die Kennzeichnung und das Preismodell ganz gut unterscheiden, ob sie einen Tarif mit Preisgarantie oder einen dynamischen Tarif haben. Wie unsere aktuelle Wechslerstudie Energie zum 1. HJ 2024 auf Basis von Verivox-Daten zeigt, sind die Abschlüsse bei dynamischen Tarifen trotz der vorderen Positionierung noch recht überschaubar.

"Glücklicherweise gibt es solche überhöhten Aufschläge nur vereinzelt."

Problematisch sind die vorderen Positionierungen nur, wenn die Preiskalkulation sehr hohe Margenaufschläge auf den Arbeits- und Grundpreis enthält. Dies führt unter Umständen dazu, dass die Tarife deutlich teurer werden können als aktuelle Laufzeittarife mit Preisgarantie. Für den Kunden lohnt es sich dann also nicht, das Risiko der Preisschwankungen einzugehen. Glücklicherweise gibt es solche überhöhten Aufschläge nur vereinzelt, soweit wir bislang feststellen konnten.

Welche Schlüsse sollten Stadtwerke aus dem Verhalten der Vergleichsportale ziehen?

Stadtwerke können Flextarife und dynamische Tarife einsetzen, um unabhängig von ihrer sonstigen Beschaffung, günstige Angebote zu machen. Dies kann sowohl für die Neukundenakquise als auch zur Kundenbindung genutzt werden. Die Tarife sind daher keine Bedrohung, wenn man die sich daraus ergebenden Chancen ergreift.

"72 Prozent der Online-Wechsler nutzen Vergleichsportale."

Viele Anbieter versuchen momentan Kunden über den Verkauf der Hardware zu generieren. Was meinen Sie, werden Vergleichsportale für den Vertrieb von dynamischen Tarifen eine große Rolle spielen?

Die Vergleichsportale sind der wichtigste Informations- und Wechselkanal für Energiekunden. Wie unsere aktuelle Vertriebskanalstudie Energie 2024 zeigt, haben zuletzt 80 Prozent der Verbraucher den Versorger online gewechselt. Wiederum 72 Prozent der Online-Wechsler nutzen Vergleichsportale.

Entsprechend ist zu erwarten, dass Vergleichsportale bei dynamischen Tarifen eine ähnlich wichtige Rolle einnehmen werden.

Der Kundenzugang über den Vertrieb von Hardware ist zwar auch sehr interessant, um die Kernzielgruppe zu erreichen, aber die Gesamtreichweite ist deutlich geringer. 

Die Fragen stellte Pauline Faust.

  • Mehr zum Thema: Christina Wallraf, Referentin Energiemarkt bei der Verbraucherzentrale NRW, sieht bei der Darstellung von dynamischen Tarifen in den Vergleichsportalen noch Defizite. Unter anderem werde nicht ersichtlich, für welche Kunden sich so ein Tarif überhaupt lohne. Lesen Sie "Zu dynamisch für den Vergleich?" im aktuellen E-Paper der ZfK (Ausgabe 9 2024, Seite 25). Das E-Paper ist in Ihrem Plus-Abo enthalten.
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