Von Pauline Faust
Das Energieunternehmen Lichtblick setzt auf Flexumer, dezentrale Großspeicher und smarte Steuerung. "Bis 2045 könnte die dezentrale Flexibilität in Deutschland die heutige Kraftwerksleistung um das Sechsfache übersteigen, das ist ein enormes Potenzial für Versorgungssicherheit und Kosteneffizienz", sagt Lichtblick-CEO Marc Wallraff bei der Bilanzpressekonfrenz des Unternehmens am Mittwoch. "Unsere Flexibilitätsstrategie ist kein Papiertiger, sondern sie ist da, sie wird umgesetzt."
Das Unternehmen habe derzeit eine Projektpipeline von drei Gigawatt und möchte in den kommenden Jahren insgesamt 800 Millionen Euro investieren – unter anderem in Großbatterien, Solarparks, Ladeinfrastruktur und digitale Steuerungssysteme.
Im Herbst startet das Hamburger Unternehmen mit dem Bau der ersten eigenen Großbatterie (102 Megawatt Leistung, vier Stunden Ladetiefe) in einem Joint-Venture mit Projektentwickler Energisto. "Künftig wollen wir mehr und mehr Co-Location-Projekte bauen", so Wallraff. Zudem will Lichtblick nächstes Jahr vier neue Solarparks mit insgesamt 100 Megawatt Leistung in Betrieb nehmen.
Ein weiteres Wachstumsfeld für die Hamburger sind Power Purchase Agreements (PPAs). "Mit diesen Corporate PPAs können wir unsere Projekte finanzieren", so Wallraf. Das führe dazu, dass mehr Erneuerbaren-Anlagen gebaut werden. "PPAs sind genau das, was wir wollen: freier Markt, günstige Standortsicherung, Langfristigkeit und eine Entkopplung von hochvolatilen Situationen, wie wir sie gerade im Markt sehen."
Dieses Jahr starteten die Hamburger zudem den Betrieb von eigenen Ladesäulen. Die E-Mobilitätstochter soll dieses Jahr über 200 Schnellladepunkte an öffentlichen Standorten in Norddeutschland errichten. Mit dem Durchleitungsmodell und einer hohen Auslastung hofft man auf den Erfolg.
Lichtblick bescheinigt sich solides Geschäftsjahr
Im abgelaufenen Geschäftsjahr 2024/25 erzielte Lichtblick ein EBITDA von 67,8 Millionen Euro (2023/24: 117,3 Millionen Euro). "Wir blicken auf ein solides Geschäftsjahr und investieren weiter in neue Geschäftsbereiche zur Diversifizierung der Wertschöpfung", resümiert Tanja Schumann, CFO bei Lichtblick.
Der Energieabsatz lag demnach im vergangenen Jahr bei 6,4 Terawattstunden, die Anzahl an Verträgen ist mit rund einer Million stabil. Bei den immer wieder betonten dynamischen Tarifen liegt das Unternehmen nach eigenen Angaben allerdings noch bei einer dreistelligen Kundenzahl.
Bis 2035 wollen die Hamburger klimaneutral sein – mit Fokus auf Grünstrom und Biogas. In drei bis fünf Jahren will Lichtblick hierfür aus dem aktiven Erdgasvertrieb aussteigen.



