Herr Pehlke, die Dortmunder Stadtwerke AG ist mit rund 24,5 Millionen Mio. RWE-Aktien größter kommunaler Einzelaktionär des Essener Energiekonzerns. Vor einigen Wochen haben Sie angekündigt, dass Sie die Beteiligung weiter aufstocken möchten. Um wie viele Aktien geht es insgesamt und bis wann sollen die erworben werden?
Unser Aufsichtsrat hat Ende 2019 einen Vorratsbeschluss gefasst und dem Vorstand damit freie Hand gegeben, innerhalb eines Zeitraums von fünf Jahren bis zu 1,3 Millionen weitere RWE-Aktien zu erwerben. Auf dieser Basis haben wir unsere Beteiligung in den zurückliegenden Monaten bereits von 23,6 auf rund 24,5 Mio. Aktien aufgestockt. Wir haben den Markt im Blick und können jederzeit eine weitere Tranche erwerben.
Früher galten die Papiere der großen Energiekonzerne als mündelsichere Witwen- und Waisenpapiere, aber so risikolos ist das ja auch nicht mehr. Allein wenn man sich anschaut, wo Eon und RWE 2007 waren und wo sie heute sind.
Das ist ganz einfach. Das hängt mit unserem Geschäftsmodell zusammen. Anfang der 1980er Jahre hat der Rat der Stadt Dortmund sechs Millionen VEW-Aktien in die Stadtwerke eingebracht. Als Gegenleistung fangen wir seither die Verkehrsverluste auf und entlasten den städtischen Haushalt allein dadurch um mehr als 50 Millionen Euro pro Jahr. Schon meine Vorgänger haben immer wieder aus den Dividenden weitere Aktien gekauft. Diese Strategie halte ich für richtig und habe sie daher fortgesetzt.
Da wird es aber bestimmt Auflagen geben, in welchen Branchen Sie konkret das Geld anlegen dürfen?
Wir dürfen nur im Energiesektor investieren. Auf diese Weise haben wir auch unsere Beteiligung an Gelsenwasser erworben. Es geht uns primär darum, im ausreichenden Umfang Beteiligungen an Energieunternehmen zu haben, um die Kosten für den immer wichtiger, aber auch teurer werdenden ÖPNV abzudecken. Wir haben die Verluste immer innerhalb des Stadtwerkekonzerns ausgleichen können.
Und was ist jetzt die strategische Überlegung hinter der Aufstockung des RWE-Engagements?
Das Ziel ist ganz klar die Stärkung der Ertragskraft unseres Beteiligungsportfolios und damit auch unseres Geschäftsmodells, um auch künftig die Kompensation der Verkehrsverluste sicherstellen zu können. Wir glauben, dass RWE aufgrund der konsequenten Ausrichtung auf erneuerbare Energien und auch durch den Deal mit Eon ein hohes Wachstumspotenzial hat. Die RWE-Zahlen entwickeln sich sehr stabil.
Können Sie das ein bisschen weiter ausführen?
Ich sitze seit 2001 im Aufsichtsrat und der Gesellschafterversammlung von RWE. Zum ersten Mal in dieser langen Zeit haben wir jetzt verlässliche Prognosen des RWE-Vorstands, was die Dividende angeht. Das hat es früher nie gegeben. Da hat man sich nie festgelegt. Zudem hat sich die Aktie sehr stabil entwickelt. Der Tiefstand war bei 13 Euro, jetzt sind wir bei 34 Euro. Eon hingegen hat sich in der jüngeren Vergangenheit nicht ganz so gut entwickelt, die Aktie liegt aktuell unter zehn Euro. Es gibt keine großen Ausschläge, aber auch keine dynamische Entwicklung.
Wenn Sie die Lage so einschätzen, warum haben Sie dann Anfang vergangenen Jahres rund 103.000 Eon-Aktien erworben für den Gegenwert von damals rund eine Mio. Euro für die DSW21?
Weil wir grundsätzlich – und die Analysten bestärken uns in dieser Einschätzung – auch für Eon eine gute Entwicklungsperspektive sehen.
Einige Städte, etwa Bochum, oder auch Landschaftsverbände, haben sich in den letzten Jahren von ihren Aktienpaketen getrennt. Im vergangenen Jahr hat mit den Stadtwerken Krefeld nun erstmals wieder ein kommunaler-Player RWE-Papiere gekauft. Wie hat sich der Anteil kommunaler Aktionäre an RWE in den vergangenen Jahren entwickelt?
In Summe sind wir geschrumpft. Viele Kommunalaufsichten haben Städte und Gemeinden im Rahmen der Haushaltsgenehmigungsverfahren genötigt, Aktien zu verkaufen. Da sind zum Teil Kommunen gezwungen worden, Vermögenswerte zu veräußern – und standen anschließend schlechter da. So lange ich eine höhere Dividende erziele als den Zins für Fremdkapital bleibe ich doch bei den Aktien.
Glauben Sie, dass künftig weitere Kommunalversorger, wie jüngst die Stadtwerke Krefeld, RWE-Aktien erwerben könnten?
Ich kann mir das vorstellen. Zumal ich guter Dinge bin, dass auch bei Eon etwas passieren wird, nachdem die Neuordnung abgeschlossen ist und die Fronten geklärt sind. Das Unternehmen wird seine eigene Story schreiben und einen positiven Spin hineinbekommen. Und wenn das nachhaltig gelingt, werden auch wieder mehr Kommunen in Eon-Papiere investieren.
(Die Fragen stellten Klaus Hinkel und Hans-Peter Hoeren)
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Was Guntram Pehlke über die Zukunft des Brennstoffes Gas denkt und wie er die neu eingeführte CO2-Bepreisung einstuft, lesen Sie im zweiten Teil des Interviews. Dieses erscheint am morgigen Dienstag im Morning Briefing. Wie Guntram Pehlke die Auswirkungen des Eon-/RWE-Deals auf die Kommunalwirtschaft beurteilt und warum für ihn die jüngsten Beschlüsse zum Kohleausstieg eine "politische Meisterleistung im negativen Sinn" sind, lesen Sie in der Januar-Ausgabe der ZfK. Diese erscheint am kommenden Freitag (15. Januar). Zum Abo geht es hier.
