Bedburg, Bergheim und Elsdorf haben Deutschlands erstes interkommunales und digitales Gemeinschaftsstadtwerk aus der Taufe gehoben, wie die drei Städte in einer gemeinsamen Pressemitteilung bekanntgeben.
Mit der neuen Stadtwerke Erft GmbH wolle man ambitionierte Klimaschutzziele gemeinsam lokal umsetzen. „Die neuen Stadtwerke Erft sind Treiber der lokalen Energiewende und Versorger für rund 110.000 Bürgerinnen und Bürger in den drei Städten“, sagt Bergheims Bürgermeister Volker Mießeler. Andreas Heller, Bürgermeister der Stadt Elsdorf, betont, dass man mit dem Schulterschluss ein wichtiges Signal setze. Damit schaffe man gemeinsam die Basis für eine zukunftsweisende Versorgung. Sascha Solbach, Bürgermeister in Bedburg, wiederum führt aus, dass die Kommunen mit dem gemeinsamen Stadtwerk digitale Versorgungsziele kommunal und gemeinsam vor Ort umsetzen.
Ein innovatives Stadtwerk mit regionaler Ausrichtung
„Wir setzen auf regionale Wertschöpfung und sichere Versorgung in der Region“, macht Matthias Betsch, Geschäftsführer der Stadtwerke Bergheim, in der Mitteilung deutlich. Mit den neuen Stadtwerken, an denen die Kreisstadt Bergheim knapp unter 50 % und Bedburg und Elsdorf jeweils einen knapp über 25-prozentigen Anteil halten werden, sollen auch Arbeitsplätze gesichert werden. „Mit unserem einzigartigen Modell berücksichtigen wir energiesensible Industrie- und Gewerbeansiedlungen. Deren Anforderungen mit der Energiewende zu vereinen, ist ein weiteres wichtiges Element der neuen Stadtwerke Erft“, erläutert Betsch.
Die Stadtwerke Erft haben sich vorgenommen effektiv und effizient zu sein. Möglich machen sollen es digitale Lösungen. In der Startphase kooperiert das Unternehmen mit der SME Management GmbH, die auch Betreiber des Quirinus Forums in Elsdorf-Heppendorf ist. Wie der Mitteilung weiter zu entnehmen ist, sind alle drei beteiligten Städte überzeugt, dass die Energiezeugung der nahen Zukunft immer dezentraler werden und sich vom bisherigen Modell großer, zentraler Kraftwerke grundlegend unterscheiden wird.
Kooperation mit Westenergie
Bei der Neugründung kooperieren die Kommunen auch mit Westenergie. Laut der Mitteilung soll das Unternehmen seinen regionsspezifischen, technischen Datenpool sowie seine Expertise für das vorhandene Netzwerk in den Sparten Strom, Gas und Wasser einbringen.
„Die schwankenden Leistungen lokaler Einspeiser – beispielsweise Windparks oder Solarkraftwerke – stabil ins Stromnetz zu bringen, das ist eine wichtige Zukunftsaufgabe. Nur so können wir Versorgungssicherheit auch in einem neuen Umfeld ohne große Kraftwerke realisieren“, erläutert Bergheims Bürgermeister Mießeler.
Sitz in Bergheim
Nach erfolgreicher Gründung der Stadtwerke Erft GmbH soll nun eine Anlaufphase folgen. Während dieser Zeit werden die Stadtwerke Bergheim und SME federführend das künftige Unternehmen Stadtwerke Erft GmbH verwirklichen. Sitz der Gesellschaft und Arbeitsstelle für die künftigen Mitarbeiter wird die Kreisstadt Bergheim. „Mittelfristig wollen wir uns im interkommunalen Kompetenzareal INKA ansiedeln. So setzen wir die in den neuen Stadtwerken Erft gebündelten, interkommunalen Ansätze vor Ort um“, ist Matthias Betsch sicher.
„Neben Strom- und Gasvertrieb sollen digitale Energiedienstleistungen im Fokus stehen. Damit werden innovative Lösungen angeboten und die andernorts nur beabsichtigte Digitalisierung konsequent umgesetzt“, beschreibt Bedburgs Bürgermeister Solbach die Ausrichtung des neuen Unternehmens.
Einfluss auf die Wasser-Infrastruktur
Während die bisherigen kommunalen Projekte wie beispielsweise der Windpark Paffendorf und der Solarpark Zieverich in den jeweiligen Kommunen bleiben, gibt es auch bei der Wasserversorgung eine Neuerung. Die Stadtwerke Erft werden sich laut Betsch an der zukünftigen „Wassernetzgesellschaft Nordkreis“ in Kooperation mit der Westenergie beteiligen. „Dann können alle drei Kommunen erstmals über die Wirtschaftspläne der Gesellschaft Einfluss auf die Entwicklung der Wasserversorgungsinfrastrukturen nehmen.“
Ziel sei ein nachhaltiges, stabiles Stadtwerk zum Wohle der Bürgerinnen und Bürger, so Bürgermeister Mießeler. „Wir sind offen für die Beteiligung weiterer Kommunen.“
Für die Kommunen eine rentierliche Investition
Alle drei Kommunen sind überzeugt, dass sich die Investitionen in die gemeinsamen Stadtwerke rechnen werden. Die Geschäftsprognosen weisen Rückflüsse aus den Stadtwerken Erft an die Kommunen aus, die die Kapitaldienstkosten deutlich übersteigen werden, heißt es dazu in der Mitteilung. Eine Belastung der Steuerzahler aus dieser Geschäftsgründung sei nicht zu erwarten. Mittel- und langfristig rechnen die Kommunen sogar mit Überschüssen aus den neuen Geschäftsfeldern, die zu einer Stabilisierung der kommunalen Haushalte beitragen werden. (amo)



