Holger Armbrüster ist seit 1. Oktober 2018 dritter Geschäftsführer der Stadtwerke Marburg.

Holger Armbrüster ist seit 1. Oktober 2018 dritter Geschäftsführer der Stadtwerke Marburg.

Bild: © Sarah Möller (Archiv)

Mehr Fahrgäste im öffentlichen Nahverkehr, mehr Stromkunden und alles in allem deutlich mehr Gewinn: Mitten in der Corona-Pandemie wartete Holger Armbrüster, Geschäftsführer der Stadtwerke Marburg, jüngst mit einer bemerkenswerten Bilanz auf.

Nur stammen die Zahlen nicht aus dem gerade zu Ende gegangenen Jahr 2020, sondern von 2019. Also aus der Zeit, als das neuartige Coronavirus noch nicht die Welt in ihre wohl tiefste Krise seit dem Zweiten Weltkrieg gestürzt hatte.

Umsatzerlöse von 143 Mio. Euro

Die 1,2 Millionen Euro Überschuss, die die Stadtwerke damals erzielten, dürften jetzt vor allem eines sein: ein willkommenes Polster in einer Krise, die auch dem hessischen Kommunalversorger zu schaffen macht.

Doch zuerst zum Geschäftsjahr 2019: Da erzielten die Stadtwerke Umsatzerlöse von 143 Millionen Euro. Das waren fast elf Millionen Euro mehr als im Vorjahr.

Einbußen in Stromsparte

Zudem verbesserten sie ihr Ergebnis vor Steuern deutlich, auf etwa 2,3 Millionen Euro (Vorjahr: 1,1 Millionen Euro). Der Jahresüberschuss lag wie erwähnt bei 1,2 Millionen Euro (Vorjahr: 0,7 Millionen Euro).

Einbußen verzeichnete der Unternehmensverbund in der Stromsparte. Statt wie im Vorjahr 256 Millionen Kilowattstunden (kWh) setzte er nur noch 190 Millionen kWh ab. Das habe vor allem an dem Verlust eines Großkunden gelegen, heißt es. Denn gleichzeitig hätten die Stadtwerke mehr als 1000 Kunden hinzugewonnen. Insgesamt versorgte das Unternehmen nach eigenen Angaben knapp 60.000 Kunden mit Strom.

Mehr Fahrgäste im ÖPNV

Ein umgekehrtes Bild in der Gassparte. Dort sank die Zahl der Vertriebs- und Netzkunden leicht auf knapp 16.600. Gleichzeitig stieg der Absatz deutlich auf 801 Millionen —"aufgrund von Großkundengewinnen", wie das Unternehmen mitteilt.

Aufwärts ging es auch im Verkehrsbetrieb. 2019 zählten die Stadtwerke 18,7 Millionen Fahrgäste (Vorjahr: 18,5 Millionen). Die Busflotte umfasste etwa 80 Fahrzeuge, 55 Prozent davon mit Erdgasantrieb.

Verlustbringer ÖPNV

Allerdings reichte dies bereits 2019 bei weitem nicht, um die Verkehrssparte in die Gewinnzone zu führen. Und zu erwarten ist, dass das Corona-Jahr 2020 die Lücke noch deutlich vergrößern dürfte. Die Fahrgastzahl sei um etwa 40 Prozent eingebrochen, zitiert die "Oberhessische Presse" Geschäftsführer Armbrüster. Alleine im Nahverkehr gehe man von einem Ergebnisverlust von mehr als einer Million Euro aus.

Der Nahverkehr könnte das Stadtwerkeergebnis 2020 mit einem höheren Verlust belasten, heißt es im Geschäftsbericht. Und: "Die Finanzierbarkeitdes ÖPNV wird unsere Stadtwerke vor große Herausforderungen stellen." (ab)

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