Bernd Reichelt, Geschäftsführer der Stadtwerke Menden.

Bernd Reichelt, Geschäftsführer der Stadtwerke Menden.

Bild: © Stadtwerke Menden/Xenia Kehnen

Mit ihrem Plan für den Bau einer 60 Kilometer langen Teststrecke für autonomes Fahren im ländlich geprägten Südwestfalen haben die Stadtwerke Arnsberg und Menden medial und bei der Politik durchaus für Aufsehen gesorgt. Die positive Resonanz nicht zuletzt der Landesregierung in Düsseldorf  zeige, dass die Politik die Bedeutung einer gut ausgebauten Infrastruktur für den ländlichen Raum stärker „auf dem Schirm“ habe als früher, so Stadtwerke-Menden-Geschäftsführer Bernd Reichelt im Gespräch mit der ZfK. „Die Politik hat die Entwicklung des ländlichen Raums jetzt offenbar verstärkt im Fokus. Wir haben auf Bundesebene einen Heimatminister und auch die NRW-Landesregierung nimmt das stärker in den Blick: Die lokale Verankerung wird positiv gesehen, denn in einer globalen, komplexen Welt brauchen die Menschen eine Verwurzelung.“

Stadtwerke in der Fläche müssten als „lokaler Kümmerer“ daran arbeiten, wichtige Trends durch das Verknüpfen mit den Ressourcen vor Ort umzusetzen. „Was uns antreibt ist das grundsätzliche Verständnis, dass auch im ländlichen Raum Zukunftsthemen wie autonomes Fahren vorangebracht werden müssen.“ Es gelte, das weitere Auseinanderdriften zwischen den urbanen Wachstumszentren und dem ländlichen Raum zu verhindern. „Sie werden mit ihrer Familie nicht ins Sauerland umziehen, wenn elementare Rahmenbedingungen und eine gute Infrastruktur nicht vorhanden sind. Und dazu gehört der Breitband-Ausbau genauso wie eine Mobilitäts-Infrastruktur“, sagte Reichelt.

Südwestfalen verliert tendenziell Menschen

„Auch wir in Menden sind von einem Rückgang der Bevölkerung betroffen. Dagegen wachsen die bekannten Ballungszentren wie Dortmund oder Gelsenkirchen. Südwestfalen jedoch verliert tendenziell Menschen“, betonte der Stadtwerke-Chef. Die Region benötige jedoch Menschen mit qualifizierter, guter Ausbildung, da viele erfolgreiche Unternehmen dort ansässig seien. „Die Region Südwestfalen gehört zu den drei stärksten Industrieregionen Deutschlands und ist NRW-Industrieregion Nummer 1. Mehr als 150 Weltmarktführer sind hier beheimatet.“

Die Teststrecke soll zwischen den Städten Soest und Iserlohn entstehen und unterschiedlich ausgebaute Landstraßen, Autobahnabschnitte und Innenstadtbereiche sinnvoll kombinieren und verknüpfen. „Schon viele andere Player in der Region beschäftigen sich mit dem Thema autonomes Fahren. Wir brauchen eigentlich nur eine starke Bündelung. Das tut Südwestfalen, aber auch uns als Stadtwerk gut, weil wir natürlich damit viel Know-how rund um das Thema Mobilität entwickeln“, erklärte Reichelt. In der Region Südwestfalen gibt es mehr als 43 000 Arbeitsplätze allein im Bereich der Automotive-Zulieferer.

Projekt Blaupause für künftige Themenfelder

Derzeit konzentriere sich das Projektmanagement sehr stark auf den Ausbau des Netzwerks, das Zusammenführen von Informationen und Unternehmen. „Das ist nicht zu unterschätzen. Für das Vernetzen der Kompetenzen und für das Definieren der Projekte werden wir noch dieses Jahr benötigen, vermutlich auch noch das erste Halbjahr 2019“, so der Stadtwerke-Manager. Ziel sei es, bis 2019/2020 zumindest einen Teil der Teststrecke als solche ausweisen zu können. „Bis dahin wollen wir auch einen Partner gewonnen haben, der mit einem Pilot-Auto die Teststrecke befährt und Erfahrungen mit dieser Technologie sammelt. Der Zeitplan ist sehr sportlich, weil die entsprechenden Genehmigungen – vom NRW-Verkehrsministerium bis zur Bezirksregierung - sehr aufwändig sind. “

In der Herangehensweise bei dem gemeinsamen Projekt mit den Stadtwerken Arnsberg sieht Reichelt auch eine Blaupause für andere künftige Themenfelder. „In dem Projekt haben wir es mit Unternehmen zu tun, die anders agieren, als wir es in der Stadtwerke-Kultur gewohnt sind. Sie haben einen ganz anderen Fokus. Das sehen wir nicht nur beim Thema Mobilität, sondern noch stärker bei der Digitalisierung. Wir müssen uns als Stadtwerke verstärkt auf die Zusammenarbeit mit diesen Playern aus anderen Branchen einstellen und uns mit ihnen auseinandersetzen. Dazu gehört auch das Verständnis, dass wir verstärk auf Kooperationen innerhalb und außerhalb der Energiebranche setzen müssen.“ (hil)

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