"Wir bieten mit der Unternehmensbeteiligung eine Kapitalanlage für alle Bürger deutschlandweit", erläutert Hans-Peter Scheerer, Geschäftsführer Stadtwerke Rüsselsheim (SWR), auf einer Pressekonferenz am Dienstag. Die Bürger beteiligen sich dabei in Form von Genussrechten. Jörg Gründinger, Kaufmännischer Leiter der SWR, geht dabei ins Detail: "Der Kapitalgeber stellt Geld zur Verfügung und erhält dafür eine Verzinsung. Es ist eine Beteiligung, aber ohne Stimmrecht."
Die Bürger kaufen sich ein und erhalten einen Anteil am Unternehmenserfolg. Bleibt dieser jedoch aus, bleibt auch die Verzinsung aus. "Das Risiko ist aber sehr gering, weil wir unter anderem unsere Investitionen durch mehrere Projekte streuen und ein gesichertes Geschäftsmodell vorweisen können", ergänzt der Geschäftsführer.
Die Genussrechte können…
Es existieren zwei Produkte in diesem Kontext: „MainInvestPremium“ mit einer Verzinsung von 2,5 Prozent auf die Beteiligung. Diese kommt Kunden der SWR zugute. Das andere ist „MainInvest“ mit einer Verzinsung von zwei Prozent. Wer Kunde wird, aber bereits an dem Unternehmen beteiligt ist, hat dann ebenso auf den höheren Zinssatz Anspruch.
Die Genussrechte können zum Jahresende übertragen, aber nicht zurück an die Stadtwerke gegeben werden. Über sieben Jahre ist die Laufzeit und die die Verzinsung. Ab 1000 Euro kann sich eingekauft werden. Das Limit liegt bei 199.999 Euro pro Anleger, wobei Ehepaare separat investieren können. "Wir richten uns damit nicht an Investoren, sondern an normale Menschen und kleinere Unternehmen. Deshalb gehen wir davon aus, dass höhere Summen die Ausnahme bilden werden", erläutert der Geschäftsführer.
"...keine böse Überraschung"
Die Stadtwerke machen diese Art der Beteiligung aus verschiedenen Gründen: "Erstens wollen wir unsere Bestandsnetze Gas, Strom, Wasser und Straßenbeleuchtung stärker modernisieren als wir es bisher in der Vergangenheit getan haben. Wir wollen die Investitionen hochfahren", betont Scheerer. Rüsselsheim ist seit 2011 eine wachsende Stadt: von knapp 58.700 Einwohner auf rund 65.700 Einwohner zum aktuellen Zeitpunkt; dem muss die Infrastruktur gerecht werden.
"Wir haben einen erhöhten Kapitalbedarf, dem wir auf diesem Weg ein Stück weit mit decken wollen. Man könnte eine Bank nutzen, das wollen wir aber nicht", fährt Scheerer fort. Denn: "Mit dieser Variante können wir die Kundenbindung stärken beziehungsweise auch neue Kunden gewinnen." Mit dem Geld wird die unterirdische Infrastruktur schneller und intensiver modernisiert.
"Die Netze sollen auch für die nachfolgenden Generationen fit sein", zeigt der Geschäftsführer den Gedanken dahinter auf. Man müsse frühzeitig Geld in die Hand nehmen, "damit am Ende der infrastrukturellen Lebensdauer keine bösen Überraschungen warten".
Eine Million Euro, aber...
Das Ziel: eine Million Euro einzuwerben. Wenn es deutlich mehr würde, prüfen die Stadtwerke, ob es sinnvoll für die Modernisierung eingesetzt werden könnte. Notfalls werde die Beteiligungsoption frühzeitig geschlossen. Außerdem ergänzt er: "Wir brauchen nicht viel mehr Geld, als wir auch verbauen können. Utopisch hohe Zahlen hören sich gut an, bringen uns aber nicht weiter. Denn es hängt auch viel von den eigenen Kapazitäten und Baukapazitäten ab, damit alles sinnvoll abgewickelt wird." Die SWR wollen zukünftig jedes Jahr ungefähr 7,5 Mio. Euro investieren.
Die Bürger können online auf der Homepage ihr Interesse durch ein Formular bekunden. Danach erhalten sie Unterlagen zugeschickt. Dabei ist unter anderem ein Beteiligungsprospekt, der rund 110 Seiten umfasst und einen Überblick über die Stadtwerke vermittelt. Darin werden ein Zehnjahresplan, eine Gewinn-/Verlust-Rechnung sowie die Unternehmensbilanz präsentiert. Auch erhalten die Interessenten einen sogenannten Zeichungsschein. Wenn der zurückgeschickt wird, werden die Bürger aufgenommen und müssen das Geld überweisen. (gun)
