Der Rechtsstreit um die Konzessionsvergaben für das Auricher Strom- und Gasnetz (Symbolbild) reicht bis ins Jahr 2011 zurück. Zwei Mal hatte die Stadt ihren Stadtwerken den Zuschlag erteilt, zwei Mal behielt letztlich Altkonzessionär EWE vor Gericht die Oberhand.

Der Rechtsstreit um die Konzessionsvergaben für das Auricher Strom- und Gasnetz (Symbolbild) reicht bis ins Jahr 2011 zurück. Zwei Mal hatte die Stadt ihren Stadtwerken den Zuschlag erteilt, zwei Mal behielt letztlich Altkonzessionär EWE vor Gericht die Oberhand.

Bild: © PixMedia - stock.adobe.com

Als im vergangenen September die Lokalpresse über eine erste Annäherung im jahrelangen Konzessionsstreit in Aurich berichtete, wollte es offiziell noch keine der Parteien bestätigen. Am kommenden Freitag verhandeln nun zum wiederholten Male Vertreter der Stadtwerke Aurich, ihres Miinderheitsgesellschafters Enercon und des Energiekonzerns EWE über die Gründung einer gemeinsamen Netzgesellschaft. "Die Arbeitsgespräche laufen auf einer guten und konstruktiven Ebene, aber sie sind ergebnisoffen", kommentiert ein Sprecher der Stadtwerke auf ZfK-Anfrage einen entsprechenden Artikel aus der "Ostfriesenzeitung". Auch ein Sprecher von EWE Netz bestätigt, dass "Sondierungsgespräche geführt werden".

Dass es am Freitag bereits zu einer finalen Entscheidung kommt, ist aber offenbar wenig realistisch. "Wir wollen am Freitag einen Schritt nach vorne machen", sagte Ulrich Kötting, der Aufsichtsratsvorsitzende der Stadtwerke. Es sei wichtig, dass die Netzvergabe künftig gemeinschaftlich und nicht strittig über die Bühne gehe. EWE ist seit Anfag der 1960er Jahre Netzbetreiber in Aurich. Sollte man sich auf eine gemeinsame Netzgesellschaft einigen, würde der Oldenburger Energieversorger wohl die Mehrheit an der neuen Gesellschaft halten.

Stadt hat Berufung zurückgezogen

Dass die drei Parteien seit einiger Zeit aktiv Möglichkeiten ausloten, um den jahrelangen Konflikt zu beenden, ist indes ein großer Fortschritt. 2011 und 2017 hatten die Stadtwerke, die zum Zweck der Netzübernahme gegründet worden waren, von der Stadt den Zuschlag für die Strom- und Gasnetzkonzession erhalten. 2014 hatte die Stadt das Verfahren wegen formaler Fehler neu aufgerollt. Im Dezember 2017 hatte dann das Landgericht Hannover einer einstweiligen Verfügung von EWE Netz gegen die Vergabeentscheidung im zweiten Konzessionsverfahren stattgegeben. Die Stadt Aurich hat hier mittlerweile ihre Berufung zurückgezogen. EWE Netz führt seit 2012 den Netzbetrieb kommissarisch weiter. Die Stadtwerke haben sich wegen der unklaren Rechtssituation im Netzbereich auf den Aufbau des Vertriebs konzentriert. Der Einstieg erfolgte 2017, das Unternehmen hat aktuell rund 2500 Kunden.

Delmenhorst als Blaupause?

Die Annäherung in Aurich dürfte auch mit der Neuformierung des EWE-Vorstands vor rund einem Jahr und einer anderen strategischen Ausrichtung zusammenhängen. Seitdem sucht der Konzern vermehrt das Gespräch mit den Kommunen und sondiert vor Ort nach Lösungen. Blaupause für Aurich könnte die Beilegung des langjährigen Konzessionsstreits in Delmenhorst im vergangenen Jahr sein – dort wurde eine gemeinsame Stromnetzgesellschaft gegründet. An dieser hält EWE Netz 50,05 Prozent, die Stadt Delmenhorst 49,95 Prozent. (hoe)

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