Bild: © Paul Langrock/SWM

Auch die Stadtwerke München rechnen aufgrund der Corona-Pandemie mit spürbaren negativen Auswirkungen auf die eigenen Finanzkennzahlen im laufenden Jahr. Gravierende Einschränkungen in der Wirtschaft würden sich auch in ihrer Geschäftstätigkeit abbilden, heißt es in der Pressemitteilung zur Vorstellung der Jahresbilanz für das Geschäftsjahr 2019. Allein der Stromabsatz der Gewerbekunden ist bislang um 20 Prozent zurückgegangen, teilte das Unternehmen auf ZfK-Nachfrage mit. Im ÖPNV rechne man im laufenden Monat April mit einem Erlösausfall im zweistelligen Millionenbereich, übers gesamte Jahr mit einem dreistelligen Millionenbetrag.

Kurzarbeit im Bäderbereich nicht ausgeschlossen

Die Fahrgast-Nachfrage sei derzeit um 70 bis 80 Prozent niedriger als in normalen Zeiten. Kurzarbeit sei im Ressort Mobilität aber derzeit kein Thema, die Münchner Verkehrsgesellschaft fahre nahezu das volle Fahrplanprogramm. Im Bäderbereich hingegen sei Kurzarbeit nicht ausgeschlossen. Die Bäder seien komplett geschlossen, das bedeute bislang gut eine Million Euro an Einnahmeverlusten. Das Unternehmen betonte weiter, es stelle sich darauf ein, dass die Bewältigung der Corona-Krise für die Wirtschaft und damit auch für die SWM eine Zeitlang dauern werde,

Massiver Umsatzsprung 2019

Das Geschäftsjahr 2019 war von einem massiven Umsatzsprung auf der einen Seite und einem deutlichen Ergebnisrückgang auf der anderen Seite gekennzeichnet. Der Umsatz des Stadtwerke-München-Konzerns kletterte dabei auf 10,7 Mrd. Euro (2018: 8,3 Mrd. Euro). Erklärt wird die massive Steigerung vor allem mit Umsatzzuwächsen bei Strom und Erdgas. Beim Erdgas fand das Wachstum vor allem bei der vollkonsolidierten Tochtergesellschaft Bayerngas statt. Aufsichtsrat und Gesellschafter müssen dem Abschluss der SWM noch zustimmen.

Deutlicher Ergebnisrückgang

Das operative Ergebnis aus dem laufenden Geschäft (EBIT) sank hingegen auf 459 Millionen Euro (2018: 523 Millionen Euro). Die SWM sprechen aber von einem befriedigenden Niveau. Die erneuerbaren Energien – hier insbesondere die Offshore-Windparks– haben laut Pressemitteilung auch 2019 positive Ergebnisbeiträge geliefert, diese beliefen sich auf insgesamt 154 Mio. Euro. Das angestammte Geschäft war hingegen rückläufig.

Personalbestand wurde ausgebaut

Wachstum verzeichnete das Unternehmen unter anderem bei der Anzahl der Strom- und Erdgaskunden, beim Absatz von Erdgas und Fernwärme und bei den Handelsumsätzen. Aber auch der Aufwand für Instandhaltungsmaßnahmen und Personal erhöhte sich deutlich. Um die Bedarfe der wachsenden Großstadt München entsprechend abdecken zu können, wurden viele neue Mitarbeiter eingestellt. Vor allem im ÖPNV-Fahrdienst, in der IT und in Ingenieursbereichen. Die Zahl der Mitarbeiter stieg von 9669 im Jahr 2018 auf 10.166 im Jahr 2019. Diese zusätzlichen Aufwendungen führten dazu, dass das um Sondereffekte bereinigte operative Ergebnis unter dem des Vorjahres liegt.

In der Folge entwickelte sich auch das Konzernergebnis nach Steuern (Gewinn) rückläufig und beträgt 116 Millionen Euro (2018: 225 Mio. Euro). An den Alleingesellschafter, die Stadt München, werden wie vertraglich vereinbart 100 Mio. Euro ausgeschüttet. Nimmt man Gewerbesteuer und Konzessionsabgaben hinzu fließen 257 Mio. Euro von den SWM in den Haushalt der Landeshauptstadt.

Sehr hohes Investitionsniveau

Hinzukommt auch im abgelaufenen Jahr erneut ein sehr hohes Investitionsniveau von 913 Mio. Euro (Vorjahr: 787 Mio. Euro). Die Investitionen der SWM im laufenden Jahr werden laut Unternehmensangaben nicht aktiv zurückgefahren. "Auswirkungen aus vorgelagerten Stufen, beispielsweise wegen Liefer-/Personalengpässen bei Lieferanten sind jedoch nicht ausgeschlossen", heißt es auf Nachfrage.

Modernisierung der Fahrzeugflotte

Im laufenden Jahr stünden hohe Investitionen im Bereich Mobilität an, unter anderem in den Ausbau und die Modernisierung der Infrastruktur und der Fahrzeugflotte. Im Rahmen der Ausbauoffensive erneuerbarer Energien setzen die SWM zudem neue Projekte im Strom- und Wärmebereich um, insbesondere in der Region München. Hier betreiben sie unter anderem bereits 32 Photovoltaik-Anlagen, weitere sind in Planung. Im Wärmebereich gehen beispielsweise die Arbeiten an der Geothermieanlage am Standort Heizkraftwerk Süd weiter. Die Bohrungen und die Pumpversuche sind bereits abgeschlossen. Laut Wirtschaftsplan wollen die SWM bis 2023 rund sechs Milliarden Euro in Zukunftsprojekte investieren. (hoe)

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