Mit 4,82 Millionen Euro steigerten die Technischen Werke Schussental (TWS) 2019 seinen Gewinn, nach mehreren schwierigen Jahren, um 1,5 Millionen Euro verglichen zum Vorjahr. "Dieses Ergebnis macht uns stolz. Und es belegt, dass unsere Strategie aufgeht, die TWS zu einem Energie- und Dienstleistungsunternehmen weiterzuentwickeln", erklärt Geschäftsführer Andreas Thiel-Böhm. 2010 übernahm das Unternehmen ein Stromnetz, wodurch es kurz danach relativ große Probleme in der Periode der Anreizregulierung bekam. Nun ist das Netzgeschäft auf einen erträglichen Niveau, was sich bis zu den Konzernzahlen durchzieht.
Vom Jahresüberschuss gehen 3,6 Millionen Euro (Vorjahr: 2,5 Mio. Euro) an die Anteilseigner der TWS, die Städte Ravensburg und Weingarten sowie die EnBW. Rund 1,2 Millionen Euro (Vorjahr: 0,8 Mio. Euro) gehen in die eigenen Rücklagen. Der Umsatz des TWS-Konzerns lag 2019 mit 152,2 Millionen Euro 17 Prozent über dem Vorjahr mit 129,9 Millionen Euro. Auch die Genussrechte in Höhe von 31 Millionen Euro tragen zu einer soliden Unternehmensfinanzierung bei. Die Eigenkapitalquote lag im abgeschlossenen Geschäftsjahr bei rund 44 Prozent. D
Corona-Auswirkungen bei den TWS
Das Pandemiegeschehen wird wirtschaftliche Auswirkungen haben, für Prognosen ist es allerdings noch zu früh, teilt die TWS mit. Positiv ist, dass obwohl die Stadtwerke damit rechneten, teilweise Zeitarbeit einführen zu müssen, es bisher nicht notwendig sei, erläuterten die TWS auf ZfK-Nachfrage. Dafür wiederum mache sich Leistungsverweigerungsrechts bemerkbar.
Die Zahlungsaufschübe würden zunehmen. Bei den Industriekunden sinke je nach Branche die Stromabnahme bis zu 30 Prozent bspw. bei KfZ-Zulieferen. Auch müsse der Strom teilweise zu ungünstigen Konditionen zurück an die Börse verkauft werden, dies sei jedoch bei nur wenigen Kunden der Fall. Ein Glücksfall für das regionale Unternehmen mit Sitz in Ravensburg ist, dass ihr größter Kunde im medizinischen Bereich agiert und dementsprechend eine Hochphase erlebt.
Erneuerbarer Strom rentiert sich
Rund 1.372.177 Megawattstunden Energie hat die TWS 2019 in Form von Ökostrom, Gasprodukten und Wärmelieferungen verkauft (Vorjahr: 1.088.136 MWh). Die Steigerung ist vor allem auf gewonnene Ausschreibungen für Gaslieferungen zurückzuführen. In geringem Umfang trug auch die Übernahme der Wärmeanlagen der Stadtwerke Ravensburg im Jahr 2019 zum Wachstum bei.
Rund 82 Millionen Kilowattstunden Strom erzeugte die TWS im Berichtsjahr in eigenen Anlagen und in solchen, an denen sie beteiligt ist. Das Geschäftsfeld Energieerzeugung überschritt wie erwartet die Gewinnschwelle und war ein Baustein, um aus der finanziellen Schieflage zu kommen: "Die Aufbauarbeit trägt Früchte: Die eigene Stromerzeugung aus erneuerbaren Quellen trägt jetzt positiv zum Geschäftsergebnis bei", berichtet Helmut Hertle, Technischer Geschäftsführer der TWS.
Dezentrales Netz weiter ausbauen
Parallel zur Erzeugung investiert das Tochterunternehmen TWS Netz GmbH in den Ausbau des Stromnetzes in Ravensburg und Weingarten: Denn die Umstellung von der zentralen Stromerzeugung in großen Kern- und Kohlekraftwerken auf eine zunehmend dezentrale Stromerzeugung über Windkraft-, Solar- und Biomasseanlagen erfordert neue technische Lösungen zur Steuerung von Angebot und Nachfrage. Alleine in das örtliche Stromnetz investierte die TWS Netz 2019 fünf Millionen Euro. Diese Investitionen tragen sich inzwischen auch wirtschaftlich, da die staatlich regulierten Netznutzungsentgelte 2019 angepasst wurden.
"Die Anhebung der Netzentgelte war wichtig für den dringend erforderlichen Ausbau unseres Stromnetzes", konstatiert Hertle. Zusätzlich baut auch die TWS Netz ihr Dienstleistungsangebot aus: So schätzen inzwischen acht Kommunen im Umland die Unterstützung der Ravensburger Experten bei der Trinkwasserversorgung. Dabei übernimmt die TWS Netz entweder die komplette Betriebsführung oder unterstützt mit Teilleistungen. Diese Leistungen ermöglichen den Kommunen eine hohe Versorgungsqualität und -sicherheit ihrer Bürgerinnen und Bürger.
Portfolio soll erweitert werden
Durch die positive Entwicklung der Wärme- und der Stromerzeugungssparte sieht sich die TWS in ihrer Strategie bestätigt und setzt den Kurs konsequent fort: Im Fokus der Portfolio-Erweiterung stehen Dienstleistungen wie das Energiedach, Mieterstrom, Heizkostenabrechnungen und der Aufbau ergänzender Mobilitätsleistungen. Zum Beispiel werden das betriebliche Fuhrparkmanagement und der Elektrofahrrad-Verleih behutsam weiter ausgebaut. (gun)
