Energie wird teurer, sagen Stadtwerke und Versorger in einer VKU-Umfrage.

Energie wird teurer, sagen Stadtwerke und Versorger in einer VKU-Umfrage.

Bild: © Wolfilser/Adobestock

Zum Start der Heizperiode müssen sich Verbraucherinnen und Verbraucher nach Einschätzung vieler Stadtwerke auf höhere Energiepreise einstellen. Das geht aus einer Umfrage des Verbands kommunaler Unternehmen (VKU) unter 757 Stadtwerken und kommunalen Energieversorgern hervor, die der VKU veröffentlichte.

Außerdem gaben die vier deutschen Übertragungsnetzbetreiber (ÜNB) 50 Hertz, Amprion, Tennet und Transnet BW planmäßig zum 1. Oktober die vorläufigen Stromnetzentgelte für 2027 bekannt. Diese fallen höher aus – das dürfte die Strompreise steigen lassen.

Auch Strom könnte teurer werden

Laut VKU erwarten 65 Prozent der befragten Unternehmen für die Heizperiode 2026/2027 höhere Erdgaspreise. Bei der Fernwärme rechnen 54 Prozent mit steigenden Preisen, beim Strom 49 Prozent. Als Gründe nennt der Verband vor allem Investitionen in Netze und Anlagen sowie höhere Großhandelspreise.

In der VKU-Umfrage zählen bei Strom steigende Netzentgelte infolge wachsender Investitionsbedarfe (82 %) und gestiegene oder steigende Großhandelspreise (70 %) zu den meistgenannten Faktoren.

Politik soll Kosten begrenzen

"Die Preise stehen auch unter dem Einfluss internationaler Krisen und des Umbaus unseres Energiesystems. Stadtwerke investieren heute in Netze und Anlagen, damit die Energieversorgung morgen sicher, klimaneutral und bezahlbar ist", sagte VKU-Hauptgeschäftsführer Ingbert Liebing.

Wichtig sei, dass Investitionen effizient erfolgten und die Politik die richtigen Rahmenbedingungen setze, um "unnötige Kosten" für Bürgerinnen, Bürger und Wirtschaft zu verhindern.

Geopolitische Krisen würden fossile Energien schnell zum Preis- und Versorgungsrisiko machen, so Liebing weiter. Die Wärmeversorgung müsse deshalb so umgebaut werden, dass sie langfristig "sicher, klimaneutral und bezahlbar" bleibe.

Netzentgelte und Großhandel als zentrale Treiber

Bei Strom nennen die befragten Unternehmen vor allem steigende Netzentgelte infolge wachsender Investitionsbedarfe sowie höhere Großhandelspreise als Treiber möglicher Preiserhöhungen. Der VKU fordert dabei eine "faire und verursachergerechte" Verteilung der Netzkosten – und spricht sich dafür aus, auch sogenannte Prosumer künftig stärker an den Kosten zu beteiligen.

Beim Erdgas spielen vor allem Großhandelspreise eine Rolle. Zudem nannten Befragte vorgezogene Abschreibungen der Gasnetze wegen absehbarer Stilllegungen sowie steigende Netzentgelte aufgrund notwendiger Stilllegungen oder Umrüstungen.

Der Verband verweist auf eine strukturelle Herausforderung: Wenn Absatzmengen zurückgehen, verteilen sich Kosten der bestehenden Infrastruktur auf geringere Mengen – gleichzeitig müssten Netze perspektivisch etwa für Wasserstoff oder andere klimaneutrale Gase weiterentwickelt werden.

Für Fernwärme stehen Investitionen in Netze und Erzeugungsanlagen im Vordergrund. Ein Teil der Unternehmen verweist darüber hinaus auf zeitverzögerte Effekte früherer Preissteigerungen bei Strom, Gas und Kohle.

Haushalte bekommen Mehrkosten nicht voll ab

Die vorläufigen bundeseinheitlichen Übertragungsnetzentgelte für 2027 könnten den Preisanstieg noch verschärfen. Nach Angaben des Vergleichsportals Verivox steigen die Übertragungsnetzentgelte von 2,86 Cent auf 3,54 Cent je Kilowattstunde (kWh). Das entspricht einem Plus von rund 24 Prozent.

Als Hintergrund nennt Verivox den sinkenden staatlichen Zuschuss: Dieser sinke im kommenden Jahr von 6,5 auf 5,525 Milliarden Euro. Der Kostenanstieg werde jedoch nicht eins zu eins auf die Stromrechnung durchschlagen, so Verivox.

Steigende Verteilnetzgebühren erwartet

Das Unternehmen erwartet stattdessen höhere Verteilnetzgebühren von voraussichtlich rund 0,24 Cent brutto je kWh. Gemessen am aktuellen durchschnittlichen Strompreis von 32,29 Cent/kWh entspreche das einem Anstieg um rund 0,8 Prozent – beziehungsweise "rund 1 Prozent" bei den Strompreisen für private Haushalte.

Eine Beispielrechnung: Laut Verivox wird ein Drei-Personen-Haushalt mit 4000 kWh Jahresverbrauch rund 10 Euro brutto mehr pro Jahr zahlen. Bei 2800 kWh (Zwei-Personen-Haushalt) liege das Plus bei rund 7 Euro, bei 1500 kWh (Single-Haushalt) bei rund 4 Euro.

Allerdings wirke sich der Anstieg je nach Wohnort sehr unterschiedlich aus. Die Übertragungsnetzentgelte sind nur ein Bestandteil der gesamten Netzkosten; wie stark die höheren Kosten unterm Strich ankommen, hänge auch vom jeweiligen Verteilnetzgebiet und weiteren Bestandteilen des Strompreises ab.

Außerdem preisen Stromversorger die Netzkosten gemeinsam mit weiteren Preisbestandteilen wie Beschaffungskosten, Steuern und Umlagen in ihre Tarife ein.

Änderungen noch möglich

Zum Hintergrund: Die ÜNB veröffentlichen zum 1. Oktober eines Jahres die vorläufigen Entgelte für das Folgejahr. Zum 1. Januar müssen die Entgelte dann für das neue Kalenderjahr gelten, weil sie die Abrechnung und die Netzkostenkalkulation für das Jahr bestimmen.

Die jetzt veröffentlichten Werte sind eine frühe Indikation für 2027 – Änderungen bis zur finalen Festlegung sind grundsätzlich möglich, etwa wenn sich Rahmenbedingungen (zum Beispiel Zuschüsse oder genehmigungsrelevante Parameter) noch ändern.

Stadtwerke hadern weniger mit Bezahlbarkeit

Trotz der erwarteten Preissteigerungen sei die Skepsis gegenüber der langfristigen Bezahlbarkeit der Wärmeversorgung im Vergleich zum Vorjahr zurückgegangen, so der VKU. In der Umfrage halten 31 Prozent eine bezahlbare Wärmeversorgung in Deutschland langfristig für gesichert, 35 Prozent verneinen das. 34 Prozent können die Entwicklung derzeit nicht einschätzen.

In der Umfrage nennen die teilnehmenden Unternehmen als Stellschrauben unter anderem eine kosteneffiziente Ausgestaltung der Wärmewende – etwa durch das Vermeiden paralleler Förderstrukturen. Jeweils 41 Prozent sprechen sich für eine Reform der Strom- und Gasnetzentgelte, eine Senkung der Stromsteuer auf das europarechtliche Minimum sowie eine Verlängerung und Reform des Kraft-Wärme-Kopplungsgesetzes (KWKG) aus.

Milliardenförderung gefordert

Das KWKG zu verlängern, fordert auch der VKU. Sowie insgesamt bessere Bedingungen, um die Wärmewende zu flankieren. Dazu zählt der Verband etwa eine ausreichende Förderung für den Aus- und Umbau der Wärmenetze und taxiert die Kosten dafür auf jährlich mindestens 3,5 Milliarden Euro. Weitere Forderungen sind: ein investitionsfreundlicheres Wärmenetzgesetz für einen beschleunigten Fernwärmeausbau und einen verlässlichen wirtschaftlichen Rahmen für den Umbau der Gasnetze.

Für die Umfrage hat der VKU nach eigenen Angaben insgesamt 757 Stadtwerke und kommunale Energieversorger angeschrieben. 225 Unternehmen hätten sich an der Befragung beteiligt. Das entspreche einer Rücklaufquote von rund 30 Prozent.

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