Jean-Claude Berthelot (links), Associate Director, Sustainable Finance Solutions, Sustainalytics​ im Gespräch mit Peter Kollmann, Finanzchef Verbund.

Jean-Claude Berthelot (links), Associate Director, Sustainable Finance Solutions, Sustainalytics​ im Gespräch mit Peter Kollmann, Finanzchef Verbund.

Bild: © Verbund

Beim Verbund spricht man von "einem neuen Meilenstein im Bereich Green Finance". Der österreichische Energieversorger hat Anfang dieser Woche den ersten rein nach Nachhaltigkeitskriterien bewerteten syndizierten Kredit platziert. Das Besondere daran: Der Zinssatz richtet sich über die gesamte Laufzeit nicht mehr nach dem Finanz-Rating der etablierten Finanz-Ratingagenturen, sondern vielmehr nach dem Nachhaltigkeits-Rating einer Agentur aus dem Bereich Green Finance. Laut dem Verbund handelt es sich um die weltweit erste Finanzierung dieser Art. Der erste "Enviromental Social Governance linked syndicated Loan" (ESG) hat eine Höhe von 500 Mio. Euro, Die Laufzeit beträgt fünf Jahre, Darlehensgeber sind zwölf Banken.

Verbund mit Medium Risk bewertet

Während der Laufzeit wird der Zinssatz des Kredits einmal jährlich festgelegt. Grundlage dafür sind die Ergebnisse eines externen Nachhaltigkeitsratings. Mit dieser neuartigen Finanzierung setze Verbund "einen grenzübergreifenden Impuls und bestätigt seine internationale Rolle als Innovationstreiber", sagte Verbund-Finanzchef Peter Kollmann. Für den syndizierten Kredit wurde ein ESG-Risiko-Rating des Versorgers herangezogen. Hierfür hatte der weltweit führende Anbieter von ESG-Bewertungen und Ratings, Sustainalytics, das Unternehmen untersucht und entsprechend eingestuft. Verbund wurde mit Medium Risk eingestuft (23.8 von 100), der Bestwert liegt bei dieser Skala liegt bei 1. Mit dieser Einstufung belegt der Verbund unter allen mit einem ESG-Rating bewerteten Energieunternehmen Platz 10. 151 Energieversorger (Electric Utilities) haben sich diesem Rating bisher unterzogen.

Entkopplung vom Finanzrating

Verschlechtert sich das Nachhaltigkeits-Rating  (ESG Rating) von Verbund, steigen die Kosten des Kredites. Verbessert sich das Nachhaltigkeitsrating des Energiekonzerns, sinken die Kosten des Kredites. Das bedeutet, dass es hier eine Entkopplung vom etablierten Finanzrating gibt. Der österreichische Stromversorger legt seit Längerem einen Fokus auf nachhaltige Finanzierungen. Bereits 2014 hatte der Verbund "als erstes Unternehmen im deutschsprachigen Raum" eine grüne Anleihe über 500 Mio. Euro aufgelegt. Die Mittel aus diesem Bond wurden ausschließlich zu Finanzierung zertifizierter Projekte im Bereich Wasser-und Windkraft verwendet.

2015 hatte der Versorger zudem seine langfristigen Veranlagungen zur Bedeckung der Ansprüche aus Pensions- und Abfertigungsansprüchen auf nachhaltige Kriterien umgestellt. Zur Finanzierung eines Hochspennungsnetzausbaus in Österreich hatte das Unternehmen zudem im Frühjahr 2018 den nach eigenen Angaben "weltweit ersten digitalen grünen Schuldschein in Höhe von 100 Mio. Euro emittiert. (hoe)

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