Die beiden regionalen Versorgungsunternehmen Enso AG und Drewag GmbH gehen zusammen und werden zur SachsenEnergie AG. Dadurch entsteht der größte kommunale Versorger Ostdeutschlands und der insgesamt viertgrößte kommunale Versorger Deutschlands, heißt es in einer Pressemitteilung von Freitagnachmittag. Die beiden Unternehmen hatten in den vergangenen Jahren gezielt auf eine Fusion hingearbeitet und die beiden Kommunalversorger bereits eng miteinander verzahnt.
Der neue Kommunalkonzern beschäftigt 3.300 Mitarbeitern und weist einen jährlichen Umsatz von rund 2,8 Mrd. und eine Bilanzsumme von 2,5 Mrd. Euro auf. Die Fusion soll rund 30 Mio. Euro Ertragssteigerung pro Jahr für die Anteilseigner generieren.
Versorger für 1,5 Mio. Menschen
Durch den Zusammenschluss von Drewag und Enso werde "eines der größten kommunalen Stadt-Land-Werke in Deutschland geschaffen, welches das Stadtgebiet der Landeshauptstadt Dresden und die Regionalbereiche in den Landkreisen Meißen, Sächsische Schweiz-Osterzgebirge, Bautzen und Görlitz umfassen wird", heißt es ergänzend in einer Mitteilung der Stadt Dresden. In diesem Gebiet leben rund 1,5 Mio. Einwohner. Die Geschäftsgebiete sind Energieerzeugung, Verteilung & Vertrieb sowie Wärme, Wasserversorgung und Glasfaser/Breitband.
„Das ist ein historischer Moment. Unser Ziel ist die Schaffung eines starken Energieversorgers für das Zentrum und die Osthälfte Sachsens“, erklärte Frank Brinkmann, Sprecher der Geschäftsführung der Drewag GmbH und zugleich Vorstandsvorsitzender der Enso AG in einem Videobeitrag. Der jetzige Vollzug der Fusion sei auch eine zeitnahe Antwort auf große Herausforderungen wie die neue Marktmacht des Energiekonzerns Eon und den sich abzeichnenden Ergebnisrückgang durch die Netzregulierung.
"Umringt von einer roten Übermacht"
„Wir sehen unseren kleinen Fleck umringt von einer roten Übermacht“, verdeutlichte Brinkman mit Blick auf die Landkarte und die vielen angrenzenden Versorgungsunternehmen der enviaM-Gruppe, die dem Eonkonzern mittlerweile mehrheitlich gehört. „Diese Marktkonzentration wird nicht ohne Spuren für uns bleiben". Auch der Energieverbund Dresden, der die Mehrheit an der Drewag und der Enso AG hält, hatte gemeinsam mit neun weiteren Kommunalversorgern im Mai dieses Jahres gegen den Eon-/RWE-Deal geklagt.
Netzregulierung: Hohe Einnahmerückgänge erwartet
Zudem erwartet Brinkmann allein durch die Energiemarktregulierung ab 2023/24 einen Einnahmenrückgang von 37 Mio. Euro, insbesondere durch die niedrigere Eigenkapitalverzinsung im Netzbereich. „Der einzige große Chip, den wir dagegen in der Hand haben, ist die Fusion“, verdeutlichte er. Dies bedeute einerseits ein Zusammengehen der Muttergesellschaften, gleichzeitig fände auch die Transposition der beiden Netzgesellschaften Enso Netz und Drewag Netz statt.
Aus der bislang gebietsbezogenen Abgrenzung von Gas- und Stromnetz würden zukünftig zwei nach Gasdruckstufen- bzw. Spannungsebenen getrennte Netzgesellschaften hervorgehen, heißt es. Das gesamte Hochspannungs- und Hochdrucknetz werde danach in einer Gesellschaft vereint, das gesamte Niederdrucknetz in der anderen Gesellschaft gebündelt. Die beiden Marken Drewag und Enso blieben als Produktmarken für die Kunden erhalten.
"Glasfaser vorantreiben"
"Durch die Fusion schaffen wir das Energiezentrum Sachsens. Mit dieser Chance und Verantwortung zugleich werden wir umgehen und sowohl die Energiewende als auch die Entwicklung der Versorgungsinfrastruktur, speziell auch Glasfaser, vorantreiben.“ betonte Brinkmann.
Die Aktionäre der SachsenEnergie sind insgesamt 169 sächsische Kommunen in folgender Struktur: Landeshauptstadt Dresden 82,3 Prozent, KBO mit 16,3 Prozent (die Kommunale Beteiligung Gesellschaft mbH bündelt 147 kommunale Gesellschafter und fünf Treugeber), 16 kommunale Einzelaktionäre halten die restlichen 1,4 Prozent.
Zwei Milliarden Euro werden investiert
Die neue SachsenEnergie AG soll in den nächsten zehn Jahren über zwei Milliarden Euro in die Infrastruktur investieren. Ziel sei eine Fusion auf Augenhöhe. „Wir haben uns den Unternehmensgrundsatz der regionalen Gleichbehandlung bei der Infrastrukturentwicklung gegeben – diesen werden wir zum Wohle der Daseinsvorsorge aller unserer Versorgungsgebiete mit Leben füllen“, kündigte der Vorstandsvorsitzende an.
Die Fusion und die Umgestaltung der Netze soll in der Hauptversammlung am 18. Dezember formal beschlossen werden. Drewag und Enso waren in den vergangenen Jahren organisatorisch bereits eng miteinander verzahnt worden. Es gibt seit über zwei Jahren einen gemeinsamen Vorstand und einen gemeinsamen Betriebsrat, auch die Arbeiten für den Bau einer gemeinsamen Netzleitstelle und eines gemeinsamen Verwaltungsgebäudes haben seit längerem begonnen.
"Aus einer wilden wird eine standesamtliche Ehe"
„Durch die Integration der Betriebe liefern wir bereits vorab die Früchte der Fusion“, hatte Brinkmann bereits im Dezember 2018 in einem Interview in der ZfK erklärt. "Wenn die Anteilseigner zu dem Ergebnis kommen, dass aus der wilden Ehe eine standesamtliche werden soll, dann wird das so". Das Aufgebot für das Standesamt ist mit der jüngsten Ankündigung nun bestellt. (hoe)



